Justitia ist wachsam (Symbolfoto).
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Justitia ist wachsam (Symbolfoto).

Prozess in Frankfurt

Angeklagter führt Todesliste

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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In Frankfurt steht ein Mann vor Gericht, der versucht hat, drei seiner Familienangehörigen zu töten. Er soll an paranoider Schizophrenie leiden. Vor der Tat führte er eine "Straf-" und eine "Todesliste".

Im Prozess gegen Daniel B. werden immer mehr bizarre Details bekannt. Der 40-Jährige hatte im Januar dieses Jahres versucht, seinen Vater, seine Stiefmutter und seine Halbschwester im Haus der verstorbenen Großmutter mit einem Beil beziehungsweise einem Messer zu töten – die Familienmitglieder überlebten schwerverletzt und konnten den Angreifer gemeinsam niederringen.

Daniel B. hat sich bislang noch nicht zur Tat geäußert. Die Anklage, die B. dreifachen Mordversuch vorwirft, geht von zumindest verminderter Schuldfähigkeit aus. Der Angeklagte soll an paranoider Schizophrenie leiden, nach einem halben Jahr Untersuchungshaft ist er mittlerweile in der Psychiatrie in Haina untergebracht. Das psychiatrische Gutachten steht bislang noch aus.

Dafür sagten am Mittwoch Ermittler aus, die nach der Tat die bei Daniel B. gefundenen Computeraufzeichnungen ausgewertet hatten. Und die sprechen eine deutliche Sprache. Bereits Monate zuvor hatte sich Daniel B. intensiv mit der Tat auseinandergesetzt und diese minutiös geplant – Ort und Opfer standen fest, aber über die beste Tötungsmöglichkeit hatte der Täter sich viele Gedanken gemacht.

Das Resultat sind niedergeschriebene Geistesblitze wie „Messer richtig-rum halten“ oder die Überlegung, dass es statt eines Beils auch ein Hammer tue, „dann muss man halt öfter hämmern“. Geradezu besessen zeigte sich B. bei der geplanten Zerstückelung der Leichen. Sätze wie „Köpfe und Hände inklusive Handwurzel lassen sich gut abtrennen und mitnehmen“ lesen sich fast wie Kochrezepte, „anschließend kleinschneiden und wegspülen oder auch Nidda“. „So oder so bin ich im Mittelpunkt des Interesse“, hatte B. damals in seinen Computer orakelt.

Dass bei B. mental manches im Argen liegt, legen auch zwei Listen nahe, von denen die Ermittler berichten: eine „Straf-“ und eine „Todesliste“. Auf Letzterer befinden sich auch Menschen, die nicht in B.s engsten Familienkreis gehören, etwa Uschi Glas und Iris Berben, aber auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann sowie laut Aussage von B.s Verteidiger ein überraschend großer Teil der „FAZ“-Redaktion. 

Dass Daniel B. sich selbst für einen klugen Kopf hält, beweist ein weiteres Detail: Für die Tat hatte er sich einen Pullover seiner Mutter angezogen – um nicht erkannt zu werden. 

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