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In Wiesbaden sind wegen des Stromausfalls auch Ampelanlagen ausgefallen.

Stromausfall in Wiesbaden und Mainz

"Die Anfälligkeit für Störungen ist hoch"

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Ein großer Stromausfall, wie zuletzt in Wiesbaden und Mainz geschehen, ist gefährlich. Markus Röck von der Frankfurter Feuerwehr erläutert im FR-Interview, warum.

Herr Röck, in Wiesbaden und Mainz gab es einen erheblichen, aber nicht brisanten Stromausfall. Ab wann wird ein Zusammenbruch des Stromnetzes gefährlich?
Man denkt ja immer, beim Thema Katastrophenschutz gehe es nur um Hochwasser oder Unwetter. Aber wenn wir von Einsatzlagen sprechen, in denen nicht einfach nur Schaden entsteht oder Menschen verletzt werden, sondern eine Gefährdungssituation für die Gesellschaft als Ganzes vorliegt, dann ist ein flächendeckender, andauernder Stromausfall für uns eines der brisantesten Szenarien überhaupt. 

Was macht einen größeren Stromausfall so gefährlich?
Zum einen geht es da um die Infrastruktur, weil heutzutage sehr viel vom Strom abhängt. Ohne Strom kein Internet, keine Telefonverbindungen, keine normale Kommunikation. Auch Logistik wird zum Problem, von Bargeld und EC-Karten über Benzinversorgung bis hin zu der Frage, wie wir ohne Computersysteme Lebensmittel aus einem Großlager in einen Supermarkt bekommen.

Je länger der Blackout andauert, desto kritischer wird die Situation. Dazu kommt eine soziale Komponente: Wir leben in einer Welt, die stark arbeitsteilig organisiert ist. Die Menschen leben in Echtzeit, sie überlegen sich meist erst tagsüber, was sie abends kochen wollen. Sie haben nicht unbedingt einen Verbandskasten zu Hause und wissen zum Teil auch gar nicht, wer in ihrer Nachbarschaft wohnt und im Notfall vielleicht Hilfe braucht. Die Anfälligkeit für Störungen ist dadurch sehr hoch. 

Wie groß ist überhaupt die Gefahr so eines lang andauernden Blackouts?
Das kann ich Ihnen nicht wirklich beantworten. Wir als Feuerwehr beobachten aber, dass es solche Fälle eher häufiger gibt als früher. Stromnetze gegen Störungen abzusichern kostet natürlich auch immer Geld. Wir bereiten uns in jedem Fall auf größere Stromausfälle vor. 

Wie bereiten Sie sich auf eine solche Situation vor?
Erst einmal gucken wir, dass die kritischen Prozesse in unserem Haus weiter funktionieren könnten. Also die interne Kommunikation auch ohne Telefon, die Notstromversorgung unserer Feuerwachen, Nahrungsmittelvorräte für unsere Besatzungen und so weiter. Wir haben für uns auch das Tankstellenproblem gelöst, ich kann Ihnen aber nicht sagen, wie – weil im Notfall der Bedarf ja sehr groß wäre. Und für die Bürger würden wir alle Standorte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr als Notfallmeldestellen hochfahren, so dass die Bürger dort Notrufe absetzen könnten, wenn die Telefone nicht mehr funktionieren. Es würde ja einen extremen Bedarf nach Hilfe geben, und der Betrieb wäre nicht mehr so, wie man das im Alltag gewohnt ist. 

Was können normale Bürger tun, um sich für einen solchen Ernstfall zu rüsten?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet Broschüren an, in denen das alles drinsteht. Dass man beispielsweise Wasser, Lebensmittel und Medikamente zu Hause haben sollte. Wenn man auf so etwas hinweist, wird einem oft Panikmache vorgeworfen, aber da kann ich als Feuerwehrmann nur sagen: Wenn ich dazu rate, sich beim Autofahren anzuschnallen, ist das auch keine Panikmache. Es schadet nichts, ein paar Lebensmittel vorrätig zu halten, vielleicht ein Radio, ein paar Batterien und eine Taschenlampe. Oder mal mit seinen Nachbarn zu sprechen, wie man sich im Ernstfall helfen könnte. Denn in so einer Situation kann man sich nicht zurücklehnen und denken, der Staat und seine Institutionen könnten einfach alle Probleme lösen. Trotzdem braucht man keine Panik zu haben. Wir sind in Deutschland und gerade in Frankfurt hervorragend aufgestellt, was Katastrophenschutz und Gefahrenabwehr angeht. Aber das Thema Selbstschutz könnte ruhig wieder mehr im Fokus stehen.

Es würde also aus Ihrer Sicht nicht schaden, mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen und über Vorratshaltung von Wasser und Lebensmitteln nachzudenken?
Auf jeden Fall. Damit man zumindest drei, vier Tage überbrücken könnte. So, wie man eine Hausratsversicherung abschließt, sollte man sich auch mit diesem Thema mal in aller Gelassenheit befassen. Das würde uns als Gesellschaft guttun. 

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