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Stier vor einem der Exponate, dem weltgrößten Bembel.

Hanau

Anekdoten und der weltgrößte Bembel

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Der Verein Apfelwein Centrum Hessen will in Hanau das landesweit erste Museum fürs Stöffche aufbauen.

Der größte Bembel der Welt, in den rund 700 Liter Ebbelwei passen, wird natürlich zu sehen sein. Außerdem kunstvolle Etiketten von der Kelterei Freyeisen, Sehenswertes aus einer riesigen Deckelsammlung und viele andere Exponate. Doch noch wichtiger, sagt Jörg Stier, sind ihm all die Geschichten und Gefühle, die mit dem Stöffche zusammenhängen und zum Beispiel über Audio- und Filmbeiträge transportiert werden sollen. Wie kaum etwas anderes stehe Apfelwein „für die Identifikation mit der Region, für Genussfreude“. Er vereine unzählige ökologische, wirtschaftliche, historische Aspekte; gleichzeitig „können viele Leute persönliche Anekdoten erzählen, etwa davon, wie Opa im Keller selbst Wein gemacht hat und es dort geblubbert hat.“

Der Verein ACH! (Apfelwein Centrum Hessen – Verein zur Förderung regionaler Apfelweinkultur), dessen Vorsitzender Stier ist, baut ein kleines, aber feines Apfelwein-Museum in Hanau auf. Laut Stier soll es noch in diesem Jahr eröffnen und wäre das erste dieser Art in Hessen. Das Museum wird an Stiers Laden „Main Genuss Laden“ grenzen, der am Hanauer Heumarkt liegt. Hier werden seit 2016 unter anderem Apfelweine der Kelterei Stier, Produkte rund um den Wein und Hausgemachtes angeboten.

Für das Museum wollen der Maintaler und seine Mitstreiter Räume nutzen, die direkt hinter dem Verkaufsraum liegen. Etwa 40 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Vermieter Wolfgang Knopf, dem auch das benachbarte Hotel Zum Riesen gehört, unterstützt das Vorhaben. Mehrere zehntausend Euro wird der Umbau kosten, schätzt Stier. Die Finanzierung sei gesichert, denn die Stadt Hanau und der Main-Kinzig-Kreis werden das Apfelwein-Museum fördern.

Pläne in Frankfurt

In Frankreich und Spanien gibt es bereits zahlreiche dieser Museen. In Frankfurt ist eine solche Einrichtung schon seit längerer Zeit geplant. Der Förderverein Deutsches Apfelweinmuseum treibt die Pläne voran, die aber noch nicht verwirklicht wurden, auch weil noch kein passender Standort gefunden wurde.

Stier betont, dass der Verein ACH! zu den Unterstützern des Frankfurter Projekts gehöre und das Hanauer Museum mit ihm kooperieren wolle. Die Einrichtungen könnten sich ergänzen, sagt der Keltermeister. Er lege grundsätzlich großen Wert auf Kooperationen, das Museum soll auch ein „Ort der Vernetzung“ werden. So bietet sich eine Zusammenarbeit mit dem städtischen Umweltzentrum an, um die Ökologie des Apfelweins zu erkunden. Eine Partnerschaft mit dem Main-Äppel-Haus auf der Lohrberg würde ebenfalls gut passen, so Stier. In Hanau soll kein Eintritt verlangt werden, die Öffnungszeiten werden sich weitgehend mit denen des Ladens decken.

An den Plänen arbeitet Stier mit einer ganzen Reihe von Apfelwein-Liebhabern und Fachleuten. Dazu gehören Richard Schaffer-Hartmann, der frühere Leiter der Hanauer Museen, sowie der Museumspädagoge Thomas Scheuermann. Sie sind sich darin einig, dass das Apfelweinmuseum „nicht starr, sondern lebendig“ werden soll. Dazu gehört, dass nicht nur Bembel und andere Dinge ausgestellt, sondern zum Beispiel Lesungen und Seminare veranstaltet werden und die Ausstellungen wechseln. Inhaltlich wird es auch um die wechselvolle Geschichte des Apfelweins gehen. Etwa darum, dass er den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war, weil er der sogenannten Volksgesundheit schade und regionale Eigenheiten nicht zum Einheitsstaat passten.

Statt abgehoben soll das Museum bodenständig sein – so wie der Apfelwein selbst, der „immer nah an den Menschen geblieben ist“, sagt Stier, „was sich eben auch daran zeigte, dass er zu Hause hergestellt wurde“. Der Keltermeister ist überzeugt davon, dass das Museum Besucher anzieht, nicht zuletzt weil „das Regionale derzeit wieder mehr Wertschätzung bekommt“.

www.apfelwein-centrum-hessen.de

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