Hochschule Darmstadt

So viel Potenzial und Lust

Sie tragen weder Strickpullover noch dicke Brillengläser: Rund 40 Oberstufenschüler aus Südhessen lernen in ihren Ferien an der Hochschule, wie Mathematik im Alltag Probleme löst. Von Sebastian Weissgerber

Von SEBASTIAN WEISSGERBER

Es gibt oft dieses Klischee, dass da Leute im Strickpullover mit dicker Brille sitzen und den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als das Mathebuch durchzublättern", sagt Andreas Stojanik. Der Zwölftklässler aus Heusenstamm besucht in den Ferien die Mathematik-Herbstschule der Hochschule Darmstadt (HDA). Dort lernen rund 40 Oberstufenschüler aus Südhessen, wie Mathematik im Alltag Probleme löst. Und sie tragen weder Strickpullover noch dicke Brillengläser.

Für viele, die sich mit Grauen an ihren Mathematikunterricht erinnern, stellt sich da die Frage, warum die Schüler freiwillig vier Tage ihrer Herbstferien opfern. "Es macht Spaß, wenn man Dinge aus dem Alltag abstrakt darstellen kann, eine Struktur und ein System findet", erklärt Stojanik, "das ist Mathematik".

Auch Torsten-Karl Strempel vom Zentrum für Mathematik, das die Herbstschule als Kooperationspartner unterstützt, findet: "Es sollte normal sein, in den Ferien Mathematik zu machen." Andere Schüler würden in den Ferien zum Musizieren ins Schullandheim fahren. "Da fragt auch keiner, ob die das freiwillig machen."

Konzept gewinnt Wettbewerb

Freiwillig sind auch der Organisator, Mathematik-Professor Andreas Fischer und die Mitarbeiter des Zentrums für Mathematik und des Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts, dabei. "Das ist alles ehrenamtlich", sagt Fischer.

Seit einem Jahr leitet er eine Mathe-AG an der Schule seiner Tochter. Dabei sei ihm die Idee zu der Herbstschule gekommen: "Bei den Schülern ist so viel Potential und Lust vorhanden." Das Konzept hat das Bundesministerium für Bildung im Wettbewerb "Mathe erleben" sogar mit einem Preisgeld von 1000 Euro ausgezeichnet. Mit den Beiträgen der Schüler von etwa 900 Euro sowie 4000 Euro von der Uni Darmstadt seien die Kosten gedeckt, sagt Fischer.

An den ersten beiden Tagen lernen die Schüler in den Räumen der Hochschule, wie sich ein Verkehrsstau mathematisch vorhersagen lässt oder Computer per Kamera Gegenstände erkennen können. An zwei weiteren Tagen besuchen die Schüler das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln und das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern. "Dort sollen die Schüler, die Dinge, die sie bei uns in einfacher Weise selbst erlebt haben, in der wirklichen Welt wiedererkennen."

Wenn die Schüler zufrieden sind, wollen sie die Herbstschule in Zukunft regelmäßig anbieten, sagen Fischer und Strempel.

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