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Ob der Keuschheitsgürtel das richtige Mitbringsel ist? Beim Ausverkauf gab es auch so einige kuriose Objekte zu erstehen.

Inventar

Andenken an zehn tolle Jahre

Groß ist der Besucheransturm beim viertägigen Ausverkauf auf der Veste Otzberg.

Alles muss raus“, hieß es vier Tage lang auf der Veste Otzberg. Das alte Gemäuer aus dem 12. Jahrhundert hat schon einiges erlebt, doch einen solchen Besucheransturm wie von Fronleichnam bis Sonntag sicherlich noch nicht: In Scharen erklimmen Besucher aus der ganzen Region und teils weit darüber hinaus die Stufen zum Burgtor. In der Gaststube, dem Korporalhaus und den Museumsräumen wird zum „Sächelchesmarkt“ der besonderen Art geladen. Regelmäßig hatte das Pächterehepaar Silvia und Rolf Tilly in den vergangenen Jahren unter diesem Motto zum Flohmarkt geladen, doch nun stand das gesamte Inventar der Burg zum Verkauf.

Aus gesundheitlichen Gründen haben die Tillys, die 2007 das Museum und 2009 die Gaststätte der Burg übernahmen, die Pacht aufgegeben. In den kommenden Jahren will das Land die Burg umfangreich sanieren, daher musste alles geräumt werden. Eine komplette Restaurant-Einreichtung etwa, hunderte Bestecke, Kaffeetassen, Zuckerdosen, Wein- oder Biergläser oder schier unzählbar viele Sitzkissen. Dazu alles aus dem Museum oder der Burg, was keine Leihgabe war: Bilder, Drucke, Bücher, Möbel, Porzellan, Modelbrettchen oder alte Bügeleisen. Oder Kurioses wie Holzschwerter, Osterhasenkostüme, gehäkelte Wählscheibentelefonhüllen, Eichhörnchen-Weihnachtsschmuck oder Flaschenverschlüsse.

„Ich mag ja Rauchglas, aber was soll ich denn zu Hause mit zwölf Rauchglasvasen, die alle gleich aussehen“, sagt Silvia Tilly und stellt die Vasen auf den Verkaufstisch. „Das muss alles weg, wir können nicht alles mitnehmen.“ Ein wenig wehmütig werde es ihr schon beim Anblick so mancher Stücke. „Wir hatten im Burghof einmal ein großes Fest mit dem Motto ‚under the sea‘ - wir haben tagelang alles aufgehängt. Nun die Deko hier beim Verkauf zu sehen, da kommen mir schon die Tränen“, sagt sie.

Die Veste Otzberg wird in den kommenden Jahren aufwendig saniert.

„Wir wurden am Donnerstag zur Eröffnung richtig überrannt“, sagt Olaf Jentsch, der eigens aus Nürnberg angereist ist, um die Tillys beim Verkauf zu unterstützen. „Wie viele Besucher seitdem zum Flohmarkt kamen, kann ich nicht schätzen - sehr viele erben“, sagt er und lacht. Seit 2009 kennt er die Tillys, ist als Mitglied der „Fränkischen Kämpfer“ immer bei den Mittelalterspektakeln auf der Burg dabei.

Viele Besucher verbinden persönliche Erinnerungen an das Betreiberpaar oder die Burg. „Es kamen Paare, die hier geheiratet haben und die uns nun die Fotos ihrer Kinder gezeigt haben“, sagt Silvia Tilly. Andere wollen noch einmal Burghund Lissy streicheln, die jahrelang heimlicher Star der Burg war und sogar Postkartenmotiv wurde.

„Es tut mir so leid, dass nun Schluss ist“, sagt Inge Haas und umarmt die Pächterin. Auf den Ostereiermärkten hat sie regelmäßig ausgestellt. „Mit den beiden war die Burg ein Anlaufpunkt gewesen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne sie wird“, sagt Haas. Andere wie Karla und Wulf Gammert loben die schöne Gemeinschaft der Aussteller bei Märkten auf der Burg oder die vielen Angebote für Kinder zum Thema Mittelalter. „Das sind große Fußstapfen, die sie hinterlassen“, sagt eine Frau und kämpft sichtbar mit den Tränen. Ob und wann es wieder einen Museumsbetrieb geben wird, steht noch nicht fest.

Doch immerhin können die Tillys einige Besucher beruhigen: Laut Land sollen der Burghof und der Turm auch während der Sanierungsarbeiten zugänglich bleiben.

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