+
Markus Gläser steht derzeit in Wiesbaden als Lord Hastings auf der Bühne.

Markus Gläser

„Schergen überführen ei’n dem Henker“

  • schließen

Schauspieler Markus Gläser singt in einem Hip-Hop über den Schlachthof von seiner Jugend und Nazi-Verbrechen.

Heute wird am Schlachthof gefeiert und Musik gemacht. Das Kulturzentrum ist bundesweit bekannt. Während des Nationalsozialismus aber stand der Ort für den menschenverachtenden Umgang mit Minderheiten: Seit 1942 wurden von dort Juden und Sinti in die Konzentrationslager deportiert.

Auf diese grausige Geschichte macht der Schauspieler und Musiker Markus Gläser in dem Hip-Hop-Song „Heute. Morgen“ aufmerksam, das er jetzt veröffentlicht hat. Der 32-jährige Wiesbadener erzählt darin von seiner Jugend, wie er am Kulturzentrum Schlachthof abhing, sich verliebte und tanzte, ganz unbekümmert, ohne zu wissen, was an dem Ort früher geschehen war: „Egal ob high und verknallt, hier rocken wir derbe“, heißt es in dem Stück.

Erst 2010 erfuhr er bei der Bildungs- und Jugendinitiative des Aktiven Museums Spiegelgasse von den Judendeportationen und schrieb zur Eröffnung des Mahnmals am Schlachthof sein Stück, das damals live gespielt wurde: „70 Jahre zuvor: dass hier gefeiert wird, undenkbar, Verachtung regiert, Schergen überführen ei’n dem Henker, hier an der Rampe werden an manchen Tagen Menschen wie Vieh auf Zugwagen geladen“, geht der Text weiter.

Da Gläser, der inzwischen in Berlin lebt, zurzeit im Wiesbadener Staatstheater als „Lord Hastings“ in „Richard III“ auf der Bühne steht und daher oft in Wiesbaden ist, erinnerte er sich wieder an das Lied und erkannte, wie dringlich es ist, es an die Öffentlichkeit zu bringen. „Heute ist der Text aktueller denn je“, sagt er. Seinerzeit sei Rechtsradikalismus ein Randgruppenphänomen gewesen. „Jetzt sind diese Ideen salonfähig geworden und Rechtsradikale sitzen im Bundestag.“

Zum zehnjährigen Bestehen der Jugendinitiative Spiegelbild produzierte Gläser den Song deshalb neu. Zu hören war er im September bei der Demonstration gegen das rechte Bündnis „Gegen Gewalt auf unseren Straßen“ in den Reisinger-Anlagen.

Markus Gläser hat unter anderem in den ZDF-Serien „Der Staatsanwalt“ und „Notruf Hafenkante“ mitgespielt. Demnächst ist er im Kinofilm „Es ist aus, Helmut“ von Petra Lüschow zu sehen. Als Musiker machte er, wie er sagt, lange unter dem Pseudonym Magianos Fabiano deutschsprachigen Hip-Hop. Er produziert auch für andere Bands und schreibt Musik fürs Theater.

„Heute. Morgen“ ist bei I-Tunes, Spotify, Amazon, Apple Music und anderen erhältlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare