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Am Kaisergleis rollt bald die Kugel

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Christoph Schwarzer weiht einen der nagelneuen Billardtische in seinem neuen Lokal „Pool Station“ am Bad Homburger Bahnhof ein. priedemuth
Christoph Schwarzer weiht einen der nagelneuen Billardtische in seinem neuen Lokal „Pool Station“ am Bad Homburger Bahnhof ein. priedemuth © Priedemuth

Billardlokal im Kulturbahnhof steht kurz vor Eröffnung

BAD HOMBURG - Pool Station“ ist auf dem Schriftband zu lesen, das seit kurzem die Sicht durch die Glasscheiben des Kulturbahnhofs erschwert. Reinkommen soll man, findet Christoph Schwarzer, neuer Pächter der Bahnhofslokale - und das wird in Kürze möglich sein. Vor gut einem Jahr haben Schwarzer und sein Sohn Timo von der Kur- und Kongreß-GmbH den Zuschlag für die komplette Gastronomie an diesem zentralen Ort bekommen, der bald mit Eröffnung des benachbarten Kinos noch an Bedeutung gewinnen wird.

Doch warum hat er nicht längst geöffnet? Seit über einem Jahr ist er Pächter; die Pandemie und Lieferprobleme zögerten einen Start Anfang des Jahres hinaus. Im Frühsommer sprach Schwarzer von einem Eröffnungstermin Ende Juli, doch noch immer warten im modernen Anbau neben dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude die inzwischen gelieferten zehn Billardtische - türkis und im Raum eng gestellt - jungfräulich auf die ersten Matches.

Auf der Theke türmen sich aber bereits Gläserkartons, und es riecht nach neuen Möbeln. Die mokkafarbenen Ledersitze wurden erst kürzlich geliefert. Per Handy bringt der 62-Jährige eine soundstarke Musikanlage in Gang; ein Schlager erklingt, während er ein Kugel-Set aus dem Regal nimmt, ein nagelneues Queue aus der Plastikverpackung pfriemelt und an einem der Billardtische in Stellung geht.

Die „Pool Station“ werde in den nächsten Wochen endlich öffnen, kündigt Schwarzer an. Der Name sei gefunden, von seinem Sohn; er nimmt Bezug auf den Bahnhof. Die Tische sind da, ebenso vier Dart-Automaten der neuesten Generation. Sobald die Personalfrage geklärt sei, werde es losgehen. Betriebsbereit ist auch die Bar nebenan im alten Hauptgebäude, an der man früher, etwa bei Lesungen des Poesie-Festivals im Anbau, noch ein Getränk bekommen hat. Auch sie hat schon einen Namen: „Double-In-Bar“, benannt nach einer Herausforderung beim Pfeil-Spiel Darts.

Wandgemälde zeigen große Fahrzeuge in Wüstensand. „Das ist ,Mad Max‘“, erklärt Schwarzer - ein dystopischer Actionfilm aus dem Jahr 1979. Wie ein Kontrast wirken dazu die opulenten, goldenen Ballonlampen und die schwarze Ledergarnitur, die Schwarzer aus dem Bestand übernehmen durfte. Hier kann man sich gut Zigarre rauchende Millionäre vorstellen - allerdings wird im ganzen Lokal Rauchen verboten sein.

In beiden Räumen treffen nun mehr denn je Kaiserzeit und modernes Entertainment aufeinander. Vom Billardtisch kann man auf einen der Bildschirme schauen, auf denen Sport-Übertragungen gezeigt werden, oder daran vorbei aufs schnörkelige Geländer des Kaisergleises. Die alte Sandsteinwand hinter Glas wird abends erleuchtet. „Toller Raum“, findet Schwarzer.

Steakhaus sucht Betreiber

Und dann gibt es noch das eigentliche Bahnhofslokal im historischen Gebäude. Das hat zuletzt einiges erlebt, aber immer nur in kurzen Etappen. Vom Versuch eines Frankfurter Kinobetreibers („Zum Glück“), hier ein Restaurant zu betreiben, zeugt im Eingang noch eine kleine Metallfigur von „Hans im Glück“. Nach dem „Lokkers“ kam der „Wartesaal“ - dieser Name ist noch von außen am Gebäude zu lesen, und auch innen nehmen historisierende Schilder wie „Wäschekammer“ an der Küche Bezug aufs Gebäude. Auch das große Wandgemälde mit dem wilden Reiter ist noch da. Ob es bleiben wird? Da ist sich Christoph Schwarzer noch nicht sicher. Er will hier ein Steakhouse etablieren, „ein richtig gutes“, und sucht noch einen Betreiber. „So was fehlt in Bad Homburg“, findet der Unternehmer, der seit mehr als 40 Jahren in der Unterhaltungsbranche ist. Mit seinem Sohn führt er die Blacky’s Entertainment GmbH und betreibt unter anderem das „Magic Bowl“ in Oberstedten.

Dass das Geschäft am Homburger Bahnhof laufen wird, davon ist er überzeugt. „Die Leute sind wieder bereit, Geld auszugeben, wenn sie dafür etwas Gutes geboten bekommen.“ Erwartungen setzt er auch aufs Kino-Center mit Geschäften, das im Frühjahr eröffnen soll - dort wird jetzt bereits die Fassade angebracht. Und durch das angegliederte Parkhaus werde hoffentlich auch das langjährige Problem dieses Gastro-Standorts gelöst: die fehlenden Parkplätze.

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