Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch dieses Projekt war mal ein Praxisprojekt.
+
Auch dieses Projekt war mal ein Praxisprojekt.

TU Darmstadt

Altfett-Entsorgung mit Zeppelin

Praxisprojekte helfen Studenten, sich durchs Technik-Studium zu beißen. Die Technische Universität Darmstadt betreibt Pionierarbeit. Von Sebastian Weissgerber

Von SEBASTIAN WEISSGERBER

Maschinenbauer wollen Maschinen bauen und sich nicht mit Mathematik und Thermodynamik rumärgern. Müssen sie aber. Deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass 50 Prozent der Erstsemester ihr Studium abbrechen, sagt Manfred Hampe.

Dem Darmstädter Professor für Maschinenbau ist es gelungen, diese Quote an seiner Universität deutlich zu senken. Mit einem deutschlandweit einmaligem Projekt, das derzeit sein Zehnjähriges feiert - und nun auch von anderen Universitäten kopiert wird. Die Exzellenzuniversität Aachen hat Vertreter geschickt, die sich das Projekt diese Woche in Darmstadt anschauen. Das Wissenschaftsministerium von Schleswig-Holstein ebenfalls.

Die Idee ist eigentlich simpel: Wenn junge Menschen lernen wollen, Maschinen zu bauen, sollte man sie Maschinen bauen lassen, regte ein Kollege von Hampe an. "Ich war völlig dagegen", berichtet der Gefeierte heute. "So etwas kann man doch nicht mit Erstsemestern machen", habe er damals geglaubt. Er hat die Meinung schnell aufgegeben.

Psychologische Betreuung Pflicht

Seitdem konstruieren die Maschinenbauer in Darmstadt bereits in den ersten Wochen des Studiums Anlagen zur Meerwasserentsalzung, Konzepte, um das gesamte Altfett Hessens zu entsorgen, und in diesem Jahr einen Cargo-Lifter - eine Art moderner Zeppelin für tonnenschwere Lasten. "Das ist eine Herausforderung für Erstsemester", sagt Psychologin Marion Eger, die das Projekt didaktisch leitet. "Aber im Beruf müssen Ingenieure auch komplexe Aufgaben lösen, die nicht wie im Studium klar vorgegeben sind."

Die 480 Erstsemester müssen aber nicht nur die fachlichen Anforderungen meistern, bei denen ihnen alle Professoren des Fachbereichs während der Projektwoche ganztägig zur Seite stehen. Sie müssen auch Sozialkompetenz beweisen und die Aufgabe im Team lösen. Dazu wird jede der elfköpfigen Gruppen von einem psychologisch geschulten Mitarbeiter angeleitet. So lernen die Studenten Strategien wie Brainstorming oder "Blitzlicht"-Runden, in denen jeder Teilnehmer 30 Sekunden Redezeit hat, einzusetzen.

Student Marcel Kroneisz sagt, er sei der psychologischen Begleitung erst skeptisch gegenübergestanden. "Aber sie hat mir gezeigt, dass ich mich sehr schnell nach vorne und die Gruppe in meine Richtung dränge." Neben besserer Selbstreflexion habe er auch gelernt, dass es sinnvoll sei, sich durch das dröge Grundstudium zu beißen.

Seit zwei Jahren ist das Projekt für alle Studenten Pflicht. Seitdem hat sich die Quote derer, die bis zum vierten Semestern durchhalten, von 78 auf 94 Prozent gestiegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare