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Laut amtlicher Statistik ist der Anteil der Älteren, die armutsgefährdet sind, von 14,1 Prozent im Jahr 2017 auf zuletzt 14,9 Prozent gestiegen.

Soziales

„Altersarmut in Hessen ist noch viel größer“

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Die Diakonie Hessen fordert eine höhere Mindestrente. Außerdem sei das Problem größer als gedacht, denn viele Berechtigte tauchten in der Statistik gar nicht auf.

  • Immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen
  • Armutsanstieg stärker als im Durchschnitt der Bevölkerung
  • Linke und Verbände fordern ein Gegensteuern

Die Diakonie Hessen, Hilfswerk der evangelischen Kirche, geht davon aus, dass Altersarmut deutlich weiter verbreitet ist, als dies nach offiziellen Zahlen den Anschein hat. „Mehr als die Hälfte der alten Menschen, die von Armut betroffen sind, nehmen die Grundsicherung nicht in Anspruch“, sagte Vorstand Wilfried Knapp.

Altersarmut wächst stetig

Laut amtlicher Statistik ist der Anteil der Älteren, die armutsgefährdet sind, von 14,1 Prozent im Jahr 2017 auf zuletzt 14,9 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt stärker aus als im Durchschnitt der Bevölkerung. Knapp geht zudem davon aus, dass rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten die Grundsicherung nicht abrufen, und beruft sich dabei auf die neuesten Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

„In den Beratungsstellen erleben wir jeden Tag die Nöte alter Menschen“, berichtete Felix Blaser, Referent für Armutspolitik bei der Diakonie. Besonders stark gestiegen sei die Zahl älterer Frauen, die Rat suchten. Er forderte die Landespolitiker auf, sich für „armutsfeste Mindestrenten“ einzusetzen. Es sei eine gefährliche Entwicklung, dass die prekäre Beschäftigung in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe. Zudem arbeiteteten rund 17 Prozent aller Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich.

Von Altersarmut betroffen: Menschen mit Pflegebedarf

Häufig von Armut betroffen seien auch Menschen mit Pflegebedarf. Deren Vermögen werde durch die steigenden Kosten der stationären Pflege aufgezehrt. Sie würden oft zu Sozialhilfeempfängern. Knapp forderte die Landesregierung auf, die Investitionskosten der Pflegeheime zu fördern. Jede Erhöhung dieser Kosten gehe sonst zulasten der Heimbewohner.

Eine große Anfrage der Linke-Landtagsfraktion an die Landesregierung hatte einen starken Anstieg der Armutszahlen offenbart. Linke und die Vertreter von Wohlfahrtsverbänden wie VdK und Paritätischer hatten deshalb vor gut einer Woche zu einem „massiven Gegensteuern“ gemahnt. Sonst werde alles noch viel schlimmer kommen.

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