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Alte Post in neuem Glanz

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Von: Olaf Velte

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Nach der Sanierung wird der Schriftzug "Kaiserliches Postamt" wieder die Fassade schmücken.
Nach der Sanierung wird der Schriftzug "Kaiserliches Postamt" wieder die Fassade schmücken. © Renate Hoyer

Die Dachdeckerfamilie Löw stellt das Kaiserliche Postamt in Bad Homburg originalgetreu wieder her. Die Alte Post soll das "i-Tüpfelchen" einer Baukunstkarriere werden.

Punktgenau soll saniert werden. Wenn es um die Rekonstruktion des ehemaligen Postamtes von Bad Homburg geht, kennt Antonia Löw kein Pardon. Der originale Schriftzug wird nach Fertigstellung wieder die Fassade der Louisenstraße 65 schmücken: „Kaiserliches Postamt.“

„Mit dem Punkt am Ende – so wie es war“, sagt die Mitarbeiterin der Löw Immobilien Anlagen GmbH. Vor vier Jahren hat das Unternehmen den 1893 eröffneten Repräsentativ- und Nutzbau endlich erwerben können. Kreuz und quer sei das denkmalgeschützte Haus europaweit angekauft und weitergegeben worden, ständig habe man sich mit anderen Eigentümern auseinandersetzen müssen. Die Beharrlichkeit von Vater Peter Löw wird schließlich belohnt – ein Schmuckstück kurstädtischer Architekturlandschaft gelangt in heimatliche Hände.

Wo es nicht als Spekulationsobjekt herhalten, sondern vielmehr alte Frische wiedererlangen soll. Die seit vier Generationen in Homburg lebende und einen bekannten Dachdeckerbetrieb führende Löw-Familie hat zuvor bereits die Anwesen Kaiser-Friedrich-Promenade 50, Güterbahnhof sowie Louisenstraße 99 und 114 unter ihre Fittiche genommen.

Laut Tochter Antonia ist die Alte Post nun das „i-Tüpfelchen“ der väterlichen Baukunstkarriere. Unübersehbar beherrscht die von Regierungsbaumeister Max Ludewig entworfene Fassadenwucht – Renaissance- und Barockstil zitierend – die dem Kurhaus gegenüberstehende Häuserzeile. Von „Rustikasockel“, „Kolossalordnung“ und „Attikazone“ spricht die Denkmaltopographie, von einem kulturellen Zeugnis aus „orts- und architekturgeschichtlichen Gründen“.

Wer es jetzt bestaunen möchte, muss sich gedulden. Ein sich auf die gesamte Breite hinziehendes und in 28 Meter Höhe aufreckendes Baugerüst verdeckt die Sicht – kündet aber von der Erledigung notwendiger Sanierungsarbeiten. Hoch hinaus müssen die Zimmerleute und Dachdecker sowie Steinmetze. Es gilt, das ursprünglich vorhandene Walmdach nebst weithin sichtbarer Uhr und Balustrade auferstehen zu lassen. Antonia Löw zeigt eine historische Fotografie: „Das alte Postamt aus wilhelminischer Zeit hat mit dem damaligen Kurhaus ein Ensemble gebildet.“

Die vormalige Dachpracht ist gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aus Bad Homburg verschwunden. Fliegerbomben hatten beide Nebenhäuser in Schutt und Asche gelegt, die Flammen waren übergesprungen. Geistesgegenwärtig konnten die Postbeamten den ausgreifenden Brand eindämmen, mussten Dachstuhl und Aufbauten aber verloren geben. „Das damals errichtete Notdach ist bis heute drauf.“ Ein Satteldach, das weichen wird, zudem Platz macht für eine obere „Galerie-Ebene“ mit 450 Quadratmetern Bürofläche.

Ein Riesenplanungsaufwand sei es gewesen, sagt die Löw-Tochter. Nach der Bestandsaufnahme zum Gebäudezustand konnten im Stadtarchiv lagernde Bauzeichnungen, Statikberechnungen und historische Aufnahmen zu Rate gezogen werden. Mit einer kniffligen Aufgabe wird gerechnet: „Wir haben es hier mit Flachdach- und Steildachelementen zu tun.“ Die Überlegungen zum Rekonstruieren des Uhrtürmchens sind noch nicht abgeschlossen. Damit die Arbeiten nicht wegen Wetterkapriolen unterbrochen werden müssen, wurde die hoch gelegene Baustelle mit einem blechernen Schutzdach überspannt.

Wer ein solches Gerüstlabyrinth in Betrieb nimmt, denkt nicht nur an die höheren Sphären: Die Natursteinfassade soll gereinigt und erneuert werden. Im Hinterhof ist die frische Vergangenheit schon präsent. Der bereits fertiggestellte Seitentrakt – in dem die Homburger Telekom-Abteilung ihren Sitz hat – ist jetzt ein Klinker- und Putzfassade-Hingucker. Wie zu Kaisers Zeiten sind die Fenster wieder braun gerahmt.

Die postalische Wiederauferstehung soll dem inneren Gebäudeleben jedoch keine Veränderung bescheren. „Alle Mieter bleiben drin, wie bisher“, so Antonia Löw.

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