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Die Polizei hat ihre Kontrollen verstärkt.

Hochtaunus

Anwohner in  Feldbergregion  klagen  über Raserei und Lärm von Motorradfahrern

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Anwohner in der Feldbergregion beklagen sich über Raserei und Lärm von Motorradfahrern - und begrüßen die Straßensperrungen in den kommenden Tagen.

Das ist hier nicht der Naturpark Taunus“, sagt Ulrike Gallwitz. „Das ist der Alptraum Taunus.“ Seit 2000 leben sie und ihr Mann Peter in einer Wohnung nahe der Hohemark. Hier beginnt die sogenannte Kanonenstraße, der Lieblingsstrecke vieler Motorradfahrer auf ihrem Weg zum Großen Feldberg, zu der auch die berühmt-berüchtigte „Applauskurve“ gehört. Sie verdankt ihren Namen dem Beifall, den dort manche Biker für ihre riskanten Fahrmanöver erhalten.

Besonders schlimm sei es an den Wochenenden, klagt das Ehepaar Gallwitz. Bei gutem Wetter donnerten samstags ab drei Uhr nachmittags permanent alle zwei Minuten Motorräder an ihrem Haus vorbei. „Das grenzt an Körperverletzung“, findet Ulrike Gallwitz. Zumal manche der Biker sich einen Spaß daraus machten, ständig zwischen Hohemark-Kreisel und Applauskurve hin- und herzurasen. Andere hätten derart laute Maschinen, dass man ihnen den gesamten Weg über zuhören könne, bis sie oben auf dem Feldbergplateau angekommen seien.

Dass die Motorrad-Verbände von Einzelfällen sprechen, kann das Ehepaar Gallwitz nicht nachvollziehen. „Nur wenige fahren sanft den Berg hoch“, sagt Ulrike Gallwitz. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation immer weiter verschärft. In der Saison seien die Biker oft in ganzen Rudeln unterwegs, ergänzt ihr Mann „Das ist in der Summe auch laut.“

Dass der Motorradverband BVDM für Juni eine Großdemonstration mit 1000 Bikern gegen die Straßensperrungen angekündigt hat, empfinden sie als Imponiergehabe. „Das ist eine Verhöhnung von uns Anwohnern“, sagt Ulrike Gallwitz.

Am anderen Ende der Kanonenstraße, in Schmitten, sei die Lage ähnlich, sagt Bürgermeister Markus Kinkel (FWG). Manche Anwohner hätten es wegen des Motorradlärms inzwischen aufgegeben, sich bei gutem Wetter auf Balkon oder Terrasse zu setzen. Inzwischen sei der Taunus nicht mehr nur an den Wochenenden, sondern auch nach Feierabend ein Biker-Eldorado, mit den entsprechenden Folgen, so Kinkel. Der Krach entwickele sich immer mehr zum „Sieben-Tage-Phänomen“.

In Schmitten seien sechs der neun Ortsteile und der Bereich Hegewiese besonders stark belastet. Deswegen unterstützt Kinkel ausdrücklich die Streckensperrung am kommenden Wochenende. „Ich bin gespannt auf die Ergebnisse.“ Er habe bereits viele positive E-Mails erhalten, sagt der Bürgermeister. „Es gibt schließlich nicht nur Motorradfahrer.“

Auch die Feldberginitiative lobt den Verkehrsversuch als „wichtigen Zwischenschritt für eine Lösung“. Der Verein mit Sitz in Schmitten erinnert daran, dass Streckensperrungen bereits vor zehn Jahren im Gespräch gewesen seien. Seitdem sei zwar viel passiert, doch alles, was Politik und Polizei bislang versucht haben um gegenzusteuern, sei ergebnislos verpufft – ob Tempobegrenzungen, Rüttelstreifen oder verstärkte Polizeikontrollen.

Deswegen hofft der Vorsitzende der Feldberginitiative, Olaf Gierke, dass der Test mit den Straßensperrungen nun etwas bewirkt. Schließlich sei der Taunus ein „Naturraum und Erholungsgebiet“. Leider gebe es eine „signifikante Zahl von Motorradfahrern“, die darauf keine Rücksicht nehme. Ihnen müsse deutlich gemacht werden, dass ihr Verhalten „kein Kavaliersdelikt ist und zu Konsequenzen führt“. Die Feldberginitiative jedenfalls werde den Verkehrsversuch und die weitere Entwicklung „eng begleiten“, kündigt Gierke an.

Der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), versichert, dass die Auswertung der Testergebnisse„ergebnisoffen“ erfolgen werde. „Die Sperrung einer Straße für bestimmte Verkehrsteilnehmer ist ein gravierender Eingriff in den Straßenverkehr“, ergänzt der Erster Kreisbeigeordnete und Verkehrsdezernent Uwe Kraft (beide CDU). „Wir werden keine leichtfertige Entscheidung in dieser Sache fällen.“

Allerdings machen die beiden Politiker auch deutlich, dass sie den gegenwärtigen Zustand nicht länger hinnehmen wollen. „Wir müssen eine Balance finden zwischen dem Freizeitbedürfnis der Motorradfahrer auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach Ruhe und Natur vieler anderer, die den Feldberg besuchen“, sagt Landrat Krebs.

Außerdem verweisen er und Uwe Kraft auf die Unfallstatistik der Polizei. Danach ist die Zahl der Unfälle mit Motorrädern in der Feldbergregion von 2015 bis 2017 zwar deutlich gesunken – von 44 auf 29, im vergangenen Jahr aber wieder auf 44 hochgeschnellt. Größtes Sorgenkind ist laut Thomas Dietrich von der Polizeidirektion Hochtaunus die Applauskurve. Allein dort hätten sich 17 der Unfälle ereignet. „Das sind so viele wie früher in sechs Jahren“, sagt Dietrich.

Dabei geschehe die Hälfte aller Motorradunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Und in den übrigen Fällen seien die Kradfahrer häufig die Unfallverursacher. Geschwindigkeitsbegrenzungen würden oft nicht eingehalten, moniert Dietrich, und es gebe immer wieder Fahrer, die durch gewagte Fahr- und Überholmanöver auffallen und sich und andere Verkehrsteilnehmer damit gefährden.

Deshalb habe die Polizei seit 2017 ihre Kontrollen rund um den Feldberg auch deutlich ausgeweitet. Jedoch mit nur bescheidenem Erfolg. Spätestens nach 30 Minuten seien die Kontrollstellen in der Szene bekannt, konstatiert Thomas Dietrich.

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