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Alltagshilfe per App

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Sie nutzen "Dock B" gern im Ausbildungsalltag: Patrick Gielenz (links) und Maik Bürger, beide absolvieren eine Fachpraktiker-Ausbildung zum Koch. privat © Jana Sauer

Aktuelle Dienstpläne, die Sieger der jüngst ausgerufenen Stromspar-Challenge, der Speiseplan für diese Woche: Patrick Gielenz reicht ein schneller Blick auf sein Smartphone, um mit den wichtigsten Informationen für seinen Alltag versorgt zu sein. Denn der angehende Koch, der im Berufsbildungswerk (bbw) Südhessen seine Fachpraktiker-Ausbildung absolviert, gehört zu den ersten Nutzern von "Dock B".

Die App bietet ihm einen Terminkalender, erinnert ihn an Beratungs- oder Prüfungstermine und informiert im News Feed - analog zu bekannten Netzwerken wie Facebook - über den eigenen Ausbildungsbereich und andere Neuigkeiten im bbw. "Egal, wo ich bin, ich habe von überall Zugriff auf die Arbeits- und Dienstpläne meines Ausbildungsbereichs", erklärt Gielenz den Mehrwert für den eigenen Alltag. "Ich weiß, was den Tag über ansteht und mit wem ich zusammenarbeite." Kurzum: Die App unterstützt ihn und seine Kollegen, den Ausbildungsalltag besser zu bewältigen. Per Chat-Funktion können sie sich zudem austauschen, ohne die private Handynummer preisgeben zu müssen.

In mehr als 30 Fachrichtungen begleitet das bbw junge Menschen mit Lernbehinderung, psychischer Erkrankung, aus dem Autismus-Spektrum oder mit sozialer Benachteiligung in die Berufswelt. Eigens für sie sowie die 400 Mitarbeitenden der Karbener Einrichtung wurde "Dock B" entwickelt, ausgerichtet an den individuellen Bedürfnissen. Möglich gemacht hat das eine Förderung von J.P. Morgan. Dank der digitalen Plattform könnten die Azubis "besser auf die Anforderungen der digitalen Berufswelt vorbereitet" werden, erklärt Hanka Boldemann von J.P. Morgan das Engagement.

Diese Hoffnung teilt auch bbw-Sprecherin Katja Meinken-Wiedemann. "Die Berufswelt wird immer digitaler. Darauf müssen unsere Azubis vorbereitet sein", sagt sie. Daher habe das bbw eine "digitale Agenda" ausgerufen: vom Glasfaseranschluss über die Umstellung auf eine papierlose Buchhaltung und die Anschaffung digitaler Schweißgeräte und Fräsmaschinen bis hin zur nun initiierten App. "So werden die Teilnehmenden für die Zukunft fit gemacht", sagt Meinken-Wiedemann. Ein Beispiel: Alle Termine in der App können auch spontan als Videokonferenz veranstaltet werden - ein absolut übliches Werkzeug im heutigen Berufsleben.

INFOBOX

Die App "Dock B" wurde vom Softwareentwickler Digital Learning GmbH in Göttingen umgesetzt. Im Februar 2022 wurde die App in den ersten sechs Ausbildungsgruppen eingeführt, seither wurden nach und nach weitere Ausbildungsgruppen angeschlossen. Jede Gruppe entscheidet für sich, ob sie mit der App arbeiten möchte, und wird dann eigens dafür geschult. jkö

Dabei geht es jedoch nicht nur um die "harten" Werkzeuge, sondern auch um das richtige Verhalten im digitalen Raum. "Gemeinsam definieren die teilnehmenden Ausbildungsgruppen eine sogenannte Netiquette", erklärt Sabrina Loran aus der bbw-Abteilung "Change, Communication & Training". Für einige sei das bereits ein Lernprozess gewesen: Unter dem Speiseplan etwa hätten anfangs immer mal wieder "unschöne" Kommentare gestanden. "Wir haben dann darüber gesprochen, was solche Kommentare für die Koch-Azubis bedeuten."

Doch nicht nur die Nutzer, auch die App selbst soll noch "lernen". Nach den Sommerferien wird ein neues Aufgaben-Tool ergänzt. Dieses soll das digitale Lernen unterstützen und auch Fragebögen zur Prüfungsvorbereitung zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus soll die App in Zukunft noch ausgebaut werden. Ein Knackpunkt könnte dabei jedoch die Finanzierung sein. Für die Weiterentwicklung sei eine kontinuierliche Finanzierung nötig. "Und als Berufsbildungswerk", bedauert bbw-Sprecherin Katja Meinken-Wiedemann, "fallen wir aus dem Digitalpakt der Bundesregierung, mit dem Schulen bei der Digitalisierung unterstützt werden, einfach raus."

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