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Allianz für Agrarwende in Hessen

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Von: Thomas Stillbauer

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Für mehr regionale und Biolebensmittel setzen sich Umwelt- und Agrarverbände ein.
Für mehr regionale und Biolebensmittel setzen sich Umwelt- und Agrarverbände ein. © Michael Schick

Verbände warnen vor Höfesterben und fordern Umdenken in der Ernährungspolitik.

Sieben Umwelt- und Agrarverbände haben jetzt die „Hessische Allianz für die Agrar- und Ernährungswende“ gegründet. Sie warnen vor einem Höfesterben in der Region und setzen sich für eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft sowie für eine gute und nachhaltige Ernährung ein. Politik, Lebensmittel-Einzelhandel und Verbraucher:innen fordern sie zu konsequentem gemeinsamen Handeln auf. Nur so ließen sich die natürlichen Lebensgrundlagen langfristig schützen, heißt es in dem Appell von BUND, Nabu, HGON, der Vereinigung ökologischer Landbau in Hessen, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Slowfood und dem Netzwerk der hessischen Ernährungsräte.

„Ich höre von vielen verzweifelten Anrufen, denn die bäuerlichen Familien wissen nicht, wie und ob sie mit der Landwirtschaft weitermachen können“, sagt Tim Treis, Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen. Hintergrund ist unter anderem der Krieg in der Ukraine, der zur Verknappung von Waren, steigenden Kosten für Brenn-, Treibstoffe und Lebensmittel führt – und zu einer spürbaren Veränderung des Einkaufsverhaltens: Hochpreisige Bioprodukte würden im Regal zugunsten von Bioware im Discounter stehengelassen, heißt es in dem Aufruf: „Regional erzeugte Ware verliert derzeit immer mehr an Marktanteil gegenüber Billigangeboten.“

Schluss mit Turbulenzen

Dass die Landwirtschaft im Mai etwa auf Spargel und Erdbeeren aus regionaler Produktion sitzenblieb, sei nur ein Vorbote für einen kommenden Markteinbruch im Sommer und Herbst.

An die Verantwortlichen in der Politik richtet die Allianz die Forderung, ein nachhaltiges ökologisches Lebensmittel-Erzeugungssystem selbst zu entwickeln und nicht den „Turbulenzen des Marktes“ zu überlassen: „Sie gestalten die Rahmenbedingungen! Wir brauchen jetzt ein klares Bekenntnis dazu, dass die ‚fossile Landwirtschaft‘ ein Auslaufmodell ist.“

Lebensmitteleinzelhandel und Discounter fordert die Allianz auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und insbesondere bäuerlich-familiäre Höfe in der prekären Situation zu unterstützen: „Legen Sie offen, wie hoch der Anteil biologisch erzeugter Ware aus der Region (also Hessen) tatsächlich ist, und gestalten Sie gemeinsam mit uns eine Steigerung dieses Anteils.“ Es gelte, statt kurzfristig Gewinne zu maximieren besser langfristig strategisch in nachhaltige Strukturen zu investieren.

„Landwirtschaftliche Unternehmen, die jetzt ihre Tore schließen müssen, werden Ihnen zukünftig nicht mehr als Lieferanten zur Verfügung stehen.“ Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich schließlich bewusst für Lebensmittel aus biologisch-regionaler Erzeugung entscheiden – das trage zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation der Biobetriebe bei und wirke sich „auf unsere zukünftigen Lebensmöglichkeiten“ aus: „Prüfen Sie, was für Ihre Zukunft und erst recht die Ihrer Kinder die richtige Kaufentscheidung ist.“

Susanne von Münchhausen vom Ernährungsrat Frankfurt warnt vor der Gefahr, genau die Betriebe und Wertschöpfungsketten zu verlieren, die das umsetzen, was angesichts des Krieges in der Ukraine notwendig und zukunftsfähig werde – „eine ökologische und nachhaltige Lebensmittelerzeugung, die das Klima und unsere natürlichen Ressourcen schützt und unabhängig von Energie- und Futtermittelimporten sein kann“. Wenn Politik und Gesellschaft dies mittragen wollten, „dann müssen wir alle jetzt etwas tun und ins Handeln kommen“.

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