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Die Odenwaldschule in Ober-Hambach wurde 1910 gegründet.

Chronik

Alles Wissenswerte zur Geschichte der Odenwaldschule

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Die Geschichte der Odenwaldschule beginnt 1910. Es gibt Hinweise, dass schon zu dieser Zeit Kinder missbraucht wurden.

Die Odenwaldschule in Heppenheim hat eine 105-jährige Geschichte. Die FR hat die wichtigsten Daten der Geschichte der Schule zusammengestellt.

1910 Die Odenwaldschule wird in Ober-Hambach, einem heutigen Ortsteil von Heppenheim, gegründet. Die Gründer Paul und Edith Geheeb setzen auf eine ganzheitliche Erziehung „vom Kinde aus“. Spätere Recherchen ergeben Hinweise darauf, dass bereits zu Geheebs Zeiten Schülerinnen und Schüler an der Odenwaldschule sexuellem Missbrauch ausgeliefert waren. Der Gründer soll selbst zu den Tätern gehört haben.

1963 Die Schule wird zur Unesco-Projektschule. Sie gilt als Vorzeige-Institution der Reformpädagogik. Im Laufe der Jahrzehnte besuchen zahlreiche Schüler die Odenwaldschule, die später bekannt werden. Dazu zählen der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit, die Schriftsteller Klaus Mann, Wolfgang Hildesheimer, Max Kruse und Jakob Arjouni, der Journalist Johannes von Dohnanyi und der Theater-Regisseur Thomas Bockelmann. Auch Andreas von Weizsäcker, Sohn des späteren Bundespräsidenten, besuchte die Schule.

1967 Erstmals wird sexueller Missbrauch an der Schule aktenkundig. Die Staatsanwaltschaft verfolgt den Fall jedoch nicht weiter.

1972–1985 Amtszeit des Schulleiters Gerold Becker. Der pädophile Mann missbraucht eine Vielzahl von Kindern und hält seine schützende Hand über eine Reihe weiterer Sexualtäter. Becker genießt in der Öffentlichkeit großes Renommee als Pädagoge, ebenso wie sein Lebensgefährte, der Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig. Becker stirbt 2010, ohne strafrechtlich belangt worden zu sein.

1999 Durch einen Bericht der Frankfurter Rundschau wird der Missbrauchsskandal öffentlich. Unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers schildert der Schüler Andreas Huckele in dem Artikel des FR-Journalisten Jörg Schindler die systematische sexuelle Gewalt. Die Schule verspricht eine Aufklärung, die aber nicht erfolgt. Auch die Aufsichtsbehörden ziehen keine Konsequenzen.

2010 Kurz vor der Feier zum 100. Jahrestag der Odenwaldschule schreibt Jörg Schindler in der FR erneut über die sexualisierte Gewalt. Dieses Mal entbrennt eine öffentliche Debatte, auch vor dem Hintergrund von Fällen des sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der katholischen Kirche wie dem Canisius-Kolleg in Berlin. Die Odenwaldschule beauftragt die Juristinnen Claudia Burgsmüller und Brigitte Tilmann mit einer Untersuchung. Im Verein Glasbrechen schließen sich Opfer und Unterstützer zusammen.

2011 veröffentlicht der Ex-Schüler Andreas Huckele unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers das Buch „Wie laut soll ich noch schreien“.

2012 Das Land Hessen beschließt seinen „Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen“.

2011–2014 An der Schule kommt mühsam ein Prozess voran, in dem Opfer Geldzahlungen von der Schule in Anerkennung ihres Leidens erhalten. Dafür wird die Stiftung „Brücken bauen“ gegründet.

2014 Der Vorstand der Odenwaldschule und der Verein Glasbrechen gründen einen unabhängigen Beirat zur Aufarbeitung. Er bringt mit finanzieller Unterstützung des Landes die beiden wissenschaftlichen Studien auf den Weg, die jetzt vorgestellt wurden.

2015 Die Odenwaldschule schließt und meldet Insolvenz an, nachdem die Zahl der Schüler immer weiter zurückgegangen ist.

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