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Bei der Jubiläumsfeier in der Paulskirche durften ausnahmsweise auch die Minderjährigen wählen: Ja! zum Grundgesetz – eindeutig.

Festveranstaltung

Alles Gute, liebes Grundgesetz!

Zum 70. Jubiläum der deutschen Verfassung geht es  in die Paulskirche in Frankfurt.

Sollte der 23. Mai zu einem Feiertag für das Grundgesetz ernannt werden? Fast alle der grünen Postkarten mit dem fettgedruckten Ja wurden von den anwesenden 650 Schülerinnen und Schülern aus Frankfurt in die Höhe gestreckt. Die Frage stellten Schüler von Frankfurter Schulen beim Verfassungsquiz im Rahmen der Festveranstaltung „70 Jahre deutsches Grundgesetz“ am Donnerstagvormittag in der Paulskirche. Veranstaltet wurde das Jubiläum von der Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Gemeinnützigen Hertie Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt, dem Hessischen Kultusministerium, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Hessischen Rundfunk. Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte in seiner Begrüßungsrede, dass in Frankfurt kein Platz sei für Rassismus oder Ausgrenzung: „Ewiggestrige und Hetzer bedrohen unsere Rechte. Deshalb: Lasst uns das Grundgesetz feiern!“

Neben der Festveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche feierte man in Karlsruhe, Wiesbaden und Berlin den runden Geburtstag in großem Rahmen. Zur Wahl des Ortes blickte Feldmann kurz zurück ins 19. Jahrhundert: „Hier ist die Wiege der deutschen Demokratie, hier ist sie quasi erfunden worden.“ Er verwies damit auf die in der Paulskirche erarbeitete Verfassung aus dem Jahr 1849, die bereits Rechte wie die Meinungs-, Rede- oder Pressefreiheit festhielt.

Inhaltlich gestaltet haben vor allem Frankfurter Schülerinnen und Schüler die Veranstaltung. So wurde in einem Expertengespräch die Bedeutung des Grundgesetzes, dessen Entwicklung, Zukunft und Handhabung erörtert. Jelena von Achenbach, Juniorprofessorin für Verfassungsrecht an der Universität Gießen, appellierte an die Jugendlichen, sich zu engagieren, den Staat zu kritisieren: „Verfassungsgestaltung geschieht immer entlang der Gesellschaft und in der Zeit, in der wir leben. Sie alle hier können das Grundgesetz zu Ihrem machen!“

Die Frage nach der Aktualität des Grundgesetzes zog sich weiter durch den Vormittag. In einer Podiumsdiskussion kritisierte etwa der 17-jährige Frederik Hirsch von der Musterschule, dass der Datenschutz nicht ausreichend im Grundgesetz verankert sei. „Auch Umweltschutz muss noch mehr in den Fokus rücken.“ Doch die Freiheiten, die das Grundgesetz biete, hätten auch ihre Berechtigung, so die 18-jährige Maryam Ayoub von der Freiherr-vom-Stein-Schule: „Es muss nicht alles haarklein festgehalten werden – es muss auch Spielraum geben. Ich denke, das Grundgesetz ist fähig, Schritt zu halten, ist anpassungsfähig was Herausforderungen wie Globalisierung, Digitalisierung und Migration angeht.“ Auf die Frage, was den Diskutanten das Grundgesetz bedeute, erklärte der 16-jährige Amin Tarazzit von der Bettinaschule, dass junge Menschen in die Politik gehören: „Wir müssen unsere Zukunft mitprägen!“

Musikalisch gestaltete der Schulchor der Musterschule die Festveranstaltung. So lud er ein, zum Abschluss Beethovens „Ode an die Freude“ mitzusingen – schon mit Blick auf die Europawahl am Sonntag.

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