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Wilhelm Schultze auf dem Kellereiplatz in Hofheim. Er liebt aber auch Frankfurt und den Apfelwein.

Hofheim

Alle in Hofheim wollen „Willi“

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Politneuling Wilhelm Schultze (23) hat nach seinem erfolgreichen Abschneiden als unabhängiger Bürgermeisterkandidat ein neues Ziel: Er will 2021 bei der Kommunalwahl antreten. 

Die Grünen haben sich via Facebook bei ihm gemeldet, die Jusos haben ihn kontaktiert, CDU-Bürgermeisterkandidat Christian Vogt hat angefragt, und die Linken wollten schon im Wahlkampf von Wilhelm Schultze wissen: Kann sich der 23-jährige Lorsbacher eine Kandidatur zur nächsten Kommunalwahl vorstellen? Wilhelm Schultze, den sie in Hofheim mittlerweile nur noch „Willi“ nennen, und der bei der Bürgermeisterwahl vor einer Woche als parteiloser Kandidat einen Überraschungserfolg landete, nickt. Das sei sein Ziel, sagt er und nimmt einen Schluck vom Kirsch-Bananen-Drink, den er sich im Café Tass zum Treffen mit der FR bestellt hat. „Ich will in der Kommunalpolitik bleiben.“

Dass er in knapp zwei Jahren für eine einzelne Partei ins Rennen geht, ist allerdings unwahrscheinlich. Mit Parteien, sagt der Student, der gerne in Jeans, T-Shirt und Kapuzenjacke auftritt, habe er eigentlich nichts am Hut. Schon gar nicht mit deren Landes- und Bundespolitik. „Ich will in Hofheim etwas bewirken und das am Besten als unabhängiger Kandidat.“

Für die Bürgermeisterstichwahl am 7. April gibt Wilhelm Schultze deshalb auch keine Empfehlung ab. In Lorsbach, wo er zu Hause ist, will er sowohl mit Christian Vogt (CDU) als auch mit Bernhard Köppler (SPD) am Infostand stehen und dafür werben, „dass die Leute wählen gehen.“ Dazu hatte er schon im ersten Wahlgang aufgerufen und quasi aus dem Nichts 12,3 Prozent der Stimmen geholt. In Lorsbach lag er mit 30 Prozent sogar an der Spitze aller sieben Kandidaten.

Am Anfang, räumt Wilhelm Schultze ein, hätten wohl viele gedacht, „dass es sich um eine Spaßkandidatur handelt.“ Doch „Willi“ meinte es ernst, machte ab Anfang des Jahres, unterstützt von Familie und Freunden, Wahlkampf auf Facebook und Instagramm, verteilte Flyer, ließ Plakate von sich im Stadtgebiet aufhängen und beantwortete Hunderte Mails. Auf seiner Internetseite nahm zu allen Themen, die aktuell in Hofheim diskutiert werden, Stellung – von Digitalisierung, über bezahlbaren Wohnraum und Barrierefreiheit bis zum Ausbau von Radwegen. Sein Wahlprogramm enthielt weder unrealistische Forderungen noch Spinnereien. „Ich wollte ja ernstgenommen werden.“

Vor allem Junge, Politikverdrossene und Protestwähler habe er an die Urnen geholt, glaubt Schultze. Die Reaktionen, die er an Wahlständen und im Internet bekommen habe, deuteten darauf hin. „Offenbar ist es mir gelungen, einen Impuls zu setzen, da wo andere Parteien nicht weiterkommen.“

Sein Wahlkampfstart mit einem Rap auf Youtube, der es in die bundesweite Boulevardpresse und ins Fernsehen schaffte, trat nach und nach in den Hintergrund. Der Newcomer wurde für die Bürgermeisterkandidaten aus den etablierten Parteien zum ernstzunehmenden Gegner. Als er am Abend des 24. März im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl auf dem vierten Platz landete, sei ihm so oft gratuliert worden, „wie nicht einmal an meinem Geburtstag“, sagt Wilhelm Schultze. „Das war ein wunderschönes Gefühl.“

Die nächsten Wochen werden für den Studenten ausgefüllt sein mit dem Schreiben seiner Bachelorarbeit im Fach Medien- und Kommunikationsmanagement. Wilhelm Schultze wird wieder Fußball beim FC Lorsbach spielen, bei der Kerb als DJ auflegen und sich mit seiner Clique auf Partys in Hofheim treffen.

Und er wird auch wieder Wahlkampf führen. In welcher Form lässt er erst mal offen. Noch zögere er, eine eigene Liste zur Kommunalwahl 2021 zu gründen, sagt er. „Aber ich will auch nichts ausschließen.“ Und dann lässt Wilhelm Schultze im FR-Interview mit einer Ankündigung aufhorchen, die zeigt, dass er es sehr ernst gemeint hat mit seiner Bewerbung um den Chefsessel im Hofheimer Rathaus. „ Bürgermeister zu werden ist weiterhin ein Traum von mir“, sagt er. „Mein Name wird mit Sicherheit irgendwann wieder auf der Kandidatenliste stehen.“

Stichwahl in Hofheim

Als Kandidaten haben es Christian Vogt (CDU) und Bernhard Köppler (SPD) in die Bürgermeisterstichwahl am Sonntag, 7. April, geschafft. Christdemokrat Vogt bekam im ersten Wahlgang 39,8 Prozent und damit rund doppelt so viele Stimmen wie SPD-Mann Köppler.

Briefwahlunterlagen können bis zum 5. April , 13 Uhr, im Rathaus beantragt werden. Die Wahllokale sind am 7. April von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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