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Andreas Beseler sammelt Geld für MS-Kranke.

Interview

"Alle Spenden gehen an Bedürftige"

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Der an MS erkrankte Andreas Beseler macht mit Besi & Friends erfolgreich Charity-Veranstaltungen. Ein Gespräch.

Spendengelder im sechsstelligen Bereich hat der MS-Kranke Andreas Beseler aus Rodgau auf dem Rennrad schon erstrampelt, hat seiner eigenen unheilbaren Krankheit so den Kampf angesagt und vielen anderen schwer Erkrankten Mut gemacht. Der Kinofilm „Die Tour fürs Leben“ machten ihn und seine Rennradprojekte deutschlandweit bekannt. Nun laufen die Vorbereitungen für ein weiteres aufsehenerregendes Vorhaben.

Herr Beseler, nach der großen Tour im vergangenen Jahr nach St. Tropez: Was steht dieses Jahr an?
Die nächste große Tour gibt es erst im nächsten Jahr. Dieses Jahr stehen mehrere kleinere an: Die Zwölf-Stunden-Tour in Alzenau, der Frankfurt-, Rodgau- oder Köln-Triathlon.

Sie nehmen aber nicht an allen teil?
Bei den Triathlons bin ich dabei, auch bei der Bingener Tour de Hope. Aber ich kann nicht bei allen Veranstaltungen sein, das schaffe ich nicht. Aber dafür gibt es genug Teilnehmer von Besi & Friends.

Besi & Friends – daraus ist ja etwas ganz Großes geworden.
Ja, eigentlich waren es die Teilnehmer und Unterstützer der Tour 2014 nach Barcelona. Inzwischen bekomme ich aus dem ganzen deutschsprachigen Raum Zuschriften und Anfragen für Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Kongresse.

Das klingt nach viel Arbeit.
Ist es auch. Und eigentlich zu viel für mich. Eine große Hilfe ist Christian Schierhorn, aber er engagiert sich neben seiner Arbeit ehrenamtlich. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich den Vorsatz, mehr zu delegieren und kürzer zu treten. Aber das fällt schwer. Auch für die Webseite habe ich durch Louisa Moore und Sebastian Baus sehr große Hilfe, jedoch gerade für die Öffentlichkeitsarbeit und die Planung von neuen Events bräuchte ich noch mehr Helfer.

Sie erwähnten, dass nächstes Jahr eine große Tour ansteht…
Das „Race across America“ von der amerikanischen West- zur Ostküste. 5000 Kilometer, über 56 000 Höhenmeter. Besi &Friends will es in sieben Tagen fahren, in einem Viererteam mit neun Helfern will ich mitmachen. Aber ich habe schon gemerkt, wenn ich das wie kürzlich bei einem Kongress erwähne, gibt es nicht nur Zustimmung…

Wie meinen Sie das?
Es gibt so eine Tendenz, immer etwas Schlechtes zu unterstellen. Um es deutlich zu sagen: Sowohl Besi & Friends wie die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung arbeiten ehrenamtlich, da wird nichts für uns erwirtschaftet. Alle Spenden gehen an Bedürftige. Für ganz praktische Dinge: eine Reittherapie etwa. Die wird viel zu oft nicht von der Krankenkasse gezahlt, kann aber viel helfen. Oder für einen Küchenumbau bei Erkrankten. Und alle, die um Spenden kämpfen, machen das ehrenamtlich: Für die Tour nehmen sie sich 14 Tage Urlaub, investieren ihr eigenes Geld… Und ich hoffe, dass wir damit um die 50 000 Euro sammeln können.

Das ist ein großes Ziel – aber sie sagten schon, die Arbeit ist anstrengend: Haben Sie auch schon ans Aufhören gedacht?
Ich bekomme so viele Zuschriften, in denen es heißt, mein Beispiel hätte Erkrankten Hoffnung gemacht und ihnen Kraft gegeben. Das hilft. Aber ich habe auch den Wunsch, mir einfach mal wieder eine Auszeit zu nehmen, für sechs Wochen zu einem Freund nach Kanada zu reisen und mal nichts zu hören. Das muss auch mal sein.

Interview: Frank Sommer

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