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Limburger Dom hinter Blättern.

Sexueller Missbrauch

Alle Akten werden begutachtet

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In Limburg startet ein Projekt, das den Missbrauch in der Kirche gründlich aufklären soll. Dabei soll auch die Namen jener genannt werden, die bei der Vertuschung halfen.

Gut ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche hat das Bistum Limburg am Freitag ein umfangreiches Projekt zur Aufarbeitung vorgestellt. Es soll klären, ob es noch weitere, bisher unentdeckte Fälle gibt, welche Personen Verantwortung für eine mögliche Vertuschung tragen und wie künftiger Missbrauch verhindert werden kann. Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen.

„Wir werden alle schon bekannten Missbrauchsfälle noch einmal extern untersuchen lassen, um zu wissen, was da geschehen ist“, versprach Bischof Georg Bätzing. Zudem sollen sämtliche Personalakten von Klerikern und Ordensangehörigen aus den Jahren 1946 bis 1999 begutachtet werden, um mögliche weitere Fälle sowie Vertuschungen aufzudecken und die Verantwortlichen zu identifizieren. Die MHG-Studie hatte aus Limburg lediglich Akten aus den Jahren 2000 bis 2015 einbezogen.

„Es geht uns darum, alles möglichst transparent zu gestalten, eine breite Beteiligung verschiedener Gruppen zu erreichen und die Perspektive der Betroffenen einzubeziehen“, erläuterte Johannes Weuthen, der das Projekt zur Aufarbeitung leitet.

Arbeitsgruppen sollen helfen

Insgesamt sollen direkt und indirekt mehrere Hundert Menschen an dem Projekt mitarbeiten. Bis Ende Juni, so Weuthen, sollen die Personen gefunden ein, die sich in den verschiedenen Arbeitsgruppen engagieren wollen. Im August sollen sie die Arbeit aufnehmen. Eines der Prinzipien dabei sei, dass die Leitungspositionen im Projekt nicht mit Personen besetzt werden, die auch im Bistum in der Leitungsebene eine Funktion innehaben. Ingeborg Schillai, Präsidentin der Diözesanversammlung und damit Vertreterin der Katholiken im Bistum, betonte, die Aufarbeitung liege in der gemeinsamen Verantwortung von Bischof und der gewählten Vertretung der Katholiken. Der Missbrauch schockiere, mache wütend und fassungslos. Nun müsse man aufarbeiten, daraus lernen und künftigen Missbrauch verhindern. Sie spüre im Bistum dafür eine „große Entschiedenheit.“

Bischof Bätzing kündigte an, dass die Ergebnisse des Projekts in einer Pressekonferenz öffentlich vorgestellt werden sollen. „Außerdem werden wir eine ausführliche Fassung des Untersuchungsberichts zu den Missbrauchsfällen der Staatsanwaltschaft Limburg übergeben“, sagte der Bischof. Dort würden auch die Namen der Verantwortlichen genannt, um gegebenenfalls strafrechtliche Konsequenzen zu ermöglichen. Aktuell liefen vier kirchenrechtliche Verfahren gegen Beschuldigte. Seit 2010 würden mögliche Missbrauchsfälle zudem ausnahmslos der Staatsanwaltschaft gemeldet.

Das Projekt ist in acht Teilbereiche gegliedert. Der erste und umfangreichste widmet sich der Aufarbeitung. In weiteren Teilprojekten geht es um die Auswahl und Ausbildung von Priestern, Personalführung, Machtmissbrauch, die Rolle der Frauen in der Kirche, die Leitungs- und Kontrollstrukturen im Bistum sowie die Sexualmoral und Haltung zur Homosexualität.

In diesem Zusammenhang sprach sich Bätzing dagegen aus, offen homosexuellen Männern die Weihe zum Priester zu verweigern. Dieses Verbot sei ein Fehler. Es stärke lediglich die Tabuisierung. „Aber wir haben deshalb nicht weniger homosexuelle Priester.“

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