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Alle 30 Sekunden ein Motorrad

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Verschaffen sich Gehör: Mit einem großen Motorrad-Korso machten die Biker im Mai ihrem Ärger Luft. priedemuth
Verschaffen sich Gehör: Mit einem großen Motorrad-Korso machten die Biker im Mai ihrem Ärger Luft. priedemuth © Priedemuth

Statistik legt hohe Unfallhäufigkeit von Zweirädern am Feldberg nahe

Hochtaunus - Freie Fahrt für freie Biker“ - die FDP im Kreistag hat nach wie vor Probleme mit den Streckensperrungen für Motorradfahrer im Feldberggebiet. Dennoch hatten die Liberalen einen Bericht über die im Zuge der Sperrungen erlangten Erkenntnisse gefordert und dazu einen Fragenkatalog mit neun Fragen im Kreishaus eingereicht.

Die Antworten liegen jetzt vor und wurden am Donnerstag im Ausschuss für Bau, Planung, Verkehr und Umwelt zur Kenntnis genommen, auch von der FDP, die, sprichwörtlich, zwar die Worte hörte, der aber der Glaube zu fehlen schien. Wie bereits in früheren Debatten zu diesem Thema führte FDP-Sprecher Philipp Herbold, der die Einschränkungen nur für Biker, nicht aber für Autofahrer ein „Freiheitsthema“ nannte, erneut rechtliche Bedenken an, die Sperrungen seien unverhältnismäßig. Straßen, die für den öffentlichen Verkehr, Autos und Motorräder, gewidmet seien, könnten ohne gravierende Gründe nicht für einen Teil der Nutzer gesperrt werden.

FDP hat rechtliche Bedenken

Trotz der in den Antworten auf die FDP-Fragen dargelegten Unfallhäufigkeiten sehe man keine ausreichende Legitimierung. Dass bisher niemand geklagt hat, wie Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (CDU) angemerkt hatte, sei kein Beleg dafür, dass die Sperrungen rechtens seien, sagte Herbold.

Was die bisherigen Sperrungen tatsächlich gebracht haben, steht noch nicht fest. Die Daten, Zahlen und Erkenntnisse fließen in ein Gutachten ein, das im Frühjahr, rechtzeitig zum Beginn der neuen Biker-Saison, fertig sein soll. Im Ausschuss hieß es auf Nachfrage von Katja Adler (FDP), was das Gutachten koste, - man habe etwas von 35 000 Euro gehört -, dass dem Hochtaunuskreis vermutlich gar keine Kosten entstehen. Für Holger Bellino (CDU) ist das aber gar nicht entscheidend, selbst wenn das Gutachten 35 000 Euro kosten sollte, sei das Geld gut angelegt. Schließlich gehe es nicht nur um Lärm, sondern auch um Menschenleben und Schwerverletzte. Bellino sprach sich dafür aus, die emotionale Debatte nach Vorliegen belastbarer Fakten „in einer vernünftigen Tonlage zu führen“. Für Frank Bücken (AfD) macht die Diskussion um Lärmpausen und Unfallhäufigkeiten erst dann Sinn, wenn der Feldberg als Biker-Hotspot mit anderen Hotspots verglichen wird. Peter Riegel vom Fachbereich Ordnungs- und Straßenangelegenheiten beim Kreis erklärte, das sei geschehen. Gleichwohl habe der Feldberg mit seiner Nähe zur Autobahn ein Alleinstellungsmerkmal, er sei für viele Biker aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet und weit darüber hinaus für die „kurze Feierabendrunde“ schnell erreichbar. Das Motorradaufkommen am Feldberg sei deshalb im Vergleich zu anderen Biker-Paradiesen überdurchschnittlich hoch. So gebe es Belastungsspitzen von bis zu 140 Motorrädern pro Stunde. In Spitzenstunden komme alle 30 Sekunden ein Motorrad vorbei. Der Anteil der Motorräder am Verkehrsaufkommen liegt an manchen Tagen über 40, ja sogar bis zu 50 Prozent. „Hiermit einhergehend haben die Beschwerden über Raserei und Lärm von Motorrädern zugenommen“, heißt es aus dem Landratsamt.

Zudem ist der Anteil von Motorrädern, die in Verkehrsunfälle im Feldberggebiet involviert sind, zehn Mal so hoch wie insgesamt auf hessischen Straßen. 2019 machten die 22 Zweiradunfälle 24 Prozent der Gesamtunfallzahl aus, 2020, mit 18 Biker-Unfällen, waren es 21 Prozent. In Hessen und im Hochtaunuskreis liegt der Anteil der Motorradunfälle ansonsten bei zwei Prozent. Ein Blick auf die vorliegenden Statistiken zeige, dass es klaren Handlungsbedarf gebe, so Schorr weiter. „Es wäre daher unverantwortlich vom Kreis, Unfallhäufigkeit und Lärmbelastung einfach so achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen und nichts zu tun.“

Erörtert wurden auch die „Lärmmonitore“ und daran anschließend die Frage der AfD, ob diese Geräte nicht sogar sinnvoller seien als Lärmblitzer. Peter Riegel erinnerte daran, dass Lärmblitzer in Deutschland noch nicht zugelassen seien. Zudem gebe es auch keine Halterhaftung, mit der Motorradbesitzer, die ihr Bike anderen überlassen, zur Kasse gebeten werden könnten. Ein zu lauter geblitzter Motorradfahrer müsste deshalb angehalten werden, nur so könne der Fahrer identifiziert werden. Schorr erklärte, ungeachtet der Problematik bemühe sich der Kreis, den Beschluss des Kreistages, den Einsatz von Lärmblitzern zu prüfen, umzusetzen. Man sei bereits tätig geworden, könne aber noch keine Ergebnisse nennen.

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