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„Mozart als Kind“, Ölgemälde von Heinz Stangl.

Ausstellung

Hülle des Lebens

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Die hochkarätige Gruppenschau „Figurative Kunst aus Österreich“ macht Grenzräume des Seins nicht nur aus einer vergangenen Epoche sichtbar.

Mit ausgemergeltem Körper und offenem Mund liegt ein junger Mann nackt ausgestreckt, der Nacken ist auf einen Keil gestützt, die Augen sind geschlossen. Auch ohne den Titel des Bildes zu kennen ist deutlich: Der Jüngling liegt nicht im Schlaf, er ist tot.

Der österreichische Maler Herbert Boeckl (1894 bis1966) hat immer wieder in der Pathologie eines Wiener Krankenhauses den Zustand des Todes studiert und in seinen Bildern thematisiert. Sein Blick ist nüchtern und ohne Pathos, jede Rippe des dürren Körpers ist erkennbar.

Das 1931 entstandene Ölgemälde „Leichnam eines Jünglings“ ist Teil der Ausstellung über die „Figurative Kunst aus Österreich“, die in „Die Galerie“ bis zum 26. März zu sehen ist. Es kennzeichnet den Höhepunkt der Pathologiestudien Boeckls und gibt dem hier zusammengeführten Reigen namhafter Kunst, zu denen auch Arbeiten von Friedensreich Hundertwasser, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Alfred Hrdlicka zählen, inhaltlich besonderes Gewicht.

Phantastischer Realismus

Herbert Boeckls Bilder zur Anatomie führen direkt zur Frage, was bleibt, wenn nur noch die Hülle des Lebens als real abbildbares Objekt vor uns liegt. Seine Detailstudien, die auch vor dem Blick in den geöffneten Körper nicht zurückschrecken, zeigen früh das Interesse der österreichischen Maler, Grenzräume des Seins in ihren Bildern sichtbar zu machen.

Der Maler und Grafiker Rudolf Hausner (1914 bis 1995) hat eine Generation später in die Darstellung der realen Welt auch diejenige des Phantastischen einbezogen. Bewusste und unbewusste Prozesse sind als gleichwertige Prozesse zu betrachten und sichtbar zu machen. 1959 gründet der in Wien Geborene die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“.

In der Ausstellung ist Hausner mit einem Werk aus seiner 1957 begonnenen Folge der Adam-Bilder vertreten, das unter dem Titel„ Adams Alternative“ 1963 entstanden ist. Wenige Jahre später wird der als Professor für bildende Kunst in Hamburg und Wien lehrende Künstler mit dem Österreichischen Staatspreis für Malerei ausgezeichnet.

Der Streifzug durch die figurative Kunst Österreichs, den Peter Femfert in seinen Ausstellungsräumen am Grüneburgpark anregt, führt jedoch nicht nur in die Vergangenheit. Zu den 15 hier vorgestellten Künstlern gehören Malerinnen wie Sa?a Makarová (geboren 1966) und der Künstler Martin C. Herbst (geboren 1965) der zeitgenössischen Generation an.

Verweis auf die Renaissance

Während Makarová mit großflächigen, expressiven Gemälden die emotional sinnliche Kraft weiblicher Erotik inszeniert, sucht Martin C. Herbst Tradition und Moderne hinsichtlich Inhalt und Maltechnik miteinander in Verbindung zu bringen.

So arbeitet Herbst mit Ölfarbe auf Aluminiumoberflächen und verweist in seiner Motivwahl auf Kunstwerke der Renaissance. Inspiriert durch die Lybischen Sybillen Michelangelos entsteht beispielsweise 2004 die aus 30 großformatigen Ölbildern bestehende Bildserie „angelus“, von denen eine Arbeit (ReRe 1.21., angelus 21) in der Ausstellung zu sehen ist.

Auf dichtem Raum verlangt die Präsentation dieser in Qualität und Stil sehr unterschiedlichen Arbeiten vom Betrachter die Bereitschaft, sich mit einzelnen Kostproben zufrieden zu geben. Doch gelingt es, wichtige Aspekte der figurativen Kunst Österreichs aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu übermitteln.

„Figurative Kunst aus Österreich“, bis 26. März, „Die Galerie“, Grüneburgweg 123, Frankfurt, Tel. 069/9714710, www.die-galerie.com

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