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Dieser Schuh ist eine Herausforderung für jede Frau.

Der Schuh als Sockel

Zuzanna Czebatul hebt bekannte Designstücke aufs Podest

Von Mia Beck

Gene Simmons, Frontmann und Bassist der legendären Rockband Kiss, könnte eigentlich auch mal was anderes tragen. Seine schwarzen Plateaustiefel sind als Bühnenoutfit nach 37 Jahren nicht mehr so interessant, schließlich sind es immer dieselben (oder er hat, wie das bei Männern oft der Fall ist, von derselben Art gleich mehrere Paar). Für Männer gibt es eben immer viel weniger Auswahl, und leider ist der Anblick ihres Schuhwerkes oft ein Trauerspiel.

Ganz anders die Lage bei modebewussten Damen: Schuhe sind wichtig zur Identitätsbildung oder fürs Gesamterscheinungsbild und jede deutsche Frau besitzt im Durchschnitt mehr als 25 Paar. Wenn High Society-Ladys wie Sarah Jessica Parker oder Madonna auf Manolos schwören, die bis zu 1000 Euro kosten, steigt auch in Deutschland die Nachfrage nach den Designer-Tretern.

Die Anfänge des inzwischen fast hysterischen Hypes werden übrigens Bianca Jagger zugeschrieben, die 1977 als Erste in Stilettos von Manolo Blahnik durchs New Yorker Studio 54 tanzte.

Städelschülerin Zuzanna Czebatul, 1986 geboren und in der Klasse von Michael Krebber studierend, untersucht in ihrer Einzelausstellung im Frankfurter 1822-Forum die Rolle des Schuhes als Sockel des Menschen. Dafür schrieb sie Briefe an prominente Designer wie Vivienne Westwood, Alexander McQueen und Maison Martin Margiela und erhielt eine Reihe exklusiver Originalpaare als Leihgabe.

Indem sie für die Ready-Made-Objekte mit Hilfe von Goldlaméstoff und Lametta standesgemäße Bühnen baut und sie in den Kunstkontext überführt, stellt sie die Frage, inwiefern der Schuh als Sockel des Menschen seine Bedeutung verlieren kann.

Zugegebenermaßen interessieren die gezeigten Designerstücke erst einmal mehr als die Sockel: Wie aus Glas geblasen thronen durchsichtige Acryl-High-Heels auf ihrem einfachen Podest. Sie brauchen keinerlei schmückendes Beiwerk. Wildlederne Schnür-Stiefeletten mit einer Absatzhöhe von gut und gerne 20 Zentimetern werden neben einem Wischmopp hübsch in Szene gesetzt. Andere Kreationen gehen in all dem drum herum Drapierten beinahe unter, wie die zarten Pumps, die ganz in einer Wolke aus schwarzen Seidenblumen, Plastikfarn und goldgelben Blüten zu verschwinden scheinen. Bei den Letztgenannten handelt es sich übrigens um Mimosen, denen man große Empfindsamkeit nachsagt und die heute Bestandteil edler Luxus-Parfüme sind.

Vielleicht angelehnt an Piero Manzonis berühmtes Werk Magic Base (1961), bei dem die damaligen Ausstellungsbesucher auf einen leeren hölzernen Sockel klettern und sich auf diese Weise selbst in ein Kunstwerk verwandeln durften, gab es auch bei der Eröffnung der Ausstellung zwei leere Sockel zu sehen. Diese waren für die beiden Models vorgesehen, die fast zwei Stunden lang auf ihren hölzernen oder metallenen Plateausohlen ausharrten.

Bianca Jagger jedenfalls trägt inzwischen auch gerne mal Turnschuhe und läuft mit ihnen durch den Amazonas-Regenwald, für dessen Erhalt sie sich heute einsetzt.

High - Arbeiten von Zuzanna Czebatul, 1822-Forum der Frankfurter Sparkasse, Frankfurt, Fahrgasse 9, geöffnet Dienstag bis Freitag 14 - 18 Uhr und Samstag 13 - 16 Uhr, bis 29.5.

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