Teure Rush-Hour

Taxifahrer halten die Preiserhöhung für überfällig - und räumen Versäumnisse beim Service ein

Von MARTIN MÜLLER-BIALON

Halb zehn am Hauptbahnhof. Rush-Hour. Vor dem Taxi-Stand hat sich eine Schlange von etwa 20 Leuten gebildet, die offenbar ihre 10-Uhr-Meetings erreichen wollen. Die Meinungen in der wartenden Kundschaft über die Service-Qualität der Frankfurter Taxi-Fahrer ist gespalten.

"Verbesserungswürdig" nennt sie ein Herr mit Aktenkoffer. "Die Fahrer benutzen Navis mit veralteter Technik." Ein anderer spricht von "unterirdischem Service", selbst Straßen in Bahnhofsnähe würden einige Fahrer nicht finden. Außerdem sei die Anfahrt der Taxis am Hauptbahnhof schlecht gelöst. Es gibt freilich auch Verständnis für die Probleme der Branche. "Die müssen doch die Preise erhöhen. Was sollen sie denn sonst machen bei den Benzinpreisen", sagt ein Herr am Ende der Schlange, die umso länger wird, je näher der Uhrzeiger an die 10-Uhr-Marke rückt.

Obwohl die Warteschlange schon bald bis zum Bahnhofsgebäude reicht, müssen die Fahrgäste nicht lange auf ein Taxi warten. Dafür sorgt ein Einweiser, der die in Reihen wartenden Wagen nach einem schwer zu durchschauenden System dirigiert. Der Mann trägt eine Jacke mit der Aufschrift "Huth & Groß Sicherheit". Er kümmert sich auch um Sonderwünsche der Fahrgäste. Für einen Mann mit sperrigem Rollstuhl winkt er ein Kombi-Taxi heran, eine Familie mit drei Kindern wird flugs mit einem Siebensitzer bedient.

Die Zeit zwischen 9 und 10 Uhr, das wissen Frankfurter Taxifahrer, ist am Hauptbahnhof eine gute Zeit. Wer sich hier jetzt in die Warteschlange einreiht, muss kaum länger als fünf Minuten auf einen Fahrgast warten. Das ist nicht immer so. Mittags etwa, wenn die Geschäftsleute in ihren Büros sitzen, kann beim Warten schon mal eine Stunde vergehen, abends oder frühmorgens auch noch mehr.

"Aus unternehmerischer Sicht", sagt einer der wartenden Fahrer, "ist die Preiserhöhung absolut richtig." Noch nie seien die Geschäfte so schlecht gelaufen wie derzeit. Als Einzelunternehmer mit eigenem Taxi müsse er täglich bis zu zwölf Stunden "auf dem Bock sitzen", um auf sein Geld zu kommen. Ein Navi brauche er nicht. "Wenn ich mal etwas nicht weiß, seh ich im Stadtplan nach."

Was der Taxifahrer dagegen braucht, ist Funkvermittlung. Die Kostet bei Hessens größter Taxi-Zentrale 23 00 01 immerhin 240 Euro im Monat. Andere Zentralen verlangen noch mehr. Was die Unternehmen aber besonders belastet ist der Diesel-Preis, der seit der jüngsten Tarif-Anhebung 2006 um etwa 30 Cent gestiegen ist.

Der Kollege zwei Wagen weiter fährt als fest angestellter Fahrer mit 50 Prozent Umsatzbeteiligung. "Klar muss der Preis erhöht werden", sagt er, "es wird doch alles teurer." Der gebürtige Marokkaner versorgt mit seinem Taxi-Job eine Familie mit drei Kindern. Stundenlöhne für die Fahrer existieren nicht, das Einkommen richtet sich allein nach dem Umsatz.

"Man kann davon leben - wenn man bei den Eltern wohnt", sagt ein deutscher Kollege, etwa 40 Jahre alt. Klar könne man den Service verbessern, "aber so schlecht sind wir ja auch nicht".

Immer wieder kursierten in der Taxi-Branche zuletzt Geschichten über Fahrer, die ohne den nötigen Stadtschein und mit lediglich rudimentären Deutsch- und Ortskenntnissen an den Halteplätzen aufkreuzten. Freilich ließen sich die Behauptungen bei Kontrollen noch nie erhärten. Und dennoch sehen auch Branchenfunktionäre ein, dass "wir uns dem Kunden mehr zuwenden müssen", wie Thomas Schmidt, Chef der Taxi-Vereinigung, sagt. Man habe allerdings bereits einiges getan. So seien Taxis im Schnitt nur vier Jahre alt.

Mit dem neuen Taxi-Tarif sei man "nicht zufrieden, wir haben mehr gewollt", räumt TV-Chef Schmidt ein. Zehn Cent mehr pro Kilometer wollte die Branche, der Magistrat hat jedoch nur fünf Cent gewährt. Man werde mit dem Ordnungsdezernat über kürzere Intervalle bei den Tariferhöhungen verhandeln, sagt Albert Schmidt vom Vorstand der Taxi Frankfurt Genossenschaft, zu der die Zentralen "01" und Taxi 33 gehören. Auf diese Weise könnten die Preissteigerungen moderater gestaltet werden. Seit Jahren registriere man bei der Vermittlung von Funkaufträgen eine "stagnierende" Entwicklung, bilanziert Schmidt. Auch der derzeit wieder abflauende Wirtschaftsaufschwung hat den Taxifahrern demnach kaum höhere Umsätze beschert.

Halb elf am Hauptbahnhof. Die Schlange der Fahrgäste ist verschwunden. Dafür warten nun 50 Wagen auf dem Taxi-Platz auf Kundschaft. Die Normalität ist zurückgekehrt, Geduld ist gefragt. Kommentar F 4

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