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Akustik und Architektur im Einklang

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Die Innenansicht des neuen Konzertsaals.
Die Innenansicht des neuen Konzertsaals. © Schöppner

Die Kronberg Academy eröffnet an diesem Wochenende das 60 Millionen Euro teure „Casals Forum“.

Vieles an dem neuen Areal, dem Casals Forum, ist einzigartig. Etwa dass ein kleiner Ort wie Kronberg mit seinen 18 000 Einwohner:innen einen Kammermusiksaal für 550 Besucher bekommt; dass das Casals Forum, zu dem auch das Studien- und Verwaltungszentrum der Kronberg Academy gehört, in unmittelbarer Nähe zum Kronberger Bahnhof liegt; und dass es wohl der erste klimaneutrale Konzertsaal der Welt ist. Zu den Besonderheiten gehört, dass über bürgerschaftliches Engagement 25 Millionen Euro für die Finanzierung zusammenkamen. Einzigartig ist auch, dass sich in dem Prachtbau Akustik und Architektur im Einklang befinden. Um zu diesem Ziel zu gelangen, wurde ein nicht immer konfliktfreier Weg beschritten. Das wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz vor Ort deutlich.

So musste sich Architekt Volker Staab bald von seiner Vorstellung eines rechteckigen Saals verabschieden, denn dem Akustiker Martijn Vercammen schwebten andere Formen vor, um einen Raum zu schaffen, der die Fähigkeit hat, einem Kammersymphonieorchester, aber auch Solisten gerecht zu werden. Die barocke Form der Balkone fand Architekt Staab im ersten Moment wohl eine Zumutung.

Faltungen, Verzahnungen und Vorhänge tragen zum perfekten Klang bei. Und die „Kunst der Fuge“, wie Vercammen es augenzwinkernd formulierte. Er ergänzte: „Es gibt kein Detail, das nicht untersucht ist.“ Dabei half unter anderem ein Modell im Maßstab 1:10, um Materialien und Formen auf ihre akustischen Qualitäten zu untersuchen. Der Saal kann angepasst werden, je nachdem, welche Ensemblegröße dort gerade konzertiert.

An diesem Wochenende findet das Eröffnungsfestival statt, bei dem der Saal zeigen soll, was er kann, erläuterte Raimund Trenkler, Bauherr des 60-Millionen-Euro-Projekts und Gründer sowie Vorstandsvorsitzender der Kronberg-Academy-Stiftung. Dass die Eröffnung an dem Termin stattfinden kann, der vor zwei Jahren festgelegt wurde, hält er für ein „Wunder“. Fertig ist das neue Zuhause der Academy noch längst nicht. Trenkler rechnet mit weiteren zwei bis drei Monaten – „das Dach dauert noch länger“. Auch beim Studien- und Verwaltungszentrum, dem Herzstück der dualen Ausbildung, fehlten noch „ein paar Steine“. Er freue sich auf das nächste Jahr, wenn die Arbeiten abgeschlossen seien, sagte Trenkler.

Daten und Fakten

Der Name „Casals Forum“ für den opulenten Neubau der Kronberg Academy sei eine Hommage an den großen Cellisten und Humanisten Pablo Casals, betonen die Academy-Macher.

Die Grundstücksfläche beträgt 6050 Quadratmeter.

Sitzplätze: 550

Baukosten: 60 Millionen Euro

Ein Novum: Das Casals Forum wird mit einem durch die EU und das Land Hessen geförderten innovativen Eisspeicher klimatisiert und kann damit CO2-neutral betrieben werden – nach derzeitigem Kenntnisstand als der erste Konzertsaal der Welt. öp

Angela Dorn (Grüne), Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, vertritt nicht nur das Land als Geldgeber, sie ist auch ein Fan des Projekts, das sie als „architektonisches Meisterwerk mit Weitblick“ bezeichnete. Sie lobte gestern den Mut und die Beharrlichkeit der Academy, sieht in dem Konzertsaal auch eine Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Exzellenzförderung und der Anspruch, ein Haus für alle zu sein, gingen hier Hand in Hand.

„Kraftquell der Musikförderung“, nannte Martin Eifler, Leiter Referat Musik bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Forum. Vage sei seine Vorstellung gewesen, als er beim Spatenstich einen ersten Eindruck der Topographie bekommen habe. Der Standort direkt am S-Bahn-Anschluss sei „raffiniert gewählt“.

Zu Beginn der städtebaulichen Entwicklung des Quartiers rund um den Bahnhof war ursprünglich kein Kammermusiksaal vorgesehen. Die Stadt Kronberg hatte lediglich dem Projektentwickler des Hotels die Auflage gemacht, die Restfläche nicht brachliegen zu lassen, sondern einer geeigneten Nutzung zuzuführen. Dass es dann der Academy gelang, zwei angrenzende Grundstücke zu erwerben, machte das Vorhaben erst möglich.

2014 setzte sich Staab dann bei einem Architektenwettbewerb der Stadt durch. „Es gibt Mitarbeiter bei uns im Haus, die sich seit sechs Jahren ausschließlich mit diesem Projekt befassen“, sagte der Architekt bei der Begehung. Der Umgang mit der Topographie des Geländes in Hanglage sei eine Herausforderung gewesen. Für den Planer ist wichtig, dass die Besucher:innen schon am Bahnhof architektonisch „abgeholt“ werden.

Architekt Volker Staab erläutert vor dem „Casals Forum“ sein gestalterisches Konzept.
Architekt Volker Staab erläutert vor dem „Casals Forum“ sein gestalterisches Konzept. © Schöppner

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