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Aktionsplan für Hitzewellen

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Von: Jutta Rippegather

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Trinken ist wichtig bei hohen Temperaturen.
Trinken ist wichtig bei hohen Temperaturen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Land Hessen will mit vorbeugender Aufklärung die gesundheitlichen Folgen mindern.

Tagestemperaturen von mehr als 30 Grad, Tropennächte. Was Anfang des Jahrtausends noch eine große Ausnahme war, wird in Hessen zunehmend zur Regel. Die Politik bemüht sich, die Folgen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit zu mindern. Im Jahr 2004 führte Hessen das Hitzewarnsystem ein. Eine Reaktion auf den Tropensommer 2003, in dem die Zahl der Sterbefälle in Alten- und Pflegeheimen nach oben geschnellt war. Jetzt folgt der nächste Schritt.

Ein Hitzeaktionsplan ist in Arbeit, wie es ihn auf Bundesebene bereits gibt und auf kommunaler im Jahr 2025 geben soll. Ein bereits im Jahr 2017 von einer Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft beschlossenes Vorhaben, das sich durch die Corona-Pandemie verzögert hat. Nun seien in seiner Behörde endlich wieder Kapazitäten frei, um das Thema in Angriff zu nehmen, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Montag in Wiesbaden.

Prävention im Mittelpunkt

Was aber unterscheidet den Aktionsplan von dem Warnsystem, bei dem der Deutsche Wetterdienst per Newsletter und über die Presse Altenheimbetreiber und den Rest der Öffentlichkeit sensibilisiert? Im Mittelpunkt stehen nicht die aktuelle hohe Temperatur und die Gefahr für die Gesundheit, sondern die Prävention. Aufklärung, wie eine solche im Vorfeld zu bannen ist, sagt Klose. Etwa durch bauliche Veränderung, Lüften in der Nacht, das Aufsuchen kühler Orte.

Eigentlich Banalitäten, die jedem bekannt sein müssten. Doch die Erfahrung lehre, dass oft die einfachsten Regeln nicht beachtet würden. Nachholbedarf sieht Klose auch bei der ambulanten Pflege. Deshalb sei der Bundesverband der privaten Anbieter Teil der Arbeitsgemeinschaft, in der auch die Ärzteschaft vertreten ist. Die meisten Heimbetreibenden hingegen seien inzwischen auf mögliche Hitzewellen vorbereitet. „Bei der stationären Pflege sind wir gut aufgestellt“, urteilt der Minister. Auch in Schulen oder Kitas will er Sensibilität für die Gefahr durch Hitze und UV-Strahlung erhöhen, die im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen kann. Und in der Arbeitswelt – etwa in der Landwirtschaft, wo Erntehelfende bei großer Hitze regelmäßige Schattenpausen benötigten und ausreichend Wasser.

Städte handeln bereits

Bis Frühjahr 2023 soll der Aktionsplan stehen. Grundlage sei ein entsprechendes Papier des Bundesumweltministeriums. „Ziel dieser Pläne ist es, hitzebedingte und UV-bedingte Erkrankungen und Todesfälle durch Prävention zu vermeiden“, heißt es dort. Den Schwerpunkt legt Hessen auf die Information – speziell von Personal im Gesundheits- und Sozialwesen, sagte die Leiterin der Landesarbeitsgruppe, Ann-Kathrin Piro. Der Landesaktionsplan soll den Kommunen helfen, bis 2025 eigene Aktionspläne zu erstellen.

Die sind bereits mitten drin in den Bemühungen, die Hitzewellen für die Bevölkerung irgendwie erträglicher zu machen. In Frankfurt etwa gibt es inzwischen öffentliche Trinkbrunnen, Ideen für das Entsiegeln zubetonierter Plätze. Auch in der Wiesbadener Fußgängerzone sind temporäre grüne Inseln zum Ausruhen zu finden. Beispiele, von denen der hitzegeplagte Mensch sich sehr viel mehr wünscht. mit dpa

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