Tag des Fahrrads

Airbag für Helmmuffel in Oberursel

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Kreative Ideen beleben den „Tag des Fahrrads“ rund um die Stadthalle.

Oberursel fährt ab …“ lautete auch im 9. Jahr das Motto beim „Tag des Fahrrads“. Im doppelten Sinn, denn manch einer fuhr gleich mit dem neu erworbenen Fahrrad vom Gebrauchtmarkt auf der Bühne nach Hause, andere waren einfach nur begeistert. Das schönste Rad, aus subjektiver Sicht natürlich, war das „Coffee Bike“ draußen vor der Tür der Stadthalle. Schwarzer Stahlrahmen, Holzverkleidung und Dach über der vollen Länge. Ein Glück, denn die „Mobile Coffee Company“ bereitet darunter feinsten Café für den eiligen oder eben gerade gechillten Messebesucher.

Ein Glück auch, weil es zumindest gefühlt den gesamten „Tag des Fahrrads“ über geregnet hat. Es hat in all den Jahren schon mehr Besucher gegeben und auch die Reihen der Händler und anderen Akteure wirkten gelichtet.

Über den Titel für das innovativste Rad brauchen sich Joachim Delp und David Mauer-Laube nicht streiten. Der selbsternannte „Jungunternehmer mit Spaß an der Sache“ Delp (71) bietet Bausätze zum Selberbauen von Fahrradrahmen aus Bambus und auch Workshops zum Bauen von Bambusfahrrädern und gewinnt die Kategorie „Skurriles“. Ein Extra-Preis des Publikums geht an den „Airbag for urban cyclists“ für 300 Euro. Helmmuffel tragen ihn als Halskrause, die nach Angaben des Herstellers binnen 0,1 Sekunden reagiert, wenn ein Aufprall droht. Man sieht dann ein bisschen wie ein Raumfahrer aus.

David Mauer-Laube denkt pragmatisch und zukunftsorientiert. In seiner Werkstatt Convercycle im Frankfurter Grüneburgweg arbeiten inzwischen zehn Leute, durch Crowd Funding finanziert, an den Prototypen moderner Lastenräder, die auch aussehen können wie ein normales Stadtfahrrad mit etwas verlängertem Kettenspiel. Aufgeklappt auf 255 Zentimeter Länge mit einem lässigen Griff, wird auch die Funktion der zweiten Kette deutlich. Zwischen vorne und hinten kann dann auf einer Lastenfläche locker ein Wasserkasten und mehr transportiert werden.

Die Inszenierung des Fahrrads als Fortbewegungsmittel der Zukunft ist vor allem ein Treffen für die Freaks der Szene und Menschen, die Umweltpolitik im Tun und Lassen ernst nehmen. Mit Freude stellt der Oberurseler Stadtrat und Verkehrsdezernent Christof Fink (Grüne) fest, dass der Fahrradverkehr auch in seiner Stadt zunimmt und sich Mobilität langsam auf das umweltschonende Zweirad verlagert. Die Stadtpolitik versucht Schritt zu halten und legt dabei den aktuellen Schwerpunkt auf den innerstädtischen Verkehr, wo sie selbst entscheiden kann. Ebenso wichtig aber, so Fink, ist die passende regionale Infrastruktur, im Hochtaunuskreis etwa der viel diskutierte Radschnellweg von Friedrichsdorf über Oberursel und Steinbach bis zur Heerstraße nach Frankfurt-Praunheim. Wie groß das Interesse ist, zeigte der Vortrag über den aktuellen Sachstand bei dessen Planung.

Wem die Region nicht reicht, für den bietet unterm bunten Reispapierschirm Klaus Baldner mit internationalen Partnern in Myanmar 18-tägige begleitete Radtouren durch „Das unbekannte Südmyanmar“ an.

Mirko ist noch nicht so weit, der Vierjährige versucht sich bei der Verkehrswacht Obertaunus auf dem Sitz des Fahrrad-Simulators am Reaktionstest. Einmal nicht aufgepasst und zack ist der Fußgänger weg, der plötzlich auf die Straße rennt. „Zu spät reagiert“, sagt der Computer-Bildschirm dann nüchtern, Reaktionszeit und –weg zu lange. Mirkos Eltern bekommen ein 28-seitiges Heftchen mit dem Titel „Radfahren lernen“.

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