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Nachts könnte künftig eine Landebahn gesperrt werden.

Fluglärm I

Mehr Ruhe in der Nacht

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Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stellt fünf Modelle für sogenannte Lärmpausen zur Diskussion. Die Opposition sieht in seinen Vorschlägen keine Verbesserungen für lärmgeplagte Flughafen-Anwohner.

Die Menschen in den Einflugschneisen sollen eine Stunde länger in Ruhe schlafen können. Das will Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mit so genannten Lärmpausen erreichen, für die er am Freitag in Wiesbaden fünf Modelle vorstellte. Demnach ist es möglich, in den Stunden vor beziehungsweise nach dem offiziellen Nachtflugverbot jeweils eine bestimmte Bahn des Flughafens für den Landebetrieb zu sperren. Der Status quo von durchschnittlich 1500 Flugbewegungen am Tag bleibt erhalten. Was zwangsläufig dazu führt, dass der Verkehr sich auf jene Bahnen konzentriert, die zu diesem Zeitpunkt nicht tabu sind.

Die Berechnungen sind komplex und schwer nachvollziehbar. Insgesamt 256 theoretisch mögliche Varianten wurden im vergangenen halben Jahr errechnet und bewertet. Am Ende einigte sich die Arbeitsgruppe aus Vertretern des Wirtschaftsministeriums, der Deutschen Flugsicherung (DFS), der Flughafenbetreiberin Fraport und der Lufthansa als größte Kundin auf die fünf Modelle, die Al-Wazir jetzt der Fluglärmkommission, dem Forum Flughafen und Region sowie den betroffenen Kommunen zur Diskussion stellt. Er forderte ausdrücklich alle auf, sich daran zu beteiligten und eigene Ideen beizusteuern. „Es wird kein einsame Entscheidung geben, wir setzen auf die Beteiligung der Kommunen und Gremien“, versicherte der Minister. Al-Wazir ist sich aber auch der Brisanz bewusst: Die einzelnen Varianten seien in ihrer Wirkung auf die betroffenen Kommunen unterschiedlich.

Entscheidung bis Jahresende

So wird im Modell 1 am späten Abend bei Ostbetrieb die Nordwest-Landebahn entlastet. In den Modellen 2 und 3 profitieren morgens zusätzlich die Menschen, die unter dem Lärm der Südbahn leiden. Diese drei Modelle entlasten die Nordwest-Landebahn jedoch nicht bei westlichem Landebetrieb. Die Modelle 4 und 5 kommen auch bei Westbetrieb ohne Nordwest-Landebahn aus. Der Nachteil: Sie sind weniger verlässlich umsetzbar.

Bis Jahresende, so die Hoffnung des Minister, soll im Konsens mit den Betroffenen die Entscheidung für eine der Varianten gefallen sein. Mit Inkrafttreten des Sommerflugplans im kommenden März könnte diese dann am Frankfurter Flughafen im Probebetrieb für ein Jahr getestet werden. Die Idee ist, dass eine Einflugschneise entweder zwischen 22 und 23 Uhr oder zwischen 5 und 6 Uhr nicht genutzt wird. Gemeinsam mit den Nachtflugverbot hätten die dort lebenden Menschen dann täglich sieben Stunden Ruhe.

Leider nicht alle, wie Al-Wazir einräumte. „Es gibt kein Modell, das die Nordwestbahn morgens entlastet.“ Das liege zum einen daran, das nach Ende des Nachtflugverbots um 5 Uhr der Andrang an landenden Flugzeugen so groß sie, dass die Flugzeuge nicht alle auf der alten Parallelbahn untergebracht werden könnten. Und zum anderen daran, dass große Maschinen mehr Anstand hintereinander benötigten, was der Nutzung des alten Systems ebenfalls entgegenstehe.

Alle fünf Modelle sind von der Flugsicherung als sicher beurteilt worden. Sie unterscheiden zwischen den zwei Betriebsrichtungen, weil Flugzeuge bekanntlich immer gegen den Wind landen. In Stein gemeißelt sind sie nicht. Auf starke Gewitter oder andere unerwartete Ereignisse wird die DFS auch künftig flexibel reagieren müssen und können.

Wie Al-Wazir andeutete, war es eine harte Arbeit, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Doch die Luftverkehrswirtschaft habe konstruktiv mitgearbeitet. „Das ist ein freiwilliges Modell“, sagte der Minister.

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