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AfD-Rechtsaußen Baumann rausgeworfen

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Von: Joachim F. Tornau

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Otto Baumann, hier als Sprecher der Bürgerinitiative „Frieden in Witzenhausen“. (Archivbild 2018)
Otto Baumann, hier als Sprecher der Bürgerinitiative „Frieden in Witzenhausen“. (Archivfoto) © Swen Pförtner/ dpa

Das Präsidium des Reservistenverbandes schließt den Rechtsanwalt Otto Baumann aus dem Verband aus. Als Grund wird dessen Nähe zum rechtsextremen „Flügel“ genannt.

Frankfurt – Der nordhessische AfD-Rechtsaußen und Reservistenführer Otto Baumann wird aus dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr ausgeschlossen. Das entschied nach FR-Informationen das Präsidium des Verbands in seiner jüngsten Sitzung.

Der 72 Jahre alte Rechtsanwalt aus Witzenhausen leitet seit vielen Jahren die Reservistenkameradschaft Werra-Gertenbach – eine Untergliederung des Reservistenverbands, der im Auftrag des Verteidigungsministeriums rund 110 000 ehemalige Soldaten organisiert. Auch als 2011/12 aufflog, dass in einer ebenfalls von ihm angeführten „Marschgruppe“ von Gedienten und Ungedienten gleich mehrere Neonazis aktiv waren, blieb die Rolle Baumanns im Verband unangefochten.

AfD: Otto Baumann unterzeichnete „Erfurter Resolution“

Zum Verhängnis wird dem Oberstleutnant der Reserve nun jedoch seine Verbindung zum völkischen „Flügel“ der AfD. Im März 2015 gehörte Baumann zu den nur 20 Erstunterzeichner:innen der „Erfurter Resolution“, die die einflussreiche Parteigruppierung um den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke als ihre Gründungsurkunde wertete. Nachdem der „Flügel“ vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft worden war, wurde die Gruppierung 2020 offiziell aufgelöst.

Auf Baumanns Nähe zum „Flügel“ war der Reservistenverband durch Recherchen dieser Zeitung aufmerksam geworden. Vor gut einem Monat hatte die Frankfurter Rundschau über den früheren Sozialdemokraten und heutigen AfD-Politiker an der Spitze der Reservistenkameradschaft Werra-Gertenbach berichtet.

Baumann hetzte gegen „Regime“

Wie der Reserveoffizier tickt, zeigen auch Beiträge aus einer internen Chatgruppe von Gegner:innen der Corona-Maßnahmen, die der FR zugespielt wurden. Baumann hetzte darin gegen die Bundesrepublik als „Regime“, als „autoritäres System“, als „Scheindemokratie“. Er schmähte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als „US-Gouverneur“, raunte von „Machteliten“, die die Bundesregierung wie Marionetten führten, und ließ in diesem Zusammenhang auch den Hinweis auf zwei Lieblingsfeindbilder der äußersten Rechten nicht aus: Bill Gates und George Soros.

Um die beiden US-Milliardäre und Philanthropen ranken sich ungezählte, oft antisemitisch aufgeladene Verschwörungserzählungen. Zudem zeigte Baumann, der bis jetzt ehemalige Bundeswehrsoldaten anführen durfte, Verständnis für Russlands Angriff auf die Ukraine.

Seit dieser Berichterstattung ist Baumann in der Chatgruppe leiser geworden. Um seinen Verbleib im Reservistenverband soll der Rechtsanwalt mit mehreren ausführlichen Schriftsätzen gekämpft haben. Das Verbandspräsidium vermochte er damit aber offenbar nicht zu überzeugen. Will er den beschlossenen Ausschluss anfechten, muss er vor Gericht ziehen. (Joachim F. Thornau)

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