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Das Coronavirus hat zu einem Fahrgastrückgang von etwa 20 Prozent geführt.

Nahverkehr

Ärger über den RMV

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Züge sind zu voll, Kündigungen teuer - der Verbund erklärt und bessert bei vollen Zügen nach.

Joachim Heuser fühlt sich ausgenommen vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV): Er gehöre zur Corona-Risikogruppe, werde in der nächsten Zeit nicht Bus und Bahn fahren, sagt der 73-Jährige. Deshalb habe er seine Hessen-Card-Komfort gekündigt. Nun soll er für jeden vollständig genutzten Monat mehr als 100 Euro zahlen. Der FR-Leser aus Rödermark empfindet das als „Wucher“.

Eine weitere Zuschrift erreichte die Frankfurter Rundschau von Katharina Steinhauer. „Ich fahre täglich Zug von Bad Nauheim nach Frankfurt zu meiner Arbeit in Krankenhaus“, schreibt sie. Sie könne nicht verstehen, dass das Angebot ausgedünnt wurde. „Wir sitzen hier eng beieinander, Fahrgäste müssen stehen.“ Das Argument, das Zugpersonal müsse geschützt werden, lässt sie nicht gelten. „Das ist kein Grund, wenige Abteile zur Verfügung zu stellen und Passagiere wissentlich zu gefährden.“ Bei der Verbindung von Leserin Steinhauer hat der RMV nachgebessert, informiert Sprecherin Vanessa Rehermann auf FR-Anfrage. „Wir steuern nach, wo wir können.“ Seit Dienstag verkehre auf der RB40 (Dillenburg–Gießen–Frankfurt) ein weiterer Wagen in der Morgenspitze. „Auch die Fahrpläne der RB21 (Frankfurt–Limburg) und der Niddertalbahn (RB34) wurden aufgestockt.“

Das Coronavirus hat zu einem Fahrgastrückgang von etwa 80 Prozent geführt. Die wirtschaftliche Folgen für den RMV sind längst nicht absehbar. Gleichwohl fänden über alle Linien hinweg rund 75 Prozent der sonst üblichen Fahrten statt. Sollte sich dennoch das Einhalten der Mindestabstandregeln als Problem erweisen, würden Lösungen gesucht, sagt die RMV-Sprecherin. Ziel sei ein stabiles und verlässliches Angebot aufrecht zu erhalten, auch in Zeiten möglicher personeller Engpässe.

Der aktuelle Fahrplan: Die S-Bahnen fahren unter der Woche alle 30 Minuten, die meisten Regionalbahnen im 60-Minuten-Takt, was vielerorts dem Samstagsfahrplan entspricht, Auf einigen Nebenstrecken wird ein Zwei-Minuten-Takt angeboten. Auf vielen Linien gibt es morgens zusätzliche Fahrten für die Berufspendler. Im regionalen Busverkehr fahren die meisten Linien nach dem Ferienfahrplan.

Eine weitere Reduzierung soll vermieden werden, sei aber nicht auszuschließen: „Der RMV und die Verkehrsunternehmen sind, wie alle anderen auch, in dieser außergewöhnlichen Lage von den Umständen abhängig“, sagt Rehermann. Sollten viele Mitarbeiter erkranken, könnten zum Beispiel Ersatzteile für die Fahrzeuge nicht rechtzeitig geliefert werden. „Das kann sich auf den Fahrplan auswirken.“

Wie viele Kunden ihre Zeitkarten oder Seniorentickets zurückgegeben haben, kann die RMV-Sprecherin nicht sagen. Die Beschwerde von FR-Leser Heuser nimmt sie zum Anlass, um die Tarifbestimmungen zu erklären: Bei Kündigung von Zeitkarten vor Ablauf des ersten Jahres wird für jeden genutzten Monat der doppelte Monatspreis einbehalten wird. „Dies liegt daran, dass Jahreskarten und ganz besonders das Seniorenticket gegenüber anderen Fahrkarten einen massiven Preisvorteil haben, der erst durch den verbindlichen Kauf über ein Jahr ermöglicht wird.“

Würde bereits im ersten Nutzungsjahr für jeden Monat nur der einfache Monatspreis einbehalten, wäre es für saisonale Fahrgäste günstiger, eine Jahreskarte zu kaufen und diese nach wenigen Monaten zu kündigen. „Um dies zu vermeiden, gibt es die Regelung mit dem doppelten Monatsbeitrag bei Kündigung im ersten Jahr.“ Für Stammkunden gebe es Sonderkonditionen: „Ab dem zweiten Abo-Jahr wird bei einer Kündigung nur der einfache Monatspreis pro genutztem Monat einbehalten.“

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