Versuche an Kindern

Nachkriegskarriere eines Haupttäters

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Werner Catel, Euthanasiearzt in der Nazizeit, galt als unbelastet ? ein Porträt.

Der Arzt Werner Catel gehörte zu den Haupttätern der Kindereuthanasie in der Nazizeit. Trotzdem wurde er 1947 als unbelastet eingestuft und vom hessischen Innenministerium zum Leiter der Kinder-Heilanstalt Mammolshöhe in Königstein-Mammolshain berufen. In dieser Funktion arbeitete  Catel bis 1954. Mindestens vier Kinder starben in dieser Zeit an Medikamententests, die er vorgenommen hatte. 

Catel hat im Rahmen der Kindereuthanasie das erste behinderte Kind getötet, möglicherweise sogar eigenhändig – laut den Akten am 25. Juli 1939. Der Junge starb im Alter von vier Monaten in der Universitätsklinik Leipzig, deren Leiter Catel seinerzeit war. 

Die Tötung war in Abstimmung mit Adolf Hitler erfolgt. Der Machthaber befahl nach der Tötung, generell bei Kindern so zu verfahren, die als „lebensunwert“ galten. In der „Kanzlei des Führers“ wurde ein „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ gebildet, der nach Aktenlage über Leben oder Tod solcher Kinder entschied. Drei Mediziner waren Gutachter im „Reichsausschuss“: Ernst Wentzler, Hans Heinze und Catel.

Zwischen 1940 und 1945 wurden aufgrund ihrer Entscheidungen mehr als 5000 Kinder getötet. 
Durch Entscheid der Spruchkammer vom 7. August 1947 wurde Catel in die Gruppe 5 (Entlastete) eingestuft und auf die Mammolshöhe berufen. Im Jahr 1954 wechselte er als Professor für Kinderheilkunde an die Universität Kiel. Dort wurde er auf öffentlichen Druck hin 1960 vorzeitig emeritiert. 

Noch 1964 setzte sich Catel für eine „begrenzte Euthanasie“, für die Tötung „vollidiotischer“ Kinder ein. In einem Interview des Magazins „Spiegel“ sagte er: „Glauben Sie mir, es ist in jedem Fall möglich, diese seelenlosen Wesen von werdenden Menschen zu unterscheiden.“ 

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