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Frankfurts Taxifahrer müssen auf sich achtgeben.

Taxis

Jenseits von Kairo

Modern, sauber, freundlich: Ordnungsdezernent Stein stellt die "Qualitätsoffensive Taxi" vor. Denn Frankfurts "Weiße" landen beim ADAC auf dem letzten Platz. Von Martin Müller-Bialon

Von MARTIN MÜLLER-BIALON

Die Service-Qualität der Frankfurter Taxi-Fahrer ist für Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) weiter ein vordringliches Thema. Der Stadtrat stellte am Mittwoch sein Modell einer "Qualitätsoffensive Taxi" vor. Zu den Wünschen, die Stein an das Gewerbe richtet, gehören die Modernisierung der Fahrzeugflotte, saubere Wagen, die Einführung von Fahrerausweisen, "ordentliche Kleidung" sowie "gute Deutschkenntnisse" der Fahrer.

"Es geht mir darum, das schlechte Image des Taxi-Gewerbes zu verbessern", betonte Stein. Deshalb habe er im Zusammenhang mit der Anhebung der Taxi-Preise im vergangenen Jahr Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung gefordert. Der Stadtrat wies auf einen ADAC-Test vom Herbst 2008 hin, bei dem Frankfurts Taxifahrer auf dem letzten Platz gelandet waren.

Eine moderne Flotte wie auch ein sauberes Äußeres der Fahrer seien wichtig, weil das Taxi für viele Frankfurt-Besucher der erste Kontakt mit der Stadt sei. "Es kann nicht sein", meinte Stein, "dass ein Fahrer im Taxi mit einer Garnitur sitzt, die an den Basar von Kairo erinnert, verbunden mit den entsprechenden Gerüchen."

Manche Idee ist nur eine Luftnummer

Bei der Präsentation der Qualitätsoffensive stellte sich allerdings heraus, dass ein großer Teil der Forderungen des Stadtrats entweder - zumindest auf kommunaler Ebene - nicht verbindlich durchsetzbar ist oder von Berufsverbänden und Taxi-Zentralen längst aufgegriffen wurde. So betonte Michaela Allebrand von der Taxi-Vereinigung, man biete seit Jahren Fortbildungsseminare für Unternehmer an, die gut frequentiert seien.

Die Funkzentrale "Taxi Frankfurt" (23 00 01) hat ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen, wie Vorstand Albert Schmidt berichtete: "Wir haben alle Fahrzeuge gesichtet und dafür gesorgt, dass die Nummer der Beschwerde-Hotline des Ordnungsamts auf Tarifaufklebern und Quittungen gedruckt wird." Die Zentrale "Main Taxi" rät ihren Mitgliedern, die Fahrer mit einheitlicher Kleidung auszustatten. Vorstand Ralf Brück erschien mit weißem Hemd und am Kragen aufgedrucktem Logo der Zentrale. Verpflichtend sei die Dienstkleidung jedoch nicht.

Steins Behauptung, das Gewerbe habe sich in einer Selbstverpflichtung zur Umsetzung seiner Forderungen bereit erklärt, widersprach Funktionär Schmidt: "Davon ist mir nichts bekannt." Man unterstütze die Ideen des Stadtrats, mehr als Appelle an Unternehmen und Fahrer seien jedoch nicht möglich.

Durchfallquote bei 50 Prozent

Immerhin hat die IHK als Ausrichter der Ortskenntnisprüfung für Taxifahrer die Anforderungen verschärft. So habe man den Anteil der Fragen, die frei beantwortet werden müssen, erhöht, berichtete der zuständige Geschäftsführer Hans-Peter Debling. Die Fragen würden ständig aktualisiert. Ziel sei, einen "Wettbewerb über Qualität" zu initiieren, sagte Debling. Seit 2001 nimmt die IHK die Ortskenntnisprüfung ab, davor war das Ordnungsamt zuständig. Im Jahr treten laut Debling 600 Bewerber zur Prüfung an, die Durchfallquote beträgt 50 Prozent.

Forderungen nach einer Reduzierung der Taxi-Flotte erteilte Stadtrat Stein eine Absage. "Das ist nicht beabsichtigt. Die Stadt wird nicht regulierend eingreifen." Damit bleibt es bei den 1712 Taxi-Konzessionen. Ein weiterer Wunsch des Ordnungsdezernenten, die Branche möge auf Zuschläge für die Kreditkarten-Bezahlung verzichten, erledigte sich von selbst. Laut TV-Funktionärin Allebrand "ist das überhaupt kein Thema".

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