literatur

Null und eins

Friedrich Christian Delius, bis August Stadtscheiber in Bergen-Enkheim, nutzte seine Zeit in der Dichterklause offenkundig gut. Jedenfalls erschien im Sommer

Friedrich Christian Delius, bis August Stadtscheiber in Bergen-Enkheim, nutzte seine Zeit in der Dichterklause offenkundig gut. Jedenfalls erschien im Sommer sein Roman "Die Frau, für die ich den Computer erfand". Er handelt von einer realen Person: Konrad Zuse, Erfinder des ersten funktionstüchtigen Computers. Mathematik ist nur für Mathematiker so bunt wie das Leben, nicht aber für das allgemeine Publikum, weshalb Delius die Leidenschaft hinzudichtet, eben eine Frau, für die Zuse den Computer erfand. Diese Frau existierte ebenfalls. Es war Ada Lovelace, die im 19. Jahrhundert eine Programmiersprache erdachte. In Zuses Autobiografie kommt Lovelace nur in einem Halbsatz vor, fand ein Rezensent heraus. Bei Delius wird daraus eine lebenslange, wenn auch nur imaginierte Liebe. "In Ada steckt die ganze Algebra meiner Gefühle", lässt er Zuse sagen, der im Roman im Gespräch mit einem Journalisten monologisierend sein Leben ausbreitet. "In der Stille zwischen Null und eins findet er sich. Mit oder ohne Ada", schrieb ironisch ein Kritiker. (vo)

Friedrich Christian Delius liest, 16.9., 20 Uhr, Literaturhaus, Frankfurt, Schöne Aussicht 2

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