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Acker wird zum Zankapfel

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Bei einer spontanen Demonstration versammelten sich Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Umwelt- und Klimaverbände, um gegen ein Gewerbegebiet am Kronenhof zu demonstrieren. Niklas Müller
Bei einer spontanen Demonstration versammelten sich Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Umwelt- und Klimaverbände, um gegen ein Gewerbegebiet am Kronenhof zu demonstrieren. Niklas Müller © Niklas Müller

Demonstranten machen ihrem Ärger über Gewerbegebiet-Pläne Luft

bad homburg - Feld statt Beton“ und „Keine Bagger auf dem Acker!“ Die Sprechchöre, die bei der Spontandemonstration vor dem geplanten Gewerbegebiet am Kronenhof nebst passenden Bannern und Schildern erklingen, sind unüberhörbar. Noch stehen die 15 Teilnehmer vor einem großen Acker. Genau dieses Stück Land aber erhitzt derzeit die Gemüter, denn hier soll ein Gewerbeareal entstehen, die Stadtverordneten sollen den Weg dafür freimachen. Dagegen regt sich Widerstand, Eine Versiegelung des Grüngürtels und damit den Verlust von Ackerböden wollen vor allem Klimaschützer verhindern.

Dass sie das Votum noch verhindern können, glauben die Vertreter unterschiedlicher Klima- und Naturschutzverbände wahrscheinlich selbst nicht. Dennoch nutzen sie das Forum am Acker, um ihrer Position Gehör zu verschaffen - und ihrem Ärger Luft. Mit dabei: Fridays for Future, Parents for Future, Extinction Rebellion, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund Bad Homburg (NABU), die Initiative „Feld statt Beton“ und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Wir sind entsetzt über das Vorhaben der Politiker hier“, bringt es Doris Warlich, BUND-Beisitzerin im Kreis und in Neu-Anspach auf den Punkt. Die Ackerfläche helfe, das schädliche Kohlenstoffdioxid in der Luft zu binden, diene als Anbaufläche der Nahrungssicherung und als Wasserspeicher.

Was eine Versiegelung der 180 000 Quadratmeter großen Fläche für Auswirkungen habe, verdeutlicht Christoph von Eisenhart Rothe von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. 100 Liter pro Quadratmeter, das sei die regionale Niederschlagsbilanz im September gewesen. „18 000 Kubikmeter werden auf dieser Fläche, so sie denn betoniert wird, nicht in den Boden fließen“, sagte Eisenhart Rothe. Eine ungeheure Kraft, die da bei einer Überschwemmung entfesselt werde. Allerdings gehören von den 18 Hektar Plangebiet rund 6,5 Hektar zum Bereich Kronenhof, werden also nicht neu versiegelt.

Befürworter der neuen Gewerbeflächen halten außerdem mit ökonomischen Argumenten dagegen. Es müssten dringend neue Areale erschlossen werden, um Firmen anzulocken und zu verhindern, dass Betriebe abwandern. Dass Flächenangebot für Gewerbe, so heißt es etwa von der IHK Frankfurt, sei im Rhein-Main-Gebiet zu gering, das könne die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts gefährden. Auch der Homburger Magistrat sieht vor allem die Potenziale des Projekts: Auf dem neuen Areal könnten sich etablierte Bad Homburger Unternehmen erweitern, was helfe, „den stabilen Branchenmix“ aus Gesundheitswirtschaft, Unternehmensberatung und Kommunikationstechnologie an den Standort zu binden. Zudem könnten sich „innovative Branchen“ und Start-ups „mit Fokussierung auf smarte Technologien und Dienstleistungen“ ansiedeln, wie es aus dem Rathaus heißt.

Viele Flächen werden nicht genutzt

Das Argument lassen die Protestler an diesem Nachmittag nicht gelten. Es gebe durchaus Ausweichmöglichkeiten, sagen sie. 100 000 Quadratmeter leerstehende Gewerbefläche, die man umwandeln oder vermieten könnte, stehen der Stadt zur Verfügung, so Claudia von Eisenhart Rothe, Vorsitzende des BUND Hessen, Hochtaunuskreis, Königstein und Oberursel. Unverständlich sei es, dass das nicht geschehe. Für den künftigen Bedarf reichten die bestehenden Flächen aber nicht, entgegnet der Magistrat, oder seien, etwa wegen Eigentumsverhältnissen, nur „sehr schwer zu aktivieren“.

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