Stadtentwicklung

Abstieg in die riesige Grube in Bad Vilbel

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Besichtigung der Stadthallenbaustelle  in Bad Vilbel. Ab Mai soll dort die Tiefgarage entstehen.

Kurt Liebermeister steht wachend vor dem noch schmalen Durchlass am mannshohen Drahtzaun. Vor dem Chef des Stadtmarketingvereins, der sich auch dem Baustellenmarketing angenommen hat, haben sich gut 60 Personen versammelt. Alle wollen hinein. Die meisten von ihnen mit vernünftigerweise mit Gummi- oder Wanderstiefeln an den Füßen. Am Samstag lud der Verein zur Besichtigung der Großbaustelle für die Stadthalle ein.

Liebermeister erläutert kurz den Ablauf und mahnt zur Obacht. Ahnend, was auf ihn und den anderen Beteiligten zukommen können, sagt er noch: „Fragen bitte nur zum aktuellen Stand.“ Nach einer Erläuterung vor drei Bauplänen geht es die Behelfstreppen hinunter. Manch einer verlangsamt dort das Gehtempo nicht ob der Stolpergefahr, sondern weil er den Abgang mit seinem Handy für die Nichtanwesenden festhalten will.

Dort, wo einst Hallenbad und Kurmittelhaus standen, tut sich seit Wochen eine rund sieben Meter tiefe Grube auf mit einer Fläche, auf der sich bequem ein Fußballfeld nach DFB-Norm samt Platz für Publikumsränge und ein paar Imbissständen Platz unterbringen ließe. 93 dicke, mehr als zehn Meter tief im Boden ragende Betonsäulen, die obendrein von meterlangen, seitwärts in die Erde getriebenen Stahlankern gesichert sind, halten das zwei, drei Meter vom Abgrund stehende Kurhaus aus den 1920er Jahren. Es soll ja noch saniert und Teil der Stadthalle werden. Ein Mann überkommt dennoch die Skepsis, ob dass halten wird. Klaus Rotter von den Stadtwerken Immobilien, der Bauherrin, beruhigt. Prüfstatiker haben alles im Blick, sagt er.

Unzählige rostbraune Stahlstreifen, zu einer Wand verbunden und ebenfalls mit horizontalen Ankern fixiert, fassen die anderen Seiten der Grube ein. Metertief sind die Wände in den lehmigen Boden gerammt worden, damit sie den Grundwasserstrom aussperren und die Baustelle für die zweigeschossige Tiefgarage trocken halten. Zehn Brunnen tragen bei, dass der Grundwasserpegel zusätzlich abgesenkt wird, erläutert Bauleiter Mirko Lunic. Das Wasser läuft gefiltert in die Nidda, das sei eine behördliche Auflage, sagt er. Spätestens wenn in Sommer die Tiefgarage aus Beton gegossen ist, soll das Grundwasser sein Terrain zurück erhalten - in mit Kies gefüllten Gräben unter der bis 80 Zentimeter starken Bodenplatte. Der unterirdische Wasserdruck wird dennoch enorm sein. Knapp 500 Ankerpfähle aus Stahl, die bis zu gut 13 Meter in der Erde verfestigt sind, sollen ein Aufschwemmen der Stadthalle verhindern, falls das Eigengewicht mal nicht reicht.

Wohin die 60 000 Kubikmeter Erde hingebracht worden sein, wollte gleich mehrere Baustellenbesucher wissen. Ein Teil sei in dem Neubaugebiet Quellenpark für den Geländeausgleich genutzt worden, sagt Rotter. Der andere Aushub sei ordentlich entsorgt worden, belegbar mit Frachtpapieren. Ohnehin sei kein belasteter Boden vorgefunden worden, so eine baubetreuende Architektin, die in der Zeitung ungenannt bleiben will. Kiesbänke der alten Nidda seien gefunden worden. Eine Besucherin trägt die Hoffnung vor, dass die knapp 400 Parkplätze in der Tiefgarage auch breit genug werden mögen. Werden sie, sagt Rotter.

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