Gut gebrüllt

Abbrucharbeiten

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Baulärm statt Politik im Landtag und der Staatskanzlei. Die Hessen-Kolumne der Frankfurter Rundschau.

Es wird gehämmert, gebohrt, gesägt. Staubschutzwände verbarrikadieren den Weg zum Plenarsaal, Staubschutzplanen umhüllen Lampen und Statuen, ein Schild verkündet „Kein Durchgang! Wegen Abbruch- und Entsorgungsarbeiten!“ und dazwischen gehen Handwerker ihrer Arbeit nach.

Da, wo sonst die Politik den Ton angibt, haben jetzt Andere das Sagen. Der Hessische Landtag ist eine einzige Baustelle – und auch in der Staatskanzlei einige hundert Meter weiter spielt die Musik der Bohrmaschinen. Dort wird die historische Fassade des Innenhofes in dem Gebäude aus dem Jahr 1898 saniert. Im Landtag, dem 60 Jahre davor erbauten Nassauer-Stadtschloss, kommt die Sanierung des vom Schwamm zerfressenen Dachstuhls voran.

Schon vermisse ich die Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau, die seit mehr als einem Jahrzehnt immer in den Sommerferien gekommen sind, um sich das Schloss anzuschauen, in dem der Landtag seinen Sitz hat. Aber in diesem Jahr muss dieser Teil unserer Aktion „Ferien zu Hause“ leider ausfallen. Es ist kein Durchkommen. Der Landtag, eine der großen Attraktionen der Landeshauptstadt, kann derzeit keine Besucher empfangen.

Nur für 27 Abgeordnete ist das eine wahrlich gute Nachricht. Für sie wird der Plenarsaal im wahrsten Sinn des Wortes aufgemöbelt.

Eigentlich wurde der Saal nur für 110 Abgeordnete gebaut, doch dem aktuellen Landtag gehören 137 Abgeordnete an, so viele wie noch nie. Im ersten halben Jahr der Wahlperiode haben deswegen 27 Hinterbänkler auf provisorischen Stühlen Platz nehmen müssen – wobei auch Ministerinnen und Minister zu diesen „Hinterbänklern“ zählen. Sie benötigen ihre Abgeordnetensitze nur selten, weil sie meistens auf der Regierungsbank Platz nehmen.

Nun haben die Handwerker die Halterung für die regulären Sitzplätze angebracht. Wenn das Parlament im September wieder tagt, können die 27 Politiker zumindest so bequem sitzen wie ihre 110 Kolleginnen und Kollegen. Das ist eng und unbequem genug für eine ganztägige Sitzung.

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