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Ab heute fallen in Hessen einige Corona-Regeln weg

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Victor Oswalt von der Initiative „Clubs am Main“. Andreas Arnold/dpa
Victor Oswalt von der Initiative „Clubs am Main“. Andreas Arnold/dpa © dpa

Schritt für Schritt soll Normalität zurückkehren. Clubs öffnen wieder.

Hessen macht langsam wieder auf. Ab heute gibt es in vielen Bereichen weniger strenge Corona-Regeln bezüglich Zugangsbeschränkungen und Auslastung.

In der Gastronomie und in Übernachtungsbetrieben gilt jetzt die 3G-Regel. Auch ungeimpfte Menschen können also wieder Restaurants, Cafés und Hotels besuchen. Für doppelt Geimpfte fällt außerdem die Testpflicht im Innenbereich weg. James Ardinast von der Initiative Gastronomie Frankfurt e.V. begrüßt die Lockerungen: „Wir freuen uns sehr. Jeder Schritt, der uns dem normalen Leben näher bringt, ist ein richtiger Schritt. Wir hoffen, dass die Menschen schnell wieder Vertrauen gewinnen und das öffentliche Leben Stück für Stück zurückkehrt.“

In den vergangenen zwei Jahren habe man in der Gastronomie viel gelernt, so Ardinast, der selbst mehrere Restaurants mit seinem Bruder David im Bahnhofsviertel betreibt. Lüftungsanlagen, Virenfilter, Hygienemaßnahmen – das sei mittlerweile alles eine Selbstverständlichkeit in vielen Betrieben. „Diese Dinge werden auch weiterhin wichtig bleiben, auch nachdem die letzten Beschränkungen gefallen sind“, betont der Gastronom. Schon jetzt würden sich die angekündigten Lockerungen bei den Buchungen auswirken: „Bei einzelnen Reservierungen sehen wir noch keinen großen Effekt, weil die meistens ziemlich kurzfristig reinkommen. Aber bei größeren Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern ist der Anstieg schon deutlich zu sehen.“

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband rechnet man auch mit einem höheren Aufkommen an Reservierungen: „Man spürt ganz deutlich, dass die Menschen ausgehen wollen“, berichtet Hauptgeschäftsführer Julius Wagner. In der Hotelbranche sei das derzeit an den Buchungszahlen noch nicht erkennbar, aber auch hier würden sich die Lockerungen bald bezahlt machen, hofft Wagner.

Auch der Frankfurter Gastronom Thomas Klüber registriert einen Anstieg bei Gruppenreservierungen: „Wir rechnen natürlich insgesamt mit mehr Betrieb, wenn auch ungeimpfte Menschen wieder in die Gastronomie dürfen. Aber vor allem werden wieder mehr größere Gruppen kommen, die vorher vielleicht weggeblieben sind, weil eine Person nicht geimpft war.“ Es sei den Menschen jetzt einfach wichtig, rauszugehen und den Frühling zu genießen, so Klüber, der unter anderem das Café-Restaurant Walden in der Innenstadt und das Oosten an der Weseler Werft betreibt. Die Probleme der Branche sieht er mit den Lockerungen aber noch lange nicht gelöst. Die wirtschaftlichen Schäden könnten die Betriebe noch jahrelang begleiten. Nicht jeder werde es schaffen. Die Pandemie belaste die Gastronomie weiter: „Für Betriebe, die sich auch vorher schon an die Regeln gehalten haben, ändert sich eigentlich nicht viel. Wir müssen weiterhin Impf- und Testzertifikate und die Maskenpflicht kontrollieren.“ Hier hofft er auf Erleichterungen mit den nächsten Öffnungsschritten. Auch Julius Wagner vom Hotel- und Gaststättenverband betont, dass mit einem wirklichen Aufatmen der Branche erst zu rechnen sei, wenn alle Beschränkungen wegfallen.

Die hessischen Clubs sehen den Lockerungen nur verhalten optimistisch entgegen. Obwohl sie ab heute wieder offiziell öffnen dürften, bleiben die Tanzflächen in einigen Clubs erstmal leer. Der Grund: Viele Corona-Einschränkungen, die mit dem heutigen Tag in anderen Branchen wegfallen, bleiben für Clubs und Diskotheken weiter bestehen. So gilt zum Beispiel die 2G-Plus-Regel, die Auslastung ist eingeschränkt. Im Außenbereich dürfen die Clubs zu 75 Prozent gefüllt werden, in Innenräumen nur zu 60 Prozent. Victor Oswalt, Sprecher der Initiative „Clubs am Main“, beklagt, dass wegen der eingeschränkten Kapazitäten ein wirtschaftliches Arbeiten für viele nicht möglich sei. Außerdem fehlten den Betreibern die Perspektiven, so Oswalt: „Es ist völlig unklar, wie es im nächsten Herbst und Winter weitergeht.“

Ralf Scheffler von der Frankfurter „Batschkapp“ teilt diese Sorge: „Wir hatten das ja schon mal. Und dann hat es Klatsch gemacht, und alles war wieder zu.“ Trotzdem startet die Batschkapp am Samstag mit einer 90er-Jahre-Party den Betrieb. Mit den Konzerten dauere es aber noch etwas: Diese seien wegen der ungewissen Lage geschoben worden und erforderten natürlich eine gewisse Vorbereitung, erklärt Scheffler.

Der Schlachthof in Wiesbaden bleibt aufgrund der geltenden Auflagen noch bis voraussichtlich 20. März geschlossen. „Wir warten auf die neue Verordnung und hoffen, dass wir dann ohne große Auflagen wieder aufmachen können“, erklärt Schlachthof-Sprecher Hendrik Seipel-Rotter. An diesem Datum laufen nach derzeitigem Stand das Infektionsschutzgesetz auf Bundesebene aus und mit ihm alle übrigen Corona-Schutzmaßnahmen. Wie es nach dem 20. März mit Maskenpflicht und Zugangsbeschränkungen weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Auch andernorts freut man sich im Kulturbetrieb auf mehr Publikum. „Lange Zeit gab es zu wenig Karten für zu viele Interessierte, gerade für die mit Abonnement“, berichtet Holger Engelhardt, Leiter des Pressereferats der Oper Frankfurt. Jetzt darf die Oper wieder 1025 Karten verkaufen. Deshalb seien für viele Veranstaltungen Karten verfügbar, so Engelhardt: „Die Menschen haben sich daran gewöhnt, sich mit Opernbesuchen etwas zurückzuhalten. Wir hoffen, dass das mit den Lockerungen jetzt langsam wieder anläuft.“ Die 2G-Plus-Regelung gilt noch mindestens bis 19. März, genauso wie die Maskenpflicht im ganzen Haus, auch während der Vorstellung.

Auch in der Alten Oper werden die Kapazitäten langsam wieder nach oben gefahren. Bis 25. März behalte man das Schachbrettmuster im Publikum bei, das ausreichende Abstände im Publikum garantieren soll. Danach gibt es allerdings auch in der Alten Oper wieder mehr Karten für die Veranstaltungen. mit dpa

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