+
Werktags wird gearbeitet, am Wochenende kann man gucken: Begehung am künftigen Autobahndreieck.

A661/A66

Ortsbegehung am künftigen Autobahndreieck Erlenbruch

  • schließen

80 Interessierte gehen auf „Tuchfühlung“ mit dem Autobahn-Ausbau am Erlenbruch.

Am Sonntagnachmittag stehen die Bagger und Baufahrzeuge am künftigen Autobahndreieck Erlenbruch der A661/A66 still. Bewegt zeigen sich dagegen die rund 80 Interessierten, die zu einer Ortsbegehung des Aktionsbündnisses „Unmenschliche Autobahn“ gekommen sind und sich anschauen, was da hinter den Bauzäunen passiert. Das Bündnis, das sich aus mehr als einem halben Dutzend Bürgerinitiativen (BI) und Vereinen zusammensetzt, möchte bei der Begehung über die Ausmaße des Autobahn-Ausbaus informieren.

Von der U-Bahn-Station Johanna-Tesch-Platz gehen die Teilnehmer los. Hinter dem Stadion des FSV vorbei geht es über einen Feldweg zu dem im Bau befindlichen Autobahnknotenpunkt. Dort angekommen verteilt Friedhelm Ardelt-Theeck, Sprecher des Aktionsbündnisses, Kopien von Luftaufnahmen des Autobahn-Abschnitts. Auf einer großen, farbigen Kopie zeigt er, was dort passieren soll. „Es gehen acht Spuren in den Riederwald-Tunnel rein“, ruft er durch ein Megafon. Dabei zählt er die Auf- und Abfahrten mit. Ardelt-Theeck prophezeit „jeden Tag schlimme Verhältnisse wie am Homburger oder Offenbacher Kreuz“.

Zum einen werde es „furchtbar laut werden“, weil die Autos auf den Auf- und Abfahrten höhertourig führen und so mehr Lärm verursachten. Die aktuellen Berechnungen seien „unterbelichtet“, weil sie von einem „gleichmäßigen Tempo 80 km/h“ ausgingen, das bedeutend leiser sei als beim „Rauf- und Runterschalten“. Außerdem werde es jeden Tag Stau geben, weil einige Abschnitte je nur vierspurig seien.

Aue im Riedgraben: zerstört

Beim Weitergehen trifft die Gruppe auf einen schmalen Bachlauf, der sich am Rand des Weges hinter Kleingärten entlang schlängelt. Unter einer alten Weide berichtet Folkhart Funk vom BUND Frankfurt-Ost sowie der BI Grüne Lunge: „Die Main-Aue im Riedgraben war ein sehr kleinteilig, artenreich strukturiertes Gebiet“. Dies sei jedoch zerstört. Ähnliches drohe dem Teufelsbruch, auf der anderen Seite der Autobahn in Fechenheim Nord, nahe der Wächtersbacher Straße. „Gehen Sie dort mal spazieren, sehen Sie sich die uralten Bäume an und nehmen Sie die Stille wahr“, sagt Ardelt-Theeck, der in energischer Manier auch über die Geschichte der A661 sowie rechtliche Aspekte referiert. Jörg Haas sieht das Engagement des Aktionsbündnisses gegen den Autobahn-Ausbau eher kritisch sowie „ideologisch“. Er sagt: „Bürgerbewegungen verhindern, dass es vorangeht, wenn auf jeden Baum und jede Maus geachtet wird.“ Positiv findet sein Begleiter Uwe Berndt den „Deckel“, der zwischen Seckbach und Bornheim als Einhausung über der Autobahn vorgesehen sei und Günthersburg- und Huthpark miteinander verbinden würde. Er sagt: „Dann können beide Stadtteile zusammenwachsen“.

„Die ganze Planung hört sich für uns kompliziert an“, findet Dirk Molkentin, der mit seiner Frau zu der Begehung gekommen ist. „Deshalb wollten wir vor Ort Tuchfühlung aufnehmen“, ergänzt er. Das Paar ziehe in wenigen Monaten von Bornheim nach Seckbach, in ein Gebiet, das unmittelbar vom Autobahn-Ausbau betroffen sein wird. „Wir haben die Dimensionen des Ausbaus erst gar nicht durchschaut“, sagt Annerose Molkentin, die sich von der Politik nicht ausreichend informiert fühle.

Einige Hundert Meter weiter ragen Betonpfeiler in die Höhe. Die Gruppe bleibt unterhalb an einer ungenutzten Brücke stehen, die parallel zur Seckbachtal-Brücke verläuft. „Das ist der zweite Teil der Brücke“, sagt Ardelt-Theeck und fügt hinzu: „Er ist seit 2009 fertig, wurde seitdem nicht benutzt und wird wohl auch in den nächsten zehn Jahren nicht genutzt werden“. Eine gewölbte, 6,50 Meter hohe Lärmschutzwand am genutzten Teil der Brücke sei erst nach einer Klage des benachbarten Hufeland-Hauses gebaut worden. „Lärmschutzwände werden nur nach jahrelangen Protesten erstritten“, sagt Ardelt-Theeck.

Die Bergen-Enkheimerin Cornelia Hoser-Hylla radle öfter unter der Seckbachtal-Brücke hindurch. Sie sagt: „Es ist sehr komplex, zu verstehen, was gebaut wird“, und ergänzt: „Ich habe hier keinen Garten und bin nicht direkt betroffen“. Jedoch fürchte sie, dass nach Fertigstellung des Ausbaus der „Verkehr extremst zunehmen und für die Riederwälder dramatisch“ werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare