Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gaffer stellen immer wieder ein Problem dar. (Symbolbild)
+
Gaffer stellen immer wieder ein Problem dar. (Symbolbild)

Polizei

Aus dem SUV gezerrt – Schocktherapie für Gaffer auf A3 bei Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
    schließen

Nach einem schweren Unfall führt die Polizei einen Mann über ein Trümmerfeld auf der A3. Zwei Menschen sterben bei dem Unfall nahe des Flughafens.

Frankfurt - Ein tödlicher Unfall am Sonntagabend auf der A3 nahe Flughafen sorgt für viel Gesprächsstoff. Ein Lastwagen war auf zwei auf dem Seitenstreifen stehende Autos aufgefahren. Die Insassen der beiden Autos, die sich vermutlich wegen einer Panne zu diesem Zeitpunkt außerhalb ihrer Fahrzeuge aufhielten, wurden tödlich verletzt. Ein 35-Jähriger starb noch an der Unfallstelle, eine 27-Jährige erlag wenig später ihren schweren Verletzungen. Der 31 Jahre alte Fahrer des Sattelzugs erlitt laut Polizei einen Schock. Bei dem Unfall gab es zahlreiche gaffende Unbeteiligte. Ein Video im Internet zeigt, wie die Polizei einen dieser mutmaßlichen Gaffer aus einem SUV zerrt und über das Trümmerfeld des Unfalls hin zu einem am Boden liegenden Opfer führt.

Gaffer auf A3: Filmaufnahmen einer Unfallstelle

Laut Polizeiangaben von Montag habe das Verhalten der Gaffenden das Ableiten des Verkehrs von der Autobahn, die für mehrere Stunden gesperrt werden musste, massiv gestört und verlangsamt. Ein Fahrzeug sei angehalten worden, weil der Beifahrer den Unfall videographiert hatte. „Da sich die Person zunächst uneinsichtig bezüglich des Fertigens von Foto- und Filmaufnahmen einer Unfallstelle zeigte, wurde mit ihm diese aufgesucht.“ Weiterhin habe es ein aufklärendes Gespräch gegeben, in dem ihm die Bedeutung seines Handelns sowie dessen Tragweite bewusst geworden sei. Es werde seitens der Polizei geprüft, inwieweit die Person mit einer Ordnungswidrigkeitanzeige belangt werden könne.

Das Internet-Video zeigt, dass der Gaffer die Unfallstelle nicht freiwillig „aufsuchte“. Nach ähnlichen Wutausbrüchen von zwei Polizisten aus dem fränkischen Feucht und bei der Autobahnpolizei Südhessen hatte das hessische Landespolizeipräsidium 2019 eine „AG Gaffer“ ins Leben gerufen.

A3: Gaffer aus dem SUV gezerrt

Die zehnköpfige Arbeitsgruppe erstellte den Leitfaden „Verhaltensempfehlung im Umgang mit Gaffern“. Erster Tipp: „Bewahre Ruhe und bleibe souverän.“ Das hat zumindest am Sonntagabend nicht funktioniert. „Wir werden da sicherlich das ein oder andere nachbereiten“, sagte der Leiter der AG Gaffer, Erik Hessenmüller, am Montag auf FR-Anfrage. Die Aufarbeitung des Vorfalls vom Sonntagabend stehe aber noch ganz am Anfang.

Wie häufig Gaffer bei schweren Unfällen sind, ist schwer messbar. Die hessische Polizei hatte ihre Informationskette 2019 erweitert und soll bei Unfällen nun immer mit aufnehmen, ob es Gaffende gibt oder nicht. „Aber manchmal sind Unfälle so schwerwiegend, dass dafür keine Zeit bleibt“, räumte Hessenmüller ein. Zwischenzeitlich sei es um das Problemfeld „Schaulustige“ ruhiger geworden, aber da es derzeit wegen des überschaubaren Verkehrsaufkommens in der Pandemie nicht viele Unfälle gibt, sei das Interesse am Sonntagabend groß gewesen.

Vorgehen der Polizei auf der A3: gemischte Reaktionen

Der Leitfaden, der als Taschenkarte an alle acht hessischen Autobahnstationen gegangen war, rät, Gaffer:innen aus der Anonymität zu holen und auf die Verwerflichkeit ihres Handelns aufmerksam zu machen. Zudem soll ein Umdenken angestoßen und eine Einsicht in die Perspektive des Opfers gegeben werden. Der Leitfaden zeigt aber auch, welcher Straftaten und Ordnungswidrigkeiten sich Gaffende womöglich schuldig machen. So kann das Filmen von verletzten Menschen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Für die erforderliche Ermittlung dürfen Einsatzkräfte gar die Handys von Tatverdächtigen einkassieren.

Das Vorgehen der Polizei am Sonntag löst aber gemischte Reaktionen aus. Der Leiter der Verkehrspolizei Feucht hatte im Mai 2019 bei einem Unfall auf der A6 einen filmenden Beifahrer gefragt, ob er sich die Leiche mal ansehen wolle. Der bayerische Beamte erhielt von einem lokalen Medium eine Auszeichnung und war in den sozialen Medien ebenso gefeiert worden wie wenige Tage später ein Oberkommissar der Autobahnpolizei Südhessen. Der stellte nach einem Unfall auf der A5 einen Gaffer derart in den Senkel, dass dieser zu weinen anfing. Wie es um die Befindlichkeit des Beifahrers bestellt ist, der am Sonntag aus dem SUV gezerrt und zu einem Unfallopfer geführt wurde, ist bislang nicht bekannt. (Oliver Teutsch)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare