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Neun-Euro-Ticket: Das sind die schönsten Strecken im Südwesten

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Von: Michael Bayer

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Die Rheinschleife bei Boppard. Links und rechts des Flusses schlängeln sich die Bahngleise.
Die Rheinschleife bei Boppard. Links und rechts des Flusses schlängeln sich die Bahngleise. © Andreas Hartmann

Möglichst schnell und minutengenau von A nach B war gestern – das Neun-Euro-Ticket macht den Weg zum Ziel. Die FR zeigt, wo Sie wundervolles Livefernsehen im Zugfenster erleben.

Frankfurt – Es ist ein großes Experiment, von dem bisher niemand auch nur annähernd abschätzen kann, wie es ausgehen wird. Deutschland fährt drei Monate lang nahezu kostenlos in regionalen Bussen und Bahnen. Tarifzonen und -waben der Verkehrsverbünde, Mitnahmeregelungen, Geltungsbereiche von Citytickets im Fernverkehr – all das kann den Menschen plötzlich völlig egal sein. Einsteigen und mitfahren für neun Euro im Monat – ganz ohne Angst, ungewollt auf unangenehme Fragen und ein erhöhtes Beförderungsentgelt zuzusteuern. Ein völlig neues Gefühl. Und völlig neue Möglichkeiten.

Denn natürlich macht die Aktion nicht nur den Weg zur Arbeit besonders günstig. Sie bringt auch die Chance, mit der Bahn das Land zu erkunden – beispielsweise mit Städtetouren übers Wochenende oder in den Ferien. Denn dass das Ticket nur im Nah- und Regionalverkehr gilt, heißt noch lange nicht, dass man nur langsam und mit fortwährenden Umstiegen vorankommt.

Mit dem 9-Euro-Ticket auf Regionallinien – mehrere hundert Kilometer lang

Manche Regional-Express-Züge sind überraschend flott unterwegs – und legen teils beachtliche Entfernungen zurück. In Süddeutschland kommt etwa der RE1 von Mannheim über Saarbrücken und Trier nach Koblenz auf eine Strecke von 330 Kilometern. Im nordhessischen Kassel startet eine 290 Kilometer lange Linie bis nach Düsseldorf.

9-Euro-Ticket

Warum es in manchen Regionalzügen nicht gilt

Für manche, die viel mit dem Auto unterwegs sind, vielleicht auch überraschend: Die Zeit der lauten, zugigen und geruchsintensiven Silberlinge im Regionalverkehr ist lange vorbei. Nur Leute aus der Bahn-Community werden sie vermissen. Stattdessen rollen fast überall moderne Triebwagen, in denen in der Regel Steckdosen genauso selbstverständlich sind wie kostenfreies WLAN und Toiletten.

Der Strom fürs Handy ist durchaus eine praktische Sache – nicht nur, weil den Geräten unterwegs schnell die Kraft ausgeht. Denn manches, was durch die Fenster der Züge wie ein überdimensionales Live-Fernsehen zu sehen ist, beeindruckt bei genauer Betrachtung so sehr, dass man es fotografisch festhalten möchte.

Das 9-Euro-Ticket zeigt uns die Schönheit der Landschaft

Nicht wenige Strecken sind landschaftlich ausgesprochen reizvoll, schlängeln sich etwa entlang von Flüssen oder führen quer durch kleinere und größere Gebirge. Wer einmal im gemäßigten Tempo entlang des Rheins von Mainz über Koblenz nach Bonn gefahren ist, überlegt sich bei der nächsten Gelegenheit vielleicht zweimal, ob die Hochgeschwindigkeitsstrecke aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Köln tatsächlich die bessere Wahl ist.

Und damit kommen wir zu der vielleicht größten Veränderung, die uns das Neun-Euro-Ticket bringen kann. Nämlich zu der Idee, dass Bahnfahren mehr sein kann als nur möglichst minutengenau einen Weg von A nach B zurückzulegen, die Zeit dabei möglichst produktiv am Tablet oder Laptop nutzend. Der Weg selbst wird zum Ziel.

So verliert dann auch die eine oder andere Verspätung an Bedeutung. Und wenn es an einer Stelle besonders schön ist: einfach aussteigen. Dank der Taktfahrpläne kommt selbst auf abgelegenen Strecken nach einer Stunde, vielleicht auch nach zwei Stunden der nächste Zug zum Wiedereinsteigen.

Mit dem 9-Euro-Ticket auf Tour: Was nicht fehlen darf

Wer mit der Bahn auf Tour geht, sollte einige Dinge dabeihaben. Wichtigstes Utensil ist die Smartphone-App „DB Navigator“. Hier lassen sich Verbindungen finden und die stets aktuellen An- und Abfahrtsdaten. Weil es in Regionalzügen kaum Speisewagen gibt, empfiehlt sich ein kleiner Vorrat an Essen und Getränken. Und natürlich die Ladekabel. Kinder freuen sich bei längeren Fahrten über etwas Abwechslung mit Kartenspielen.

Wie groß der Spaß mit der Sonderaktion am Ende wird, hängt entscheidend davon ab, wie viele Menschen sie nutzen werden. Schon vor dem Start geht die Zahl der verkauften Neun-Euro-Tickets in die Millionen. Deutsche Bahn und viele Verkehrsverbünde kommen aus dem Staunen über die starke Nachfrage kaum heraus. In Hessen ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund der größte Anbieter von regionalen Verkehren.

Dessen Geschäftsführer Knut Ringat berichtete am Dienstag alleine von mehr als 300 000 Verkäufen. Er vermutet daher, es könnte auf der einen oder anderen Fahrt eng werden. „Gerade im Ausflugsverkehr tun Sie sich und allen anderen einen Gefallen, wenn Sie entspannt bleiben und im Zweifel auch mal auf eine nachfolgende Fahrt warten“, riet Ringat. Für Wochenenden und Feiertage im Juni, Juli und August empfiehlt der Verbund, schon früh morgens zu starten und erst spät abends zurückzukehren.

Das 9-Euro-Ticket wird auch die Grenzen des Bahnverkehrs zeigen

Denn eines hat sich in den vergangenen Jahrzehnten leider zum Nachteil entwickelt: Mal eben zwei zusätzliche Wagen anzuhängen wie zu Zeiten der Silberlinge, geht heute fast nirgends mehr. Nicht nur, weil das nicht zum Konzept der Triebzüge passt. Zusätzliches Material steht kaum mehr bereit, um bei Engpässen auszuhelfen. Die meisten Verkehrsverträge, die die Verbünde schließen, sehen solche Reserven nicht mehr vor.

An besonders ausgelasteten Strecken würden zusätzliche Wagen auch gar nicht mehr an die Bahnsteige passen – denn die wurden leider bei Umbauten vielerorts verkürzt. Und für zusätzliche Züge fehlt auf den Gleisen fast immer schlicht der Platz. So wird dieser Großversuch ganz nebenbei auch zeigen, wie viel Kraft Deutschland noch in den Ausbau seines Bahnsystems stecken muss, wenn es künftig tatsächlich noch mehr Menschen dazu bewegen will, ihr Auto stehen zu lassen.

Eine interaktive Übersicht aller Bahnrouten in Deutschland findet sich im Internet unter der Adresse: strecken.info

Bahntouren mit dem Neun-Euro-Ticket

Bahntouren (1): Die große Flussfahrt - an Rhein, Mosel, Saar und Nahe. Zugegeben: Wer unsere Flusstour komplett fährt, ist einen großen Teil des Tages unterwegs. Aber das lohnt sich. Hier ist eine Strecke schöner als die andere. Und von Frankfurt aus mit nur zwei Umstiegen machbar.

Bahntouren (2): Mitten durch den tiefen Odenwald. Grün soweit das Auge reicht. Unendlich viele Wandermöglichkeiten. Und eine Strecke, die zum großen Teil denkmalgeschützt ist: die Odenwaldbahn. Mit Stopp in Heidelberg.

Bahntouren (3): Quer durchs Frankenland. Die Bahnstrecke von Frankfurt nach Bamberg ist so schön, dass sie wie von Tourismusbüros erfunden scheint.

Bahntouren (4): Mit dem Bähnchen in den Hunsrück. Viele Nebenstrecken sind in den vergangenen Jahrzehnten geschlossen worden. Wenigstens teilweise überlebt hat die Hunsrückbahn, die angeblich steilste Bahnstrecke Deutschlands.

Was ist Ihre Lieblingsstrecke? Die Frankfurter Rundschau schlägt Ihnen hier einige Bahntouren vor, die der Redaktion als besonders reizvoll erscheinen. Da das Neun-Euro-Ticket ganze drei Monate lang Zeit bietet, neue Gegenden zu erkunden, fragen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser: Was ist Ihre Lieblingsstrecke im Bahnverkehr? Und was finden Sie an ihr so reizvoll? Bitte schreiben Sie uns Ihre Vorschläge – am besten per E-Mail an die Adresse stadtredaktion@fr.de mit dem Stichwort „Meine Lieblingsstrecke“. Die Redaktion sammelt Ihre Einsendungen und stellt ausgewählte Ideen vor.

(Michael Bayer)

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