+
Bernd-Michael Land in seinem Tonstudio. Dort hat er die Mondlandung musikalisch auf alten Synthesizern inszeniert.

Musik

50 Jahre Mondlandung: Per Synthesizer zum 20. Juli 1969

  • schließen

Der Klangkünstler Bernd-Michael Land hat mit Synthesizern aus der Zeit der Mondflüge ein Album zur Apollo-11-Mission produziert.

Knöpfe, Skalen, Zeiger, Kabel, Schieberegler – der Kellerraum des Wohnhauses in Rodgau-Hainhausen wirkt wie die Kommandokapsel eines Raumschiffs. Da erscheint es fast logisch, dass der „Hausherr“, der freischaffende Klangkünstler Bernd-Michael Land, in diesem Ambiente zum Jubiläum „50 Jahre Mondlandung“ ein Album eingespielt hat. 500 CDs sind produziert.

Es war jedoch die Apollo-11-Mission selbst, die den Berufsmusiker zu diesem CD-Projekt inspiriert hat. Vor 50 Jahren saß der damals 15-Jährige nämlich 22 Stunden lang gebannt vor dem Fernseher, verfolgte den Funkverkehr und jeden einzelnen Schritt vor dem elterlichen Schwarz-Weiß-Fernseher.

Ein Ereignis, das den früheren Neu-Isenburger und heutigen Rodgauer nicht mehr losließ. 1970 kaufte er sich seinen ersten Synthesizer, 1974 brachte er sein erstes Album unter dem Pseudonym „Aliens-Project“ heraus. Und nun zum Jubiläum der Mondlandung eben elf Stücke auf einem Album mit dem Erdtrabanten auf dem Cover. Wobei die Stücke nicht nach den Phasen des bemannten Fluges benannt sind, sondern nach Mondkratern und Landestellen. Titel Nummer eins heißt somit – wie könnte es anders sein – „Mare Tranquilitatis“, dort, wo die ersten Menschen den Mond betreten haben.

Ein halbes Jahr lang hat sich Land in seinem Synthesizer-Keller verkrochen, um „Spacesounds aufzunehmen“, wie er sagt. Dafür hat er aber keine „Nasa-Samples“ benutzt, also Original-Funksprüche oder Raketengeräusche, die man im Internet herunterladen und in elektronische Musik einbauen könnte. „Zum einen darf man die nicht gewerblich nutzen, zum anderen sind sie ausgelutscht“, sagt er. Mit Klängen könne man die Spannung der Mondlandung genauso erzeugen, ist er überzeugt. Er brachte also 20 der rund 120 Synthesizer zum Einsatz, die in seinem Keller stehen. Vier der 20 benutzten Geräte sind aus den frühen 70ern - also fast so alt wie die Mondlandefähre. „Viele der Klänge auf der CD sind mit den alten Synthesizern produziert, um den Charme und den Charakter dieser Zeit einzufangen“, sagt Land. Damals gab es noch keine polyphonen Geräte, die mehrere Akkorde spielen können, sondern nur monophone Synthesizer, die nur einen Ton erzeugen können. Sie sind auf dem Album meist im Vordergrund zu hören, während die neuen Geräte im Hintergrund erklingen.

50 Jahre Mondlandung im TV: Alle Sendungen im Fernsehen und im Live-Stream

„Die Bauteile der alten Kisten haben eine große Toleranz“, sagt der 65-Jährige. „Sie verstimmen sich ständig, man muss sie jedes Mal neu einstellen.“ Die Albumproduktion hat ihn somit 700 Stunden Arbeit gekostet. „Mit den neuen Geräten allein wäre ich in der halben Zeit fertig gewesen“, sagt er. „Aber das alles soll ja echt und ehrlich sein.“ Schließlich höre ja auch der Laie, ob elektronische Musik aus den 70ern, 80ern oder 90ern stammt.

Entstanden sind nun eher düstere Sounds mit Echos, Hall- und Delayeffekten. Die Musik solle zum Denken anregen, sagt Land. „Wenn man die Augen zumacht, kann man beispielsweise die Mondlandung assoziieren, oder aber auch den Landeanflug zum Mond, der sich ewig hingezogen hat.“

https://bernd-michael-land.com

Lesen Sie auch

Verschwörungstheorien zur Mondlandung: Alles nur ein Fake im TV-Studio?

50 Jahre Mondlandung: Die ersten Worte auf dem Mond waren andere, als man denkt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare