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Offenbacher Hafen – von hier starten die Schiffe in die neuen hessischen Überseegebiete.
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Offenbacher Hafen – von hier starten die Schiffe in die neuen hessischen Überseegebiete.

Gut gebrüllt

Satirische Jahresvorschau 2021 aus dem hessischen Landtag: Die Milliarden der Ministerpräsidentin

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Hessens Landespolitik nutzt die Krise als Chance. Die satirische Jahresvorschau aus dem Landtag. 

Die Krise ist eine Chance. Wie oft hat man das in diesem Jahr gehört! Mal schauen, wer 2021 die Chance beim Schopfe packt. Das zeigt FR-Landtagskorrespondent Pitt von Bebenburg in seinem nicht ganz ernst gemeinten Ausblick auf die hessische Landespolitik.

Januar 2021: Die CDU wählt bei ihrem Bundesparteitag einen neuen Vorsitzenden. Friedrich Merz hat kurz zuvor angekündigt, das Rentenalter auf 80 Jahre heraufzusetzen. „Wer geimpft werden kann, kann auch arbeiten“, verkündet er. Jede und jeder müsse die gleiche Gesundheitsprämie bezahlen, egal wie viel er oder sie verdiene. Wenn das Geld nicht reiche, müssten eben ein paar Krankenhäuser schließen. „Wir haben sowieso zu viele“, stellt der Kandidat fest. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schlägt daraufhin vor, die CDU möge Jens Spahn zum Vorsitzenden wählen, obwohl der gar nicht antritt. So wird Spahn Parteichef.

Februar 2021: Irritationen in der „Querdenken“-Bewegung. Hat ein Organisator aus Stuttgart Dollarmillionen von Bill Gates bekommen, die für die Weltgesundheitsorganisation vorgesehen waren? Nutzt er seinen Einfluss, um im Auftrag der Superreichen bei Kindern Gehirnwäsche zu betreiben? Dokumente, die im Internet kursieren, erwecken diesen Eindruck. Zwar handelt es sich um offenkundige Fälschungen. Aber Teile der Anhängerschaft lassen sich nicht davon abhalten, den Unfug zu glauben. Sie gründen die „Quertreiben“-Bewegung, die sich nicht länger „von Querdenken gängeln“ lassen will. Ihre Ziele: nächtliches Maskenverbot, Öffnungspflicht für alle Läden von 0 bis 24 Uhr, Gehirnwäsche für alle. Der hessische Verfassungsschutz erklärt, er werde die Entwicklung genau verfolgen. Der Ex-Agent Andreas T., der in der Aufklärung rechtsextremer Verbrechen ausgezeichnete Arbeit geleistet habe, solle dafür reaktiviert werden.

2021: Die satirische Jahresvorschau aus dem Landtag in Hessen

März 2021: Bei den hessischen Kommunalwahlen gewinnen die hessischen Spuckschutz-Hersteller. Jedes Wahllokal wird mit dem Plexiglas ausgestattet. Schon 2020 hat die hessische Wirtschaft überraschend gute Jahreszahlen für 2020 vorgelegt, weil die Spuckschutz-Branche ihre Umsätze verzehnfachen konnte. Auch Hersteller von Spuckschutz-Halterungen, Desinfektionsmitteln, Desinfektionsmittelspendern und Schutzmasken glänzen mit hervorragenden Zahlen. „Hessen ist beim Spuckschutz vorn“, lobt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Der Spuckschutz sei „ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung Hessens“. „Die Krise ist für uns eine Chance“, fügt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hinzu. Das Ergebnis der Kommunalwahlen sei dagegen sekundär.

April 2021: Die ersten Weltunternehmen erklären den langfristigen Verzicht auf Geschäftsreisen. Fliegen sei zu teuer und schädige das Image. Onlinekonferenzen täten es auch. Die Zahl der Flugbewegungen am Frankfurter Airport schrumpft im zweiten Jahr in Richtung null. Flughafenbetreiber Fraport entschließt sich, die im Jahr 2011 eröffnete Nordwest-Landebahn abzureißen. „Wir wissen nicht, wer die Verantwortung für diese Fehlplanung trägt. Aber wir werden es herausfinden“, verspricht Flughafen-Chef Stefan Schulte. Man müsse auch fragen, warum Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) den Bau von Terminal 3 nicht verhindert habe. Die schwarz-grüne Landesregierung sieht nach der Entscheidung in Frankfurt beste Chancen für den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden. Mit einer Finanzspritze von 50 Millionen Euro wolle man ihm die Chance geben, Flüge aus Frankfurt zu übernehmen.

Hessen: Die Jahresvorschau 2021 aus dem hessischen Landtag

Mai 2021: Der Landtag beschließt das Corona-Sondervermögen II in Höhe von 25 Milliarden Euro. Vergeblich erheben die Oppositionsparteien Einspruch, da die Mittel von 12 Milliarden Euro aus dem ersten Sondervermögen nicht annähernd aufgebraucht sind. Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) erklärt, man wolle Planungssicherheit schaffen. Außerdem seien weitere 200 Stellen für die Öffentlichkeitsarbeit der Ministerien erforderlich, „weil die Menschen die Regierungspolitik nicht ausreichend verstehen“, erläutert der Minister. Nötig seien mehr Power-Point-Präsentationen und Werbefilme. Auch die Länge der Reden von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) müsse gesteigert werden. Dafür sei zusätzlicher personeller Aufwand unabdingbar.

Juni 2021: Die hessische Pflegeprämie, für die nur drei Milliarden Euro aus dem Corona-Sondervermögen aufgewandt werden müssen, lockt Tausende von Kranken- und Altenpflegekräften in das Land. Die neuen Arbeitskräfte werden von Massendemonstrationen mit „Nurses welcome“-Plakaten am Frankfurter Hauptbahnhof begrüßt. Die Arbeitszeiten der Pflegekräfte können durch den unverhofften Zuzug auf 20 Wochenstunden begrenzt werden. Friedrich Merz spricht von einem „völlig falschen Signal“. Er selbst habe zuweilen für läppische Tagessätze von 5000 Euro arbeiten müssen, manchmal sogar länger als acht Stunden am Tag.

2021 als Satire: Die Jahresvorschau aus dem hessischen Landtag

Juli 2021: CDU und Grüne beschließen im Landtag das Corona-Sondervermögen III in Höhe von weiteren 52 Milliarden Euro. „Sicher ist sicher“, erklärt Finanzminister Boddenberg. „Hauptsache, wir haben Planungssicherheit.“ SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser erinnert daran, wie harsch CDU und Grüne vor der Landtagswahl 2018 SPD-Forderungen nach rund drei Milliarden Euro mehr für den Wohnungsbau, die Kinderbetreuung und die Schulen abgebügelt hatten, weil sie „unbezahlbar“ seien. „Damals war das unbezahlbar, aber jetzt haben wir ja die Sondervermögen“, entgegnen die Spitzen der schwarz-grünen Koalition.

August 2021: Der schnelle Rückgang an Corona-Infektionen führt zu Begeisterung. Warteschlangen vor Theatern, Museen und Konzertsälen, die Restaurants und Bars sind Wochen im Voraus ausgebucht. Die „Quertreiber“-Bewegung spaltet sich. Die Gruppe „Querstellen“ hält die angeblich gesunkenen Zahlen für Fake und fordert eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum sowie nächtliche Ausgangssperren für Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Die Gruppe „Querschießen“ sieht den Beweis erbracht, dass die angebliche Krankheit nur erfunden wurde, um Hessens Wirtschaft von der Auto- zur Spuckschutz-Industrie umzubauen und damit in den Abgrund zu reißen.

September 2021: Die hessische AfD-Fraktion schrumpft auf fünf Abgeordnete, nachdem alle anderen rausgeworfen wurden. Schon 2020 hatte die AfD-Fraktion den Abgeordneten Rolf Kahnt ausgeschlossen, nachdem sie monatelang Buch über dessen angebliches Fehlverhalten geführt hatte. Nun taucht ein Konvolut von 20 000 Seiten auf, das Fehltritte aller ausgeschlossenen Abgeordneten enthält. So soll am 17. März um 12.17 Uhr ein Abgeordneter in der Kantine ertappt worden sein, wie er das gleiche vegetarische Menü wie eine Abgeordnete der Grünen bestellte. Eine Mitarbeiterin der Linken habe das gesehen, was das Ansehen der AfD in der Öffentlichkeit beschädige. „Solch ein asoziales Verhalten wird bei uns nicht geduldet“, erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Frank Grobe.

Das Super-Wahljahr 2021 als Satire: Das könnte 2021 in Hessen passieren

Oktober 2021: Nach der Bundestagswahl in Berlin ziehen die Grünen ins Kanzleramt ein, können sich aber nicht einigen, ob Annalena Baerbock oder Robert Habeck den Posten übernehmen sollen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bietet „im Sinne guter schwarz-grüner Zusammenarbeit“ an, seinen Posten für Baerbock zu räumen, „damit es endlich mal eine Ministerpräsidentin in Hessen“ gibt. Baerbock zieht daraufhin nach Bad Zwesten-Oberurff auf den Bauernhof des hessischen Grünen-Politikers Martin Häusling und pendelt mit dem Elektrotrecker nach Wiesbaden.

November 2021: Die Wohnungsnot in Hessen ist besiegt. Die Landesregierung hat die Finanznot im Corona-gebeutelten Frankreich genutzt und für acht Milliarden Euro aus dem Corona-Sondervermögen die französischen Überseeinseln Guadeloupe und Martinique erworben. Die hessische Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte errichtet dort in kurzer Zeit 400 000 neue Wohnungen. Wirtschaftsminister Al-Wazir nennt das Programm „Mega Frankfurter Bogen“ – in Anlehnung an seinen „Großen Frankfurter Bogen“ rund um die Mainmetropole. Zum „Mega Frankfurter Bogen“ zählen alle Orte, die in weniger als 30 Tagen mit dem Schiff vom Offenbacher Hafen erreichbar sind. Hessinnen und Hessen erhalten auf den Karibikinseln Vorzugskonditionen. Hessische Arbeitgeber sind verpflichtet, den Auswanderern die Arbeit per Homeoffice zu ermöglichen. Die Immobilienpreise im Rhein-Main-Gebiet sinken um die Hälfte, die Mieten ebenfalls. Baerbock verlegt die Staatskanzlei von Wiesbaden nach Basse-Terre, der Hauptstadt von Guadeloupe. „Grün wirkt“, stellt sie fest.

Jahresvorschau 2021: Das politische Jahr in Hessen als Satire

Dezember 2021: Die Gruppe „Querstellen“ spaltet sich. Eine Mehrheit behauptet, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gebe. Eine Minderheit spaltet sich als „Die Querulanten“ ab. Sie haben herausgefunden, dass der Klimawandel doch von Menschen gemacht wurde, und zwar von Bill Gates, um die Welt ins Chaos zu stürzen. Mit seinen Klimabehauptungen habe Gates Deutschland gekapert, Angela Merkel zu seiner Sklavin gemacht und das hessische Volk unterjocht. Annalena Baerbock sei ein Avatar, der im Silicon Valley hergestellt worden sei, um den Widerstand in Hessen zu brechen.

Januar 2022: Finanzminister Boddenberg setzt die Haushaltsanträge der SPD für 2020 um. Er macht drei Milliarden Euro frei für Krankenhäuser, Schulen und Kitas. Trotzdem legt er einen Landeshaushalt ohne neue Schulden vor, da alle notwendigen Ausgaben lässig aus Corona-Sondervermögen gedeckt werden können. „Falls nicht, könnten wir immer noch mit der Bazooka nachlegen“, kündigt Boddenberg ein Sondervermögen IV an. Ministerpräsidentin Baerbock unterstützt ihn. Hessen sei bereit, die Wirtschaft mit Milliardenzuschüssen anzukurbeln durch den Bau eines neuen Terminals am Kasseler Flughafen, einem Spuckschutz-Förderprogramm sowie Wohnungsbau mit hessischen Handwerkern auf den Inseln Spiekeroog und Curaçao. Während vor dem Landtag zwölf Abspaltungen der „Querdenken“-Bewegung gegeneinander protestieren, spricht die Ministerpräsidentin im Saal große Worte gelassen aus: „Wer in der Krise spart, verpasst die Chancen der Krise.“ (Pitt v. Bebenburg) Klage gegen Rektorenberufung - Innenminister Beuth sieht sich im Recht

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