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Essensausgabe der Tafel in der Gaststätte Chango.
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Essensausgabe der Tafel in der Gaststätte Chango.

Bedürftige

20 Prozent mehr Kundschaft für die Tafeln

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Pandemie sorgt für neue Bedürftigkeit. Viele sind auf billige Lebensmittel angewiesen.

Die Kunden und Kundinnen der Wiesbadener Tafel können wegen der Corona-Vorschriften die Lebensmittel nicht mehr nach ihrem Geschmack aussuchen. Sie erhalten vorgepackte Tüten. Es gibt Tüten für Vegetarier, für Musliminnen und für Menschen, die alle Fleisch- und Milchprodukte essen. Auf individuelle Vorlieben kann keine Rücksicht genommen werden.

„Das ist die einzige Möglichkeit, die Tafel in der Pandemie offen zu lassen“, erklärt Ruth Friedrich-Wurzel, Vorsitzende der Wiesbadener Tafel. Denn so reduzierten sich die Kontakte. Für die Ehrenamtlichen bedeutet das zwar sehr viel mehr Arbeit. Das Packen der Tüten nehme jetzt jeweils einen Extra-Tag in Anspruch, so Friedrich-Wurzel. Zum Glück gebe es genügend Ehrenamtliche, die gerne helfen; in Wiesbaden seien es rund 200.

Der neue Verteilmodus ist Teil des Hygieneplans und mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Außerdem müssen die Kunden außerhalb der früheren Stephanuskirche am Elsässer Platz, wo die Ausgabestelle ist, anstehen, bis sie an der Reihe sind.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln von der Wiesbadener Tafel ist aktuell gewachsen. „Seit Oktober kommen 20 bis 30 Kunden im Monat dazu“, sagt Friedrich-Wurzel. Für die Vorsitzende ein Zeichen dafür, dass die pandemiebedingte Not bei den Menschen ankommt. Da einige der Stammkund:innen aus Angst vor Ansteckung den Weg zur Tafel scheuten, könnten jetzt Neue aufgenommen werden. Die Altkund:innen dürften aber jederzeit wiederkommen.

In Gießen werden weniger Menschen mit Lebensmitteln versorgt als vor der Pandemie. „Jetzt bedienen wir 800 Haushalte, vorher waren es 850“, berichtet Organisationsleiterin Anna Conrad. Da die Ehrenamtlichen, die die Produkte auf die Kisten verteilen, ausreichend Abstand zueinander halten müssen, musste wegen der beengten Räume die Zahl der Helfer:innen auf acht pro Schicht begrenzt werden. Sie müssen jetzt mehr arbeiten, um das Pensum zu bewältigen.

Die Kasseler Tafel bedient jetzt auch weniger Kund:innen als vor Corona. „Die Menschen müssen jetzt auf der Straße Schlange stehen. Vielleicht bleiben einige weg, weil sie sich schämen“, vermutet Jutta Gurtmann von der Tafel Kassel. Die Ausgabestelle liegt in der Holländischen Straße, einer Straße mit viel Betrieb.

Die 57 Tafeln in Hessen verzeichneten durchschnittlich einen Kundenanstieg von bis zu 20 Prozent, sagt der Landesvorsitzende Willi Schmid auf Nachfrage. Dennoch bleibe die Zahl der aktuellen Lebensmittelausgaben etwa gleich hoch. „Von den Stammkunden bleiben 15 bis 20 Prozent weg, aber in der gleichen Höhe melden sich neue Menschen an“, erklärt er. Wenn die Altkund:innen nach der Pandemie wiederkommen, müssen mehr Menschen als zuvor versorgt werden. „Corona bewirkt, dass das Bewusstsein über den Wert der Tafelarbeit gestiegen ist“, sagt Schmid. Im ersten Lockdown hatten auch die Tafeln geschlossen. Wer zu Hause für mehrere Personen habe kochen müssen, habe die Lücke im Portemonnaie gespürt.

Jede Woche dürfen die registrierten Kunden, die ihre Bedürftigkeit amtlich nachweisen, Lebensmittel im Wert von etwa 50 Euro für den Preis von einem oder 1,50 Euro mitnehmen, monatlich also Waren für 200 Euro. Hessenweit versorgen die Tafeln 30 000 Bedarfsgemeinschaften, das sind etwa 100 000 Menschen. Die Lebensmittelspenden betrugen 2020 rund 20 Tonnen.

Schmid berichtet, dass die Tafeln 2020 einen leichten Spenden-Rückgang verzeichneten. In der Weihnachtszeit sei weniger Geld eingegangen. Die Spenden von Unternehmen seien rückläufig, während Privatleute genauso großzügig seien wie vorher. Dank der 1,25 Millionen Euro Unterstützung der Landesregierung seien die Tafeln nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Miete, Strom und anderes müsse ja gezahlt werden. Aber die Zukunft macht Schmid Sorgen. Laut einer Umfrage sehen sich die Unternehmen 2021 gezwungen, 20 bis 25 Prozent weniger Geld zu spenden.

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