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In Sektoren und Gruppen wurde am Samstag der sturmgeschädigte Waldabschnitt am Schützenhaus in Dreieichenhain „aufgeräumt“.

Dreieich

150 Bürger wollen den Wald aufforsten

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Idee eines Vaters löst in Dreieich eine Welle des Engagements aus: 150 ehrenamtliche Helfer räumen Sturmholz aus dem Wald, damit 1800 gespendete Bäume gesetzt werden können.

Dass seine Idee einmal so groß wird, hätte sich der Dreieicher Jürgen Graf nie träumen lassen: 150 Bürger fanden sich kürzlich zusammen, um im Wald kräftig mit anzupacken, damit im Dezember mehr als 1800 gespendete Bäume gesetzt werden können. Sie sollen auf Flächen wachsen, die im August vorigen Jahres dem Sturm zum Opfer gefallen sind. Das Projekt soll weit mehr sein als „nur“ die Aufforstung der verwüsteten Areale: Brut- und Nistplätze, Naturlehr- und Barfußpfad, Geocaching-Wanderweg, Projekte mit Kindern, Waldpädagogik-Seminare sowie Kunstobjekte im Wald sind nur einige der Visionen. Am heutigen Freitag und am Samstag gehen die Arbeiten in kleiner Mannschaft im Wald weiter.

Alles begann im März, als Jürgen Graf und seine Familie heftig an Corona erkrankten. In der Quarantäne erfuhren sie viel Zuspruch und Hilfe. „Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Dank für so viel Unterstützung zum Ausdruck bringen kann“, sagt er. Als die 302. Dreieichenhainer Kerb coronabedingt im Stillen gefeiert werden musste, kam Graf die Idee, 302 Bäume in einem Corona-Gedächtnis-Wald zu pflanzen – als Erinnerung an die ausgefallene Kerb. Er ist nämlich selbst ein „Haaner Kerbborsch“. Jeder interessierte Kerbborsch sollte zum Preis von zehn Euro einen Namensbaum erwerben können. Das Projekt sollte sich so selbst finanzieren.

Auch die Schlepperfreunde und rund 30 Kettensägenführer legten Hand an.

Das Waldstück war zusammen mit dem zuständigen Förster Stefan Neubrandt vom Forstamt Langen schnell gefunden: Nahe dem Haus der Schützengesellschaft Dreieichenhain hatte der Sturm im August kräftig gewütet. Bei der Begehung wurde jedoch schnell klar, dass es viele helfende Hände braucht. Und so wurde die Nachricht per Whats-app verteilt – und dann war die Welle nicht mehr aufzuhalten. Aus ursprünglich angedachten 25 Helfern wurden 150 Helfer, aus 302 Bäumen mehr als 1800. Darüber hinaus regnete es Geldspenden, so dass auch Haselnuss- und Holundersträucher sowie Wildrosen als Unterholz gepflanzt werden können.

„Wir wollen dem Wald unter die Arme greifen“

Die Initiative Haaner Kerbborsche (HKB) Waldfreunde wurde gegründet, ein 16-köpfiges Organisationsteam hat den Hut auf. „Wir wollen dem Wald unter die Arme greifen“, sagt Graf. Er könne sich zwar auch selbst erneuern, aber „es dauert halt lang, bis eine Eichel angeht“. Außerdem solle der Wald umgestaltet werden: Statt Nadelwald wird Mischwald gepflanzt. Am Mittwoch besprach sich Graf mit dem Förster, welche Bäume gesetzt werden. Fünf heimische Baumtypen wurden definiert: Eiche, Hainbuche, Winterlinde, Esskastanie und Wildkirsche. „Alles Sorten, an denen auch Tiere partizipieren können.“

Dünnere Baumstücke und Äste wurden zu Holzstößen aufgeschichtet. Die Helfer dürfen sich Brennholz mit nach Hause nehmen.

Auf dem 7500 Quadratmeter großen Areal, das die vielen Ehrenamtlichen am Samstag von Müll und Totholz befreiten, können nur rund 600 Bäume angepflanzt werden. Das Forstamt wies den Waldfreunden deshalb am Mittwoch noch ein 10 000 Quadratmeter großes Waldstück an der Koberstädter Straße zu, das wie das erste Areal der Stadt gehört. „Da hat es wirklich alle Bäume zerlegt“, sagt Graf. Bevor dort jedoch die restlichen 1200 Bäumchen gesetzt werden können, müssen Unkraut und Brombeersträucher entfernt werden – und dafür braucht man demnächst wieder Helfer. Die verschärften Corona-Bestimmungen könnten den Waldfreunden allerdings noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Heute und morgen schreddern ein paar Mitglieder im Wald am Schützenhaus Haufen von Totholzästchen, die am Wegesrand aufgeschichtet sind. Die Holzschnitzel werden dann über den Waldboden verteilt, verrotten und liefern Nährstoffe. Außerdem bauen sie aus dem Totholz Unterschlupf für Tiere.

Auch Jugendliche und Kinder packten im Wald mit an.

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