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15-Minuten-Takt kommt wohl nicht vor 2030

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Auf die Gleise gesetzt - hier vor dem Kelkheimer Bahnhof - wurde die Studie. Nun werden öffentliche Infos folgen müssen.
Auf die Gleise gesetzt - hier vor dem Kelkheimer Bahnhof - wurde die Studie. Nun werden öffentliche Infos folgen müssen. wein © Weiner

Machbarkeitsstudie nicht-öffentlich vorgestellt

Kelkheim/Liederbach - Das bleibt nicht aus: In einer nicht-öffentlichen Sitzung wurde die Machbarkeitsstudie zur Taktverdichtung auf der Regionalbahn-Linie 12 den politischen Mandatsträgern aus den Fachausschüssen von Kelkheim, Liederbach und dem Main-Taunus-Kreis vorgestellt. Information gab es danach nicht. Und schon schießen die ersten Spekulationen ins Kraut.

Gabriele Franz aus dem Vorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Kelkheim-Liederbach hat zum Beispiel gehört, dass die Umsetzung der Studie 43 Millionen Euro kosten soll. Das sei eine „erschreckende“ Zahl, findet sie - und es werfe die Frage auf, ob da Fördergelder eingeschlossen sind und die Taktverdichtung dann überhaupt noch umsetzbar sei. Auch werde nun spekuliert, ob der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ausreichend Züge mit dem neuem Wasserstoff-Antrieb geordert habe. Sie sollen im Dezember die alten Fahrzeuge ersetzen. Nur ergebe dieser Wechsel bei den oft vollen Bahnen weniger Sinn, wenn weiter kürzere Züge zum Einsatz kommen, überlegt Franz, die sich nun eine öffentliche Information erhofft. Ebenso wie Rainer Brestel, Vorsitzender der Vereinigung Kelkheimer Selbständiger, die mit dem BUND um den Kurztakt kämpft. „Ich würde mich freuen, wenn eine Perspektive aufgezeigt wird.“ Das „Neun-Euro-Ticket“ habe das Interesse an der Bahn gezeigt. Ein Fünf-Jahres-Horizont wäre wünschenswert.

Auf die konkreten Gerüchte wollen die Verantwortlichen nicht so ganz eingehen. Eine Größenordnung im mittleren zweistelligen Millionenbereich sei aber realistisch, sagen Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner und ihr Kelkheimer Kollege Albrecht Kündiger. Er nennt konkret eine andere Zahl: Rund zehn Millionen Euro würde es kosten, den Bahnhof Kelkheim-Mitte so umzubauen, dass die Taktverdichtung umsetzbar und er zukunftsfähig ist. Also auch mit einer von Studenten vorgeschlagenen Unterführung für Radfahrer und Fußgänger. Denn die Studie, die Stefan Tritschler vom VWI Verkehrswissenschaftlichen Institut und Matthias Laug von DB Engineering & Consulting der Politik präsentierten, habe deutliche Weichen gestellt: Der 15-Minuten-Takt von Frankfurt ist bis zum Bahnhof Kelkheim-Mitte geplant. Um die Bahnen dort wieder auf die Rückfahrt vorzubereiten, sei ein drittes Gleis notwendig. Damit sei auch eine parallele Untersuchung widerlegt worden, die keine dritte Spur gesehen hat, stellt Kündiger klar. Insgesamt macht er deutlich: Die Studie habe das Kosten-Nutzen-Verhältnis aufgezeigt und dass es sich lohne, „diese Sache weiter zu verfolgen“. Der RMV und die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) hätten ebenso ihre Bereitschaft signalisiert. Aber Kündiger weiß spätestens jetzt auch: „Da brauchen wir Geduld.“ Mal eben zwischendurch weitere Züge fahren zu lassen, so einfach sei es nicht.

Wunsch nach breiterer Bürgerinformation

In Liederbach zum Beispiel ist das zweite große Umbau-Vorhaben nötig. Dort muss ein Ausweich-Gleis geschaffen werden. Ausgerechnet rund um den Bahnhof Liederbach-Süd, wo zwei neue Baugebiete beplant werden. Doch die Flächen dafür seien in den Plänen und mit den Investoren schon berücksichtigt worden, sagt Söllner. Zudem sei das ja letztlich eine Maßnahme der Bahn, weiß die Bürgermeisterin mit Blick auf die Kosten.

Söllner und Kündiger betonen beide, der nächste Schritt müsse schon eine Information der Öffentlichkeit über die Studie sein. Dass hinter den Kulissen der Startschuss gegeben wurde, finden sie trotz Kritik in Ordnung. Das sei dann nämlich erst einmal ohne politische Aussagen sehr konstruktiv passiert, so Kündiger. Zudem seien auch formale Wege einzuhalten, sagt Söllner. Die beiden Rathauschefs kündigen aber bereits an, dass es politische Beschlüsse der jeweiligen Gremien in den betroffenen Kommunen geben müsse. Möglichst „gleichlautend“, sieht Söllner Liederbach und Kelkheim hier an einem Strang ziehend.

MTV-Geschäftsführer Roland Schmidt möchte sich hingegen noch nicht über den Inhalt der Studie äußern. Die Veranstaltung sei sehr gut und konstruktiv gewesen, kleine Anregungen könnten noch einfließen, so dass der Schlussbericht der Planer demnächst an RMV und MTV als Auftraggeber sowie die Kommunen gehe, hat er einen ähnlichen Eindruck wie die Bürgermeister gewonnen. Schmidt nennt die Taktverdichtung der RB 12 als eines der drei großen Verkehrsvorhaben im Main-Taunus-Kreis neben der „Regionaltangente West“ und der „Wallauer Spange“. Sie alle hätten einen ähnlichen Zeithorizont mit Start etwa 2030, die Tangente vielleicht früher.

Eine Zahl, die viele Pendler nicht gerne lesen werden. Denn so mancher hat mit einer einigermaßen zeitnahen Umsetzung gerechnet. „Ich möchte es bis 2030 realisiert haben. Das ist realistisch“, betont Kündiger und fügt an: „Es ist klar geworden, dass das alles wesentlich komplizierter ist.“ Auch Kollegin Söllner sieht das so, sie vertraut nun auf die im Dezember auf den Gleisen erwartete Wasserstoff-Flotte. Diese Wagen seien länger und komfortabel, um erste Probleme zu lösen. Dass es Liefer-Engpässe gebe, haben die Bürgermeister nicht mitbekommen.

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