Gut gebrüllt

1001 digitale Linden

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Was unterscheidet Hessens Minister von denen des Bundes? Die Kolumne der Frankfurter Rundschau aus dem hessischen Landtag.

Diese Woche startete gleich mit einer wichtigen Nachricht: Wissenschaftsministerin Angela Dorn hat sich mit Corona infiziert und befindet sich in häuslicher Isolation. Die zuständigen Gesundheitsämter stellten ihre Parteifreunde Tarek Al-Wazir und Kai Klose unter Quarantäne. Beide wurden einmal negativ getestet. Alle drei Grünen führen ihre Amtsgeschäfte jetzt von zu Hause.

Dorn teilt ihr Schicksal mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Auch der CDU-Mann wurde positiv getestet. Auch er hatte an Beratungen mit Kolleg:innen teilgenommen. Doch anders als in Hessen muss in Berlin kein weiteres Kabinettsmitglied in Quarantäne. Für die Bundesregierung scheinen andere Kriterien zu gelten als für die hessische. Liegt es am Bundesland? Sind die wichtiger? Oder sind unsere disziplinierter? Fragen über Fragen.

Auch beim Profifußball gelten andere Prioritäten. Unverständlich bleibt, dass das Team des FC Bayern am Mittwoch in die Champions League starten durfte, das mit dem Starspieler Serge Gnabry trainiert hatte, der kurz danach positiv getestet wurde. Bayern – wo doch der Corona-Hardliner Söder regiert. Muss frau das kapieren?

Die drei grünen Minister haben jedenfalls Knall auf Fall mehr Zeit gehabt. Keine Außentermine mehr, keine Autofahrten zu irgendwelchen Treffen. Stattdessen jede Menge Telefonate und Videokonferenzen. Geht auch. Und es gibt ja auch noch Staatssekretär:innen. Wenn alles gutgeht, kehren zumindest Al-Wazir und Klose am Dienstag wieder an ihre Schreibtische in Wiesbaden zurück. Es ist ihnen zu wünschen. Und in Hessen ist in dieser Zeit nicht die Anarchie ausgebrochen.

Es gab auch eine freudige Nachricht, die kaum Beachtung fand: Hessens tausendste „Digitale Dorflinde“ steht. Nein, das ist kein Schreibfehler. Ein ganzes Förderprogramm ist nach dem Baum benannt. Hört sich besser an als öffentlicher WLAN-Hotspot. Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus hat ihn bei der Gedenkstätte Point Alpha in Rasdorf in Betrieb genommen und mitgeteilt: „Ein besonderes Jubiläum gibt Anlass zur Freude.“ Für derlei Jubelarien sieht SPD-Abgeordneter Jan Kaffenberger keinen Grund: Ohne schnellen Internetanschluss nutzten selbst 1000 digitale Linden nichts. „Seit es das Digitalministerium gibt, ging es leider beim Stand des Breitbandausbaus im Länderranking stetig bergab.“

Die derart gescholtene Sinemus lässt sich nicht beirren. Sie hat schon 1001 „Digitale Dorflinden“ gepflanzt. Beim selben Termin. Point Alpha hat gleich zwei Hotspots bekommen. 1001 Hotspots. Märchenhaft.

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