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Wandel zwischen Welten: Wolfgang Joop gehört zu den wenigen Designern in Deutschland, die auch Räume einkleiden.

Wohndesigns

Wenn Modedesigner Möbel machen

Die einen nutzen die Strahlkraft ihrer Marke, um neues Terrain zu erobern, die anderen ziehen ihren Wohnräumen das an, was auch sie gerne tragen. Die Ausstattung der Wohnung mit Accessoires verschmilzt mit dem Kleidungsstil.

Dass ein Modedesigner auch Möbel entwerfen kann, wundert nicht: Ein guter Gestalter ist oft eine Art Universaldesigner. „Und Marketing ist ja nichts Schlimmes“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. Er findet es selbstverständlich, dass Hersteller die Reichweite ihrer Marken ausreizen wollen. „Mode ist ebenso Lifestyle wie Inneneinrichtung, und wenn eine ganze Palette von Lifestyles bedient werden kann, ist das natürlich ideal.“

Und so findet man auch in den Läden der Modekette H&M Wohnaccessoires wie Gardinen, Kissen und Decken, deren Streifen-, Blumen- oder Blättermuster zu den aktuellen Modekollektionen passen. Vom Duschvorhang bis zum Retro-Wäschesack bleibt kaum etwas außen vor. „Wenn man die Kunden bereits zum Kleiderkauf im Laden hat, wird man auch versuchen, ihnen andere Dinge zu verkaufen“, sagt Peggy Kastl, Innenarchitektin in Rostock im Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA).

Die Anzahl der Modelabels, die für dieses Zweitgeschäft überhaupt infrage kommen, sei aber beschränkt, meint Müller-Thomkins. Speziell der deutsche Markt hinke hinterher, und nur wenige besäßen ein so klares Profil, dass sie einen Stil glaubwürdig und authentisch vertreten könnten. „Die Fashionmarke muss sich in diesem Lifestyle spiegeln, nur dann lässt sich ihre DNA auch auf den Möbelbereich übertragen - in Form, Farbe und Silhouette.“

Dort können dann jene abgeholt werden, die auf Bewährtes setzen. „Marken sind ein Vertrauensanker“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. „Gerade Männer sind beim Möbelkauf daher sehr markenorientiert“, hat sie beobachtet.

Die großen Designer aus Italien, Frankreich oder den USA bedienen das schon lange. Ein Blick in deren aktuelle Kollektionen zeigt, wie abgestimmt ihre Mode- und Einrichtungslinien aufeinander sind: Die strenge Geometrie von Armanis schwarzem Overall mit V-Ausschnitt korrespondiert mit den harten Faltenkanten eines Paravents, Versaces neuer retro-futuristischer Leder-Ohrensessel mit einer Chiffonbluse und Plateaupumps.

Etro bringt einen funkelnden Seidenrock mit einem floral bedruckten Hocker zusammen und Hermès hat Möbel und Kleidung gleichermaßen aus Leder in warmen Brauntönen.
Ralph Lauren, Pionier der möbelmachenden Modedesigner, setzt sich mit uramerikanischen Themen auseinander: Er kreierte eine schick angefetzte Flickenjeans zum Baumwollhemd. Passend dazu bietet er einen Kuhfellteppich und einen Fledermausstuhl aus Leder und Leinen an, die an Cowboy-Pferdesättel und Rinderfarmen denken lassen.

In Deutschland ist Wolfgang Joop noch einer der wenigen Modemacher, die zwischen den Metiers wechseln. Seine Wiener Möbellinie platziert sich zwischen moderner Schlichtheit und dezent ornamentalem Neo-Biedermeier. Beim Entwurf bezog sich Joop auf die Form einer Muschel, was sich in keck geschwungenen Kopfteilen von Bett und Hochlehnern niederschlägt. (dpa)

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