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Mietkaution:

Für welche Mieter sich eine Bürgschaft lohnt

Wer beim Umzug nicht genug Geld für die Kaution hat, kann auch eine Mietkautionsbürgschaft abschließen. Doch der Service der Anbieter verursacht Kosten, insbesondere auf längere Sicht. Die Policen lohnen sich daher nicht für alle Mieter.

Der Umzug in eine neue Wohnung ist meist stressig und vor allem teuer. Kosten für Renovierungen, die neue Einrichtung oder den Möbeltransport fallen an. Hinzu kommt meist noch die Mietkaution für den neuen Vermieter. Da erscheint die Möglichkeit einer Bürgschaft eine gute Option. Denn so spart mal als Mieter erst einmal Geld. Doch ist diese Variante immer vorteilhaft, und für welche Mieter lohnt sie sich?

Die meisten Vermieter verlangen beim Einzug in der Regel eine Mietkaution. Bis zu drei Nettomieten sind gesetzlich erlaubt - entweder in Bar, oder auf einem Sparkonto. Dieses kann mit Sperrvermerk vom Vermieter eingerichtet werden, nachdem der Mieter ihm das Geld überwiesen hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Mieter ein Sparbuch mit dem Kautionsbetrag eröffnet, und es dann dem Vermieter verpfändet. Auch die Mietkautionsbürgschaft ist eine Möglichkeit. Hierbei bürgt meist ein Versicherungsunternehmen für die Ansprüche des Vermieters aus dem Mietvertrag. Anstelle der Barkaution erhält der Vermieter hier eine Bürgschaftsurkunde der Versicherung. Seit einigen Jahren bieten sogenannte Kautionskassen diese Alternative für Mieter an, die sich die Zahlung der Mietkaution sparen wollen, oder denen schlicht das Geld fehlt. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, sollte jedoch zunächst gründlich überdacht werden.

Hohe Kosten bei langer Mietdauer

Der Service ist natürlich nicht umsonst, schließlich wollen auch die Versicherungen damit Geld verdienen. Je nach Anbieter fallen etwa 4 bis 5 Prozent der Kautionssumme als Gebühr an. Da der Beitrag jährlich anfällt, können sich die Kosten gerade bei langer Nutzung über die Jahre summieren. Daher ist es bei längerer Mietdauer im Zweifel günstiger, die Police aufzulösen und durch eine Barkaution zu ersetzen. Eine Kündigung der Versicherung ist laut Angaben der Anbieter jederzeit problemlos möglich, wobei der Vermieter jedoch zunächst die Freigabe erteilen muss. Zu bedenken ist auch, dass es sich im Grunde nicht um eine Versicherung handelt, die für einen Schaden aufkäme, wie etwa eine Haftpflichtversicherung. Nach Ende des Mietverhältnisses muss sich zwar der Vermieter mit möglichen Forderungen direkt an die Versicherung wenden. Jedoch wird diese dann auf den Mieter zukommen, und das Geld von ihm zurückverlangen. So hat man als Mieter zwar die Vorleistung der Mietkaution gespart, zahlt aber im Endeffekt alle entstehenden Ansprüche des Vermieters zuzüglich der jährlichen Kosten. „Die für die Bürgschaft gezahlten Beiträge bekommt der Mieter nach dem Auszug nicht zurück. Zinsen gibt es auch nicht“ so Stiftung Warentest.

Der Zugang für Mieter ist einfach

Im Grunde handelt es sich daher bei der Kautionspolice um eine bezahlte Bürgschaft. Statt einer natürlichen Person bürgt hier ein Unternehmen für die Mietzahlungen, und verlangt dafür jährliche Beiträge. Im Vergleich mit einem Kredit ist die Mietkautionsversicherung unter Umständen günstiger und schneller zu bekommen. "Die meisten Angebote gibt es im Netz, wo jeder unkompliziert einen Vertrag abschließen kann“, wie Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Hamburger Mietervereins erklärt. Allerdings wird auch hier eine Bonitätsprüfung über die Schufa durchgeführt. Das heißt, wer nicht kreditwürdig ist, für den fällt auch die Möglichkeit der Mietkautionsbürgschaft flach.

Vermieter haben bei Inanspruchnahme Bedenken

Auch Vermieter sind nicht immer mit der Bürgschaft einverstanden. Akzeptiert sie der Hausherr nicht, kann sie der Mieter auch nicht nutzen. Im Schadensfall werden die Ansprüche aus dem Mietvertrag vor einer Auszahlung von der Versicherung formell geprüft. "Bei Vermietern ist die Bürgschaft deshalb nicht sehr beliebt, weil sie schwer verwertbar ist", erklärt Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein (DAV) in Berlin. Bei einer Barkaution oder einem verpfändeten Sparbuch entscheidet dagegen der Vermieter selbst über die Forderung, und hat leichteren Zugriff auf das Geld. Aus letztgenannten Gründen kann die Barkaution für den Mieter wiederum auch nachteilig sein. Nämlich dann, wenn der Vermieter das Geld nicht vorschriftsmäßig angelegt hat, und sich missbräuchlich daran bedient. Ein wichtiger Vorteil der Bürgschaft für den Mieter ist daher, dass die Zweckentfremdung seiner Mietkaution ausgeschlossen ist, da der Vermieter nicht unmittelbar Zugriff auf das Geld hat.

Vor- und Nachteile sollten gut abgewägt werden

Bevor man sich dafür entscheidet, sind alle Vorteile und Nachteile einer Mietkautionsbürgschaft in jedem Fall individuell abzuwägen. Falls man ein längeres Mietverhältnis plant, sind andere Varianten in jedem Fall preisgünstiger. Ist das Geld jedoch kurzfristig knapp, kann die bargeldlose Mietkaution eine mögliche Alternative sein, wie Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund ausführt. „So kann eine Bürgschaft günstiger sein als der Dispo-Zins der anfällt, wenn man das Konto überzieht.“

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