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Gartenplanung

"Mehr Stauden"

Gartenplaner Johannes Windt gibt Tipps, was man bei der Gestaltung seines Gartens beachten sollte. Der studierte Garten- und Landschaftsplaner bietet seine Dienstleistungen deutschlandweit an mit Hilfe eines Netzwerks von Gartenplanern an über 40 verschiedenen Standorten in Deutschland.

Herr Windt, angenommen ich komme als Kunde zu Ihnen und möchte meinen Garten schöner gestalten. Was würden sie mir empfehlen? Wie fange ich am Besten an? 

Am Anfang einer jeden Gartengestaltung sollte eine Planung erarbeitet werden, auf der der fertige Zustand ersichtlich ist. Diese Zielvorstellung kann auf einmal oder schrittweise umgesetzt werden. Es ist sehr wichtig, eine sinnvolle Struktur in die Entscheidungsfindung zu bringen, und zwar vom Groben ins Detail. Dazu steht an erster Stelle ein „Brainstorming“, um sich über die eigenen Wünsche genauer im Klaren zu werden und darüber, in welchem Stil der Garten gestaltet werden soll. Vielfach werden in Zeitschriften und Fernsehsendungen Ideen gesammelt und wahllos miteinander kombiniert. Viel charakterstärker wird der Garten jedoch bei der gezielten Ausrichtung auf ein bestimmtes Gestaltungsthema, wie zum Beispiel „modern“, mediterran“ oder „fernöstlich“. 

Gibt es denn eine Art Patent-Rezept, mit dem ich grundsätzlich richtig fahre? 

Jeder Kunde und jedes Grundstück sind anders und deshalb auch die „Gestaltungs-Rezepte“. In diesem Bereich spielen gerade die Ästhetik und der persönliche Geschmack eine besondere Rolle. Deshalb ist es für mich als Planer besonders wichtig, die Wünsche meiner Kunden und ihren Geschmack kennen zu lernen. Schließlich sollen sie in seinem Garten auch immer etwas von „sich selbst“ wiederfinden. Natürlich gibt es aber ein paar grundsätzliche Gestaltungsregeln, die man bei der Planung beachten sollte, beispielsweise bei der Raumaufteilung und der Anordnung der Hauptelemente. Eine Terrasse sollte möglichst so ausgerichtet sein, dass man abends noch die Sonne genießen kann. Ist das aufgrund der Lage der Terrasse am Haus nicht möglich, kann man an zweiter Stelle im Garten eine weitere, kleinere Terrasse als Abendsitzplatz einrichten. Hierzu reichen 4-8 qm völlig aus. Einen Bistro-Tisch und zwei Stühle hingestellt und schon schmeckt das Weizenbier am Abend. Was die Ausmaße der Haupt-Terrasse angeht, kann eine Terrasse nie zu groß sein – nur zu klein. Eine Tiefe von mindestens 3,60 bis 4,40 Metern ist erforderlich, damit man eine komplette Tischgruppe integrieren kann und gleichzeitig hinten bequem mit einem Tablett vorbeikommt. In der Breite arbeitet man für gewöhnlich mit fünf bis zehn Metern. 

Aber gibt es solche Regeln nicht auch in Sachen Ästhetik? 

Wenn ich mich zum Beispiel für eine rechtwinklige Formensprache entscheide, welche tendenziell in kleineren Gärten gut funktioniert, dann verzichte ich bewusst auf Kreise, Diagonalen und andere Formen. Das gilt auch für die Auswahl der Materialien und deren Farbe. Wer warme Farbtöne bevorzugt, ist gut beraten, mit geschwungenen Formen zu arbeiten. Wer dem Garten einen modernen Charakter geben möchte, kann gut mit verschiedenen Grautönen arbeiten. Die bewusste Beschränkung auf ein Farbthema (warme Farben, kalte Farben) sollte man auch bei der Auswahl der Bepflanzung im Hinterkopf haben. 

Welche Ausgestaltung würden Sie mir für eine moderne Terrasse vorschlagen? 

Ich würde Ihnen als ein Beispiel der verschiedenen Möglichkeiten zu einer mittel-grauen Terrasse mit anthrazitfarbener Umrandung raten. Dann sollten auch die Wege anthrazitfarben ausgepflastert oder gerandet sein. Tendenziell wirken bei einer modernen Ausrichtung geometrische Formen mit kalten Farben am besten. 

Welche Aspekte sollte man noch berücksichtigen? 

Der Charakter eines Gartens hängt auch von der vermittelten Informationsmenge ab. Es gibt Gärten, die sind zu stark mit verschiedenen Stilelementen überfrachtet, so dass man das Bedürfnis verspürt, erst einmal Licht und Luft reinzulassen. Andere Gärten wiederum vermitteln mit einer Terrasse, einem Rasen und einer Thuja-Hecke als einzigen Gestaltungselementen gähnende Leere. Die Kunst liegt darin, den goldenen Mittelweg zu finden und die Menge an Gestaltungselementen auf einem optimalen Niveau anzusiedeln. Es gibt ganze Studien darüber, wann Menschen einen Garten oder eine Landschaft als ästhetisch ansprechend empfinden. Dieses Phänomen beobachte ich auch oft bei meinen Kunden: Sie begeistern sich für meine Vorschläge, wissen aber nicht genau warum. Letztlich ist die schöne Optik ein Resultat der Beachtung verschiedener Gestaltungsgrundsätze, von denen die Informationsmenge nur einer ist. 

Sie haben vorhin die Bepflanzung angesprochen: In wie weit kann ich den Charakter meines Gartens mit der „richtigen“ Bepflanzung beeinflussen? 

Neben der Farbgebung haben Pflanzen einen entscheidenden Einfluss auf die Plastizität des Gartens. In der Gartenplanung sollte man immer alle drei Dimensionen im Blick haben und auf die Tiefenstaffelung achten. Es gibt zum Beispiel Pflanzen mit Nahwirkung und Pflanzen mit Fernwirkung. 

Diese Unterteilung war mir bis dato fremd. Was versteht man denn genau unter einer Pflanze mit Nah- beziehungsweise Fernwirkung? 

Pflanzen mit großen Einzelblüten, wie zum Beispiel Rosen sind typische Nahwirkungspflanzen. Das heißt, sie entfalten ihre ästhetische Wirkung am besten, wenn ich sie in die Nähe des Betrachters, also im Allgemeinen in die Nähe der Terrasse pflanze. Die Einzelblüten sind attraktiv in Bezug auf ihr Aussehen und ihren Duft. Pflanzen mit Fernwirkung haben kleine Blüten und wirken besonders schön in der Masse. Das gilt zum Beispiel für Heidegewächse, wie Erica und Calluna. 

Wie halten Sie es denn mit Bäumen als Gestaltungsmerkmal? 

Auch der Blick nach oben ist in der Tat wichtig. Als zentrales Element genügt jedoch bei „normal großen“ Gärten von 200 bis 500 qm zumeist ein einziger Baum. Viele Grundstücke sind mit Bäumen und Großsträuchern zugewachsen. Wir wollen jedoch zumindest in wesentlichen Teilbereichen des Gartens die Sonne reinlassen und den Schnittaufwand an Gehölzen so gering wie möglich halten. Unterpflanzungen mit pflegeleichten Stauden bieten ein abwechslungsreiches Blütenbild übers Jahr verteilt und reduzieren den späteren Pflegeaufwand, den ich von vornherein bei der Planung berücksichtige. Beispiele für pflegeleichte Stauden sind Herbstanemonen, Funkien und Storchschnabel. Sie bedecken den Boden gut und lassen somit Unkräutern kaum eine Chance. Eine pflegeleichte Pflanzung zeichnet sich dadurch aus, dass man keinen offenen Boden sieht, der gehackt werden müsste. Durch eine pfiffige Planung kann also der Erlebniswert eines Gartens erhöht werden bei gleichzeitiger Reduktion des Pflegeaufwands. 

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. 

Interview: Sebastian Bach

Quelle: Dipl.-Ing. Johannes Windt Garten- und Landschaftsplanung

www.frischer-windt.de

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