1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Wohnen

Die Investition birgt unterschiedlich hohe Risiken

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gewerbeimmobilien in Brüssel gehören beispielsweise zum Portfolio der derzeit geschlossenen Publikumsfonds SEB Immoinvest, CS Euroreal A und Kanam Grundinvest Fonds. Spätestens im Frühjahr 2012 entscheidet sich deren Zukunft.
Gewerbeimmobilien in Brüssel gehören beispielsweise zum Portfolio der derzeit geschlossenen Publikumsfonds SEB Immoinvest, CS Euroreal A und Kanam Grundinvest Fonds. Spätestens im Frühjahr 2012 entscheidet sich deren Zukunft. © SEB Immoinvest

Angetrieben von niedrigen Zinsen und Angst vor wirtschaftlichen Turbulenzen ist die Nachfrage für Immobilien kräftig gestiegen – auch von Seiten der Privatanleger. Diese möchten ihr Geld sicher anlegen, übersehen dabei aber die Risiken.

Von Jörn Käsebier

Privatanleger möchten ihr Geld sicher anlegen, übersehen aber in Anbetracht von Renditeversprechen aber oft die Risiken. „Wenn man sein gesamtes Kapital in eine Immobilie steckt, ist keine Streuung mehr gegeben“, sagt Roland Aulitzky, Redakteur bei der Zeitschrift Finanztest. Eine Alternative zum Kauf eines Hauses oder einer Wohnung ist das indirekte Investment über Aktien und Fonds.

Offene Immobilienfonds

Die am häufigsten gewählte Variante sind offene Immobilienfonds. Doch hier sind viele Anleger seit der Finanzkrise gebrannte Kinder: Nach Liquiditätsproblemen stoppte rund ein Dutzend Fonds die Anteilsrücknahme. Sechs Publikumsfonds mit einem Gesamtvermögen von 6,6 Milliarden Euro werden komplett abgewickelt, weitere sechs sind noch geschlossen. Nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) sind damit mehr als 20 Prozent des gesamten Vermögens offener Immobilienfonds von 85 Milliarden Euro derzeit nicht verfügbar.

Vor allem beim SEB Immoinvest, dem CS Euroreal A sowie dem Kanam Grundinvest Fonds hoffen die Anleger, dass sich das bald ändert. „Es wäre bedenklich, wenn die drei nicht mehr öffnen würden“, meint Aulitzky. Um Vertrauen in die Assetklasse aufzubauen, verabschiedete der Bundestag im Frühjahr das Anlegerschutzgesetz. „Das Gesetz soll Situationen wie Ende 2008 künftig sehr viel unwahrscheinlicher machen“, sagt Felix Fortelka vom BVI.

Damals zogen innerhalb kurzer Zeit viele Anleger ihr Geld ab, sodass die Bargeldreserven der Fonds schnell aufgebraucht waren. Die neuen gesetzlichen Regelungen, die bis spätestens 2013 umgesetzt werden müssen, erlauben jedoch nur kurzfristige Auszahlungen bis 30.000 Euro pro Halbjahr – größere Abflüsse sind mit einem Jahr Vorlauf anzukündigen.

Renditen steigen wieder

Es gibt erste Anzeichen dafür, dass sich die Anleger von den Turbulenzen nicht abschrecken ließen. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres floss laut BVI frisches Kapital in Höhe von 876 Millionen Euro in offene Immobilienfonds. Das ist zwar deutlich weniger als im Vorjahr (2010: 2,3 Milliarden Euro), doch ist die Bilanz positiver als bei anderen Assetklassen.

Dem Einwerben neuer Mittel kommt beim Erfolg der Fonds künftig noch größere Bedeutung zu. „Eine gute Qualität des Portfolios allein reicht nicht mehr aus. Die Anbieter offener Immobilienfonds müssen auch über einen starken Vertrieb verfügen, um sich am Markt zu behaupten“, sagt Sonja Knorr, Analystin bei der Ratingagentur Scope. Sie sieht vor allem die Produkte verstärkt aus der Krise hervorgehen, die stabil durch die vergangenen drei Jahre gekommen sind. Die Anleger dürften jedoch nicht immer mit den Renditen zufrieden sein. Nach Erhebungen der Investment Property Databank erreichen sie selten mehr als zwei Prozent – und damit weniger als die Inflationsrate. Knorr erwartet jedoch, dass die Renditen mittelfristig wieder steigen werden. Sie rechnet mit Erträgen zwischen drei und vier Prozent. „Das ist für eine risikoarme Assetklasse ein guter Wert, zumal noch steuerliche Vorteile hinzukommen.“

Anleger sollten sich langfristig binden

Allerdings sollten sich Anleger schon fünf bis sieben Jahre an ihr Investment binden – auch um den Ausgabeaufschlag wieder hereinzubekommen. Dafür bekommen sie ein Produkt mit geringem Verlustrisiko. Finanzexperten sehen Anteile an offenen Immobilienfonds daher noch immer als gutes Produkt zur Beimischung im eigenen Portfolio. Höhere Renditen versprechen geschlossene Immobilienfonds. Sie eignen sich jedoch meist nicht für Kleinanleger, da sie hohe Mindestanlagesummen verlangen. Auch ist das Risiko höher, da sie oft nur wenige Objekte im Portfolio haben, von deren Erträgen ihre Performance abhängt. Zudem haben kleinere Fonds aufgrund der großen Immobiliennachfrage ein Problem: Die Konkurrenz auf dem Markt treibt die Preise nach oben.

Und da geschlossene Fonds in vielen Fällen nur über eine ähnlich hohe Kapitaldecke verfügen wie Vermögensverwalter und reiche Privatanleger, stechen sie sich gegenseitig bei den wenigen geeigneten Immobilien aus, die überhaupt auf den Markt kommen. Auch bei Aktien ist das Risiko hoch. So gingen die Kurse börsennotierter deutscher Immobilienfirmen in diesem Jahr in den Keller. Optimistische Marktbeobachter sehen in den niedrigen Kursen Chancen für Anleger – zumindest für Risikofreudige.

Auch interessant

Kommentare