Gebraucht kaufen

Ein Haus mit Vorleben

Alte Häuser können Geschichten erzählen. Sie haben Charakter, und viele stehen in schönen Gegenden. Aber: Altbauten haben ihre Tücken und müssen auch saniert werden. Vor dem Kauf ist daher einiges zu bedenken.

Der Traum vom Eigenheim muss nicht zwingend mit Baustress verbunden sein. Gebrauchte, ältere Immobilien gibt es stressfreier und mit vielen Vorteilen: Sie stehen oft in gefragten Lagen, verfügen über eingewachsene Gärten und können günstiger sein als ein Neubau. Der Kauf will aber gut überlegt und durchgerechnet sein, die Immobilie muss auf Altersschäden geprüft werden.

Am Beginn der Immobiliensuche steht - wie beim Neubau - die Frage nach dem "Was will ich?", "Was brauche ich?" und "Wird meine Familie größer oder kleiner und was dann?" Danach komme die Analyse der Finanzen, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Klarheit über das vorhandene Budget mache es einfacher, gezielt Ausschau zu halten. Für die Suche nach dem neuen Zuhause sollten mindestens sechs Monate eingeplant werden.

Erfüllt ein Haus die Grundvoraussetzungen wie Zimmerzahl und Fläche, sollte noch ein weiteres Kriterium zählen: die Lage. Sie entscheidet maßgeblich über den Wert der Immobilie und damit über deren Preis. "Selbst Schrott verkauft sich in guter Lage besser als Luxus in schlechter Lage", weiß Hywon Seo, Fachreferentin für Bauen/Wohnen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten, Bus und Bahn? Ein Spaziergang durch das Umfeld verschafft oft einen ersten Überblick. Ein Blick in die Bebauungspläne und in Bodengutachten hilft, möglichen Schadstoffen oder Grundwasserproblemen auf die Schliche zu kommen. In Ostdeutschland sollten der Expertin Seo zufolge auch Aktivitäten des Kampfmittelräumdienstes beachtet werden.

Das ins Auge gefasste Haus sollte man von außen nach innen und vom Keller bis zum Speicher besichtigen. Experten empfehlen dafür mindestens zwei Termine. Einen ersten, um Lage, Größe, Aufteilung und Ausstattung zu prüfen, und einen zweiten, um gründlich in die Ecken zu gucken. So seien Sanierungsbedarf und eventuelle Wertminderung besser einschätzbar.

Generell hat jede Hausgeneration typische Schwachpunkte: Keller ohne Abdichtung, Rost an tragenden Elementen, morsche Balken und korrodierte Leitungen listet der Freiburger Bauingenieur Peter Burk in seinem für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geschriebenen Ratgeber als charakteristisch für Häuser des beginnenden 20. Jahrhunderts auf. Blei-Wasserleitungen und ungedämmte Dächer kämen häufig bei Gebäuden aus den Nachkriegsjahren vor.

Asbest oder giftige Holzschutzmittel könnten in Immobilien stecken, die zwischen 1946 und 1989 entstanden. In fast allen älteren Gebäuden sei zudem die Wärmedämmung und der Schallschutz ein Problem. Kaufwilligen rät Burk, Bausachverständige oder Architekten zur Besichtigung mitzunehmen und eine Bestandsaufnahme zu machen.

Denn sind solche Mängel vorhanden, müssen diese in die Modernisierungskosten einkalkuliert werden. Sie kommen also zum Kaufpreis hinzu. Die erforderlichen Investitionen werden nach Dringlichkeit, Finanzen und Stand der Technik konzipiert.

Vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag sollten angehende Hausbesitzer eine Finanzierungszusage der Bank in der Tasche haben. Außerdem muss ein Termin beim Notar vereinbar werden, wo sämtliche Fragen zum üblicherweise von Makler oder Verkäufer entworfenen Kaufvertrag gestellt werden. Statt der gängigen Formel "gekauft wie gesehen" rät Burk, Haus- und Grundstücksgröße, Mängel sowie Zahlungs- und Übergabemodalitäten in den Vertrag aufzunehmen. Der Entwurf sollte spätestens zwei Wochen vor der Beurkundung vorliegen. So bleibt Zeit zum Überlegen. (dpa/tmn)

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