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Die Pflegewirtschaft kann immens durch den digitalen Wandel profitieren.

Digitales Zeitalter

Transformation in der Pflegewirtschaft

Die Pflegewirtschaft ist in besonderem Maße von den zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. Menschen pflegen Menschen. Und das soll auch so bleiben. Dennoch bietet der digitale Wandel gerade den Pflegenden neue Möglichkeiten und vor allem Entlastung.

Der Mensch ist ein Wesen der Biologie, deren Beschaffenheit einen Alterungsprozess mit schwindender Vitalität vorsieht. Aus diesem Grund hat die Pflegewirtschaft bestand, die einen Generationsvertrag innehat, um alternden Mitmenschen eine gerechte Pflege zu ermöglichen. Junge Menschen pflegen alte Menschen. Ein einleuchtendes System.

Obwohl das konstruierte System auf theoretischer Basis einwandfrei funktionieren sollte, hat die praktische Ausführung der Pflegewirtschaft mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Überlastung, Strukturprobleme, zeitliche Engpässe und der demografische Wandel sind nur einige Aspekte, die das System belasten.

Dabei reißen die präsenten Herausforderungen nicht ab, sondern häufen sich durch gesellschaftliche Veränderungen. Um aktuellen und anbahnenden Aufgaben Herr zu werden, kann die Pflegewirtschaft enorm vom digitalen Wandel und der technologischen Entwicklung profitieren. Bereits jetzt werden Strategien angewandt, die das System stabilisieren. Doch nach der angestrebten Rehabilitierung muss noch lange nicht Schluss sein. Verbesserungen in der Pflege müssen her.

Smart Home in der Pflege

Viele Senioren und Menschen mit Handicap haben große Angst davor, bei fortschreitender Pflegebedürftigkeit gegen ihren Willen in ein Altersheim umziehen zu müssen. Dadurch geht die eigene Unabhängigkeit verloren. Denn dort gelten klare Regeln und Individualität ist nur in einem begrenzten Rahmen möglich. Die Lösung für dieses Problem bieten Ambient Assisted Living (AAL) Systeme, deren Anbieter den Alltag durch einfache Maßnahmen und Nachrüstlösungen komfortabler und vor allem sicherer machen.

AAL wurde ursprünglich vom Fraunhofer Institut ins Leben gerufen und entwickelt sich ständig weiter. Die Technologie ist besonders vorteilhaft, weil sie einfach zu beherrschen ist und sehr diskret in das Leben und den Alltag pflegebedürftiger Personen integrierbar ist. Zudem lassen sich AAL-Systeme individuell an die Lebenssituationen der betroffenen Personen anpassen und können jederzeit verändert oder erweitert werden. Ein Haus oder Wohnung mit dem AAL-System verfügt unter anderem über eine automatisierte Steuerung der Heizung, des Lichts und der Jalousien. Eine Überwachung der eigenen vier Wände ist ebenfalls möglich.

Technische Assistenzsysteme

Das AAL fällt unter die Kategorie Technische Assistenzsystem, die im Grunde zwei wesentliche Vorteile für das Pflegepersonal bieten. Sie reduzieren zum einen nichtpflegerische Routinetätigkeiten, so dass sich Pflegekräfte mehr Zeit für das Wohlergehen der pflegebedürftigen Menschen nehmen können.

Zum anderen können die Assistenzsysteme Gesundheitsschäden vorbeugen und damit die Arbeit in der Pflege attraktiver gestalten. Gleichzeitig können technische Assistenzsystem auch die Selbstständigkeit von älteren und pflegebedürftigen Personen unterstützen und somit Abhängigkeiten vermeiden.

Dies ist auch das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts EmAsIn (Emotionssensitive Assistenzsystem zur reaktiven psychologischen Interaktion mit Menschen), das neue Lösungen zur Unterstützung von Menschen mit dementieller Erkrankung oder affektiver Störung entwickelt hat.

Geeignete Assistenzsystem im Überblick:

  • Toilette mit Intimpflege
  • Elektronische Medikamentenbox (Erinnerungsfunktion)
  • Automatische Herabschaltung
  • Mobile Aufstehhilfe
  • Quartiersvernetzung (IT-Plattform – Notruf und Kommunikationsfunktionen)
  • Intelligenter Fußboden (Sensormatte)

Roboter als technischer Helfer

Bereits heute kommen Roboter in der Chirurgie zum Einsatz. 2012 sind nach Schätzungen des IFR 450.000 Operationen weltweit mit der Unterstützung von Medizinrobotern getätigt worden. Roboter im medizinischen und pflegerischen Bereich sollen Fachpersonal nicht ersetzen, sondern eine assistierende Funktion haben.

„Um vielleicht auch nur zehn oder 15 Minuten Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt zu den Pflegenden zu schaffen, ein Kontakt, der aufgrund der Arbeitsüberlastung häufig gar nicht möglich ist“, betont Marc Specht die unterstützende Rolle eines Roboters in der Pflegewirtschaft. Specht ist Marketingleiter der Firma BoS&S in Adlershof. Sein Softwareunternehmen beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr mit dem Thema Robotik in der Pflege.

Der erste Durchbruch wurde mit dem Roboter Pepper erzielt, der einfach Dialoge mit Pflegebedürftigen führen kann und diese zum Beispiel zu mehr Bewegung animiert. Auch das Singen und Bewegungen gehören zu den Fähigkeiten des mechanischen Assistenten. „In einem Pflegeheim kann Pepper die Bewohner auffordern, sich aus dem Stuhl zu erheben, und, wenn möglich, zur Musik zu tanzen, oder auch langsamere Bewegungen wie Tai-Chi auszuführen“, erläutert Specht die Einsatzmöglichkeiten des Roboters.

Effizienz dank Softwarelösungen

Die Pflegewirtschaft ist ein riesiges Bündel an Daten, die eine ineffiziente Verwendung erfahren. „Jenseits der Pflegeroboter und der elektronischen Leistungsabrechnung besteht daher die Herausforderung der Pflege, die Daten aus ganz vielen spezialisierten Software-Tools effizient zusammen zu tragen, um sie täglich ohne aufwendige manuelle Bearbeitung auswerten zu können“, beschreibt Stanislav Elinson, Managing Partner der Saxess Software GmbH, die Bedeutung der digitalen Transformation in der Pflegewirtschaft.

In keiner Branche ist die Systemlandschaft für die Leistungsabrechnung sowie Personalabrechnung so vielfältig wie in der Pflege. Zudem bieten die einzelnen Einrichtungen keine Transparenz, um voneinander zu profitieren. „Das kostet die Verwaltung unnötig viel Zeit und führt zu einem suboptimalen Einsatz vorhandener Ressourcen“, erklärt Elinson.

Sind jedoch alle Systeme miteinander vernetzt, beschleunigt sich der Informationsaustausch und die Transparenz erhöht sich. Dadurch sinkt zunächst der Verwaltungsaufwand und das Personal von Pflegeeinrichtungen kann sich mehr um die operativen Belange kümmern.

Für solche Vernetzungsstrategien sind ganz spezifische Software-Unternehmen verantwortlich, die sich im digitalen Zeitalter mit der technischen Umsetzung einer standardisierten Datenbasis in diversen Branchen beschäftigen. Darunter fällt auch die Saxess Software GmbH, die schlanke und flexible Lösungen für die Unternehmenssteuerung mit dem Fokus auf das operative Controlling entwickelt. „Mit diesem Konzept kann beispielsweise die Pflegepersonalkapazität genauer der aktuellen Belegung der Pflegeeinrichtung angepasst werden“, sagt Elinson. „Eine Entlastung des Personals und Klarheit über die unternehmerischen Rahmenbedingungen wären die positive Folge.“

Datenschutz und Sicherheit

Auch wenn die Vernetzungsstrategie für effizientere Abläufe und mehr Transparenz in der Pflege sorgen soll, fließen im gleichen Atemzug Unmengen an personengebundenen Daten zusammen. „Das dadurch entstehende Data Warehouse, wo alle Pflege- und Finanzdaten gesammelt werden, kann zum Angrifssziel für Datendiebe werden“, warnt Elinson.

Der digitale Wandel mag zwar viele positive Effekte für die Gesellschaft parat halten, jedoch existieren auch negative Aspekte. Zu diesen gehören Datendiebe und die akute Cyberkriminalität. Daher muss die Datenbasis laut dem Managing Partner von der Saxess Software GmbH sorgfältig geschützt werden.

Wie die einzelnen Pflegeeinrichtungen damit umgehen wollen, müssen sie in erster Linie für sich selbst entscheiden. Kann die eigene IT eine sichere lokale Umgebung gewährleisten oder vertraut man doch eher zertifizierten Anbietern wie Microsoft mit ihren Hochsicherheits-Rechenzentren, die die Daten in der Cloud lagern. Die Ansätze für das Gewährleisten von Datenschutz und Sicherheit sind vielfältig, müssen aber um jeden Preis eine hohe Priorität genießen.

Nicht zuletzt hilft die digitale Transformation zudem bei der Umsetzung von gesetzlichen Richtlinien, die für die Pflegewirtschaft unumgänglich sind – etwa beim Pflegestärkungsgesetz oder Bundesteilhabegesetz. „Bei beiden Gesetzen geht es primär darum auf Knopfdruck zu wissen, ob ich die Anforderungen erfülle und das bei Kontrollen auch nachweisen kann“, sagt Elinson.

Bei beiden Richtlinien würden immer mehr Daten schnell auswertbar sein und das unternehmerische Handeln müsse danach ausgerichtet werden. Die Digitalisierung von Papierakten aber auch die Integration dieser digitalisierten Daten würden dabei helfen.

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